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Full text of "Michael Beheims Gedicht ueber den Woiwoden Wlad II. Drakul"

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jtfichaei Beheims Qedicht 



fiber den 



WoiwoSen Wla5 ll. Drakul. 



JKit historischcn and kritischen Eriauterungcn 



Inaugural-Dissertation 



zim 



£rlangnng dcr Doctorvfirte bet der JCohen philosophischen 
f aknltSt der Universitit Leipzig 

EINGEREICHT VON 

GregorC. Conduratu 

aus Bucarest.j 



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BUKAREST 

Buchdruckerei „BMINESCU tf . — Bulevardul Elisabeta 6? 

1903. 



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VORWORf 



Durch die vorliegende Veroffentlichung glauben 
wir der rumanischen Geschichtsforschung eine zeitge- 
nossische Quelle von einiger Bedeutung naher ge- 
bracht zu haben. Das Gedicht des Meistersangers 
Michael Beheim, welches als Hs: in der Sammlurig 
der Heidelberger Universitatsbibliothek bis jetzt unbe- 
kannt verborgen blieb, beschreibt die erste Regie- 
rungszeit des walachischen Woiwoden Wlad II Drakul 
(1456-1462). Beheim besingt besonders die Grausam- 
keit des genannten Fiirsten ; daneben aber giebt uns 
der Dichter einige neue Aufschliisse liber den Hof 
und die Politik Drakuls, sowie iiber die Gefehgen- 
nahme und Einkerkerung desselben durch Konig Ma- 
thias von Ungarn. Das Werk ist von Beheim in Wien 
teils nach einer schon verbfferitlichten Erzahlung, teils 
nach dem Horensagen verfassti 

Der Wert der Schriften des fruchtbaren Meister- 
sangers ist zuerst vom Wiener Gelehrten Th. von 
Karajan, Mitte des vorigen Jahrhutiderts, dargelegt 



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worden. Ebenfalls durch Karajan kennen wir aus- 
fuhrlich Beheims langes Wanderleben an den Hofen. 
Gewohnlich sind die von Beheim behandelten Themen 
einerseits selbsterlebte oder von Zeugen gehorte und 
bearbeitete Begebenheiterf ; andrerseits Thatsachen, in 
die seine jeweiligen Herren verwickelt sind, oder Ereig- 
hisse* die sich den Interessen derselben anschliessen : 
Z. B< Buch von den Wienern, der Zug nach Belgrad, 
die Geschichte des Pfalzgrafen Friedrich I von Hei- 
delberg, die Erzahlung der Expeditionen vom J. 1443, 
1444 gegen die Tlirken, u. a. 

Unter die bearbeiteten und gehorten Themen ist 
nun auch unser Fund zu zahlen. Die Dichtung ware 
zweifellos von grosserem Wert und Nutzen, wenn Be* 
heim mehr bedacht gewesen ware, Naheres iiber die 
damaligen Verhaltnisse, vor allem iiber die merkwur- 
dige Personlichkeit des Woiwoden Drakul zu erfahren- 
Wenn Beheim iiber solch ein Thema schreibt, so fuhlt 
er sich nicht fremd von Ungarn, in dessen Hauptstadt 
der gefangene Fiirst gebracht wird. Der Dichter hat nie 
dem Konige Mathia£ gedient, war aber einige Jahre 
vorher, 1456 in Belgrad bei dem Grafen Ulrich von 
Cilli, dem Feind der Hunyaden, dann im Dienste des 
ungarischen Konigs Ladirfaus. 

Man kann jedenfalls nicht feststellen, wer den 
Meistersanger veranlasst hat, die Erz&hlung von der 
tyrannischen Regierung Drakuls in Verse zu bringen. 
Es ist auch moglich, dass das Thema selbst Beheim 
angezogen hat. Beschreibungen in Prosa die den- 
selben Inhalt hatten, wie das Beheimsche Werk, waren 
verhaltnissmassig zahlreich; als Broschiire bildeten sie 
wahrscheinlich den Gegenstand der Volkslektiire in 



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deutschen Landern wahrend der letzen Juhrzehnte 
des 15. und des folgenden Jahrhunderts. Im Osten 
Europas, in Russland, hat iiber denselben Drakul auch 
eine Erzahlung existiert, welche sich aber in der Ten- 
denz und teilweise auch inhaltlich von der deutschen 
Fassung unterscheidet. 

Bevor wir auf die Dichtung und das specielle Stu* 
dium ihres historischen Inhaltes eingehen, werden einige 
biographische Notizen iiber den Meistersanger, iiber die 
Zeit und das Quellenmaterial vorausgeschickt werden, 
Auf clie kritische Betrachtung des Inhaltes wird der 
Text von einigen deutschen Prosaerzahlungen folgen, 
die bis jetzt noch nicht herausgegeben worden sind, 

Leipzig, 1902. 



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INHALTSVEVZEICHNIS 



Seite 

Das Leben und die Werke Michael Beheims. 7 

Das Gedicht Beheims uber den Woiwoden Wlad 
II. Drakul. — Form und Quellen des Gedichtes. Das 
Gedicht als geschichtliche Quelle • ...•••••.. 15 
Inhait des Gedichtes. Die von Beheim benutzten Quellen: 
die deutschen Prosaerzahlungen, Handscriften u. Drucke 
derselben. Der Monch als Gewahrsmann Beheims. Die 
Zeit sowie die Art u. Weise der Beheim'schen Quellen- 
benutzung. Andere Quellen tiber denselben Stoff. 
Text des Beheim'schen Gedichtes . • • . . . . 29 
Geschichtliche Bemerkungen • . . • . . • . . • 57 
Wlad I. Drakul (1432, 1433 — I 434> H36, 1446— 1447) von 
der Walachei. Wladislav-Woiwode (1448—1456). Wlad II. 
Drakul auf dem walachischen Thron 1456. Die Namen 
Drakul und Tzepesch (der Spiesser), unter denen der 
Woiwode bekannt ist. Anfang der feindlichen Haltung 
Drakuls gegen die sachsischen Gebiete Siebenbiirgens. 
Drakul als erklarter Feind Ungarns (Dez. 1456). Gegner 
Drakuls in Kronstadt u. Almasch. Grausamkeiten gegen 
die siebenburg, Kaufleute u. Knaben. Intervention des 
KOnigs Mathias und des Michael Szilagyi zu Gunsten 
Drakuls (1458).— Neuer Einfall Drakuls in Siebenburgen, 
ins Burzenland (Herbst 1459). Die Ermordung von Dra- 
kuls Gegner, des Fursten Dan (1460). — Die Ermordung 
der walach. Bojaren. Die Feinde Drakuls im Lande und 
in Siebenburgen. — Drakul gegen die Kaufleute aus dem 
Burzenlande. Die Ermordung der walach. Einwohner in 
Almasch (24 Aug. 1460). Einfall Drakuls in Fogarasch; 
Verwiistung bei Hermanstadt. — Die Beziehungen Dra- 
kuls zu den Turken, Einfall in Bulgarien (Winter 
146 1— 1462). Hofsitten in der Walachei unter Drakul. Mu- 
hammeds II. Vorbereitungen zu seinem Zug gegen 
Drakul. Krieg der Turken in der Walachei (Mai-Juli 
1462). Konig Mathias nach Siebenburgen, in Hermann- 
stadt u. Kronstadt (Sept. — Dez. 1462. Verrat Drakuls. 
Seine Gefangennahme bei KGnigstein und seine Einker- 
kerung in dem Schlosse bei Ofen (Nov. 1462). Drakuls 
Ubertritt zum Katholicismus vor seiner 2. Thronbe- 
steigung. 
A n h a n g. Text der deutschen Prosaerzahlungen ...... 105 



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pas £eben und die Werke )Vf. Jeheims 



Die Familie des Meitersangers Beheim oder Beham stammt 
— wie der Name schon zeigt — aus Bohmen. Der Urahne 
des Dichters, «Chnucz Wilsner 1 )* genannt, von Bohmen aus- 
gewandert, hatte sich in Schwaben niedergelassen. Michael 
Beheim ist am 27 Sept 1416 in Siilzbach b. Weinsberg (in 
Wurtemberg) geboren, als Sohn eines Webers 2). Im alter von 
23 Jahren gab er das Gewerbe seines Vaters auf und ring 



1) In einem kleinen von Beheim in Wien verfassten Gedicht : 
«Von Michel Pehams gepurt und seinen herchomen in dis lannd> 
(Hs. 334 Heidelberg, S. 30), findet man einige kurze Angaben tiber 
die Abstammung seiner Familie sowie iiber seinen eignen Lebens- 
lauf. Ubrigens ist das Leben des Dichters aus den von ihm selbst 
in seinen Werken gelieferten Angaben entnommen worden. 

2) Die erste genauere biograph. Notiz iiber den Meistersang. bei 
Karafan, Buch von den Wienern, Wien 1843 S. XXVI— LXXI. Die 
spateren Studien von Bartsch, Ailgemeine Deutsche Biographie, Bd. 
II, 280 ff. und Caspar t, M. Bs. Lebensende, Germania XX, 412 ff. 
geben beinahe voilstandig alles, was tiber das Leben, die Familie, 
den Charakter, die Reisen, die Werke und den Tod Beheims bekannt 
ge worden ist, 



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als Kriegsmann und Sanger ein Wanderleben an, das drei 
und dreissig Jahre wahrte. Zuerst trat Beheim in die Dienste 
seines Landesherrn (Konrad von Weinsberg) und erlernte 
die Dichtkunst. Dann fmden wir ihn seit 1448 beim Mark- 
grafen Albrecht- Achilles, mit dem er an den Kriegen gegen 
die Stadte teilnimmt und hierbei von den Rothenburgern 
gefangen genommen wird l )- Im Friihling 1450 unternimmt 
er eine Reise nach Danemark, kommt nach Kopenhagen 
und besucht den Konig Christian I. in Drontheim 2 ). Zuriick- 
gekehrt, begiebt er sich fur kiirzere Zeit an den Hof Al- 
brechts III. nach Munchen und an den des Herzogs Albrecht 
VI. von Oesterreich nach Wien. Im Sommer 1456 geht er in 
den Dienst des Grafen Ulrich von Cilli iiber. 

Von diesem Zeitpunkte an interessiert uns Beheim mehr. 
Er beteiligt sich im Gefolge des Konigs Ladislaus von Bohmen 
und Ungarn an dem Feldzuge gegen die Tiirken in Belgrad. 
Ende des Herbstes 1456 reiste der Konig nach Belgrad ab, 
von Ulrich v. Cilli und deutschen Truppen geleitet. Der 
neue Herr des Dichters war der ausgesprochene Gegner des 
siegreichen Johannes Hunyadi, der eben gestorben war (11 
Aug.), kaum drei Wochen nach der Niederlage der Tiirken. 
Der Graf von Cilli hatte im Verein mit dem Konige Ladis- 
laus die Absicht, den Parteigangern des grossen Verstorbenen 
die kaum erlangten Fnichte des Sieges zu entreissen : nam- 
lich die von den Ungarn so tapfer verteidigte serbische 
Festung Belgrad. Doch war es v. Cilli nicht vergonnt, in 
Belgrad die Verwirklichung seines Ehrgeizes zu fmden. Am 
9 Nov. d. J. fiel er durch den Degen Ladislaus' Hunyadi, 



i) Als Beheim spater mit Entsetzen die Grausamkeiten Drakuls 
besungen hat, scheint er vergessen zu haben, class bei diesen Bela- 
gerungen ahnliche Greuel vorgekommen sind. Es wurden selbst Kinder 
nicht verschont ; man brannte eine Kirche wahrend der Messe nieder ; 
Verwundete wurden iiber die Mauern der Stadt geworten; eine grosse 
Anzahi Burger musste ins Gefangniss wandern. Die Rothenburger 
Chronik, J. 1449, Karajan, XXX f. 

2) C. Molbechy Om Michael Beheim og hans Reise til Danmark og 
Norge 1450, in Historisk Tiddsskrift, VI, Kjobenh. 1845, 321—8. 



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des alteren Bruders des nachmaligen Konigs Mathias Cor- 
vinus l ). 

Nun herrenlos, zugleich in einer Zeit, die reich genug 
an tragischen Ereignissen war, fern von der Heimat, schloss 
sich Beheim dem Konige Ladislaus an. 

Diesem bliihte jedoch kein Gliick in Ungarn. Seinen 
machtigsten Halt hatte er in seinem Verwandten von Cilli 
verloren und beinahe ware er jetzt in die Hande seiner 
Feinde, der Hunyaden, geraten a ). Es ist sehr wahrscheinlich, 
dass Beheim den Konig bei seiner Ruckkehr in die ungar. 
Hauptstadt begleitete und im folgenden Jahre (Juni 1457) 
auch mit ihm nach Wien zog 3 ). Die Reise des Konigs nach 
Wien und spater im Sept. nach Prag war eher eine Flucht 
zu nennen. Denn in Ungarn kam eine grosse Erhebung zum 
Ausbfuch. Parteien erstanden und befehdeten sich. Die Be- 
ziehungen wurden sehr gespannt, besonders seitdem Ladis- 



i) Beheim beschreibt diesen Todesfal. Die diesbeziigl. Stelle im 
Gedichte iiber die Eroberung Constantinopels, die Verwustung Ser- 
biens, die kriegerischen Untemehmungeii vor Belgrad, Vers. 501— 
519. Karajan, Zehn Gedichte M. Beheims zur Gesch. Osterreichs und 
Ungarns, in Quelien u. Forschungen zur vaterland. Geschichte, Wien. 
1849, S. 24-26, 51— 64. 

2) Bevor der K6nig nach Ofen zurilckkehren konnte, wurde er, urn 
seine Freiheit wieder zu erhalten, gezwungen, sich mit den Hunyaden 
zu vers5hnen, dem Mdrder den Titel eines Oberstallmeisters zu ver- 
leihen und den Michael Szilagy, dem Onkel des ersteren, das Kom- 
mando von Belgrad zu ubertragen. pontes rerum Austriae. Diploma- 
taria et Acta, Bd. XLII, 229 if. Birk, Beitrage zur Gesch. der KSnig. 
Elisabeth v. Ung., in Quelien und Forschg. z. vaterl. Gesch. 1849, 
254-58. Csuday, Geschichte der Ungarn (aus d. ungar. iibers.) I, 438. 

3) Beheim liebte die Ungarn nicht, wohl aber die BOhmen und die 
Deutschen. Ein Bsp. hierfuhr giebt ein Ged., das zu jener Zeit ent- 
stand, al8 er sich beim Ktfnige Ladisl. befand. Man sieht, dass B. in 
dem Hause eines ungar. Grafen schlecht behandelt worden ist. Er 
giebt dem KOnige den Rat, kein Vertrauen zu den Ungarn zu haben ; 
die guten Unterthanen sind nur die BGhmen, und die Deutschen. Mit 
den ersteren', den B5hmen. kOnnte der KOnig, nach der Ansicht des 
Dichters, wie ein zweiter Alexander der Grosse die ganze Welt sich 
unterwerfen. Karajan> Zehn Ged. M. Bs., 23-24, 50-51. 



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laus Hunyadi am 15 Marz durch den Konig zum Tode ver- 
urteilt worden war 1 ). Unter diesen Verhaltnissen verliess Be- 
heim mit dem Gefolge des Konigs Ungarn, hielt sich einige 
Monate in Wien und darauf in Prag auf. Hier — vielleicht 
schon vor dem Tode des Konigs (23 Nov. 1457 2) - nahm er 
Urlaub, um in den Dienst Kaiser Friedrichs III. zu treten. 

Auch in den folgenden Jahren war er noch von den dor- 
tigen Unruhen unterrichtet, trotzdem er sich nicht in Ungarn 
auihielt. Das sehen wir aus folgender Einzelheit. Am 24 Jan. 
1458 wurde Mathias Corvinus zum Konige gewahlt. Zur selben 
Zeit und besonders im Jahre 1459 wunschten die dem Hu- 
nyadi abholden Adligen den Sturz des neuen Konigs und 
die Wahl des Kaisers Friedrich zum Herrscher von Uugarn. 
Beheim macht uns in einer kurzen Erzahlung mit den Zwiss- 
tigkeiten unter den Perteien bekannt 3 ). 

Mit dem Kaiser nahm der Dichter teil an der Belagerung 



1) Jronknoi, Mathias Corvinus KOnig, v. Ung. (aus d. ung. libers.) 
Freiburg i. Br. 1891, 35-6 u. Anm. 1. 

2) In dem anfangs citierten Ged. erzahlt Beheim folgendermassen 
seinen Aufenthalt beim Kg. Ladislaus : 

Darnach cham ich czu meinen herren chung Lasla 

der chung czu Ungern und czu Beham wase, 

der laidcr ist czu Prag verdorben da, 

als man dann saget got der wais wol vvie ! 

der ewig got phleg seiner sel iurbase — 

umb chainen herrn peschach mir laider nie.... 

3) In den Ged. zu Ehien des Grafen Sigism. von Szentgyttrgy u. 
Bozyn. Karafan, Zehn Ged., 23, 48-49, Im folgenden jahre 1460 scheint 
Beh. das Ged.: «Disist von dem pom von Osterreich* (eine Geschlechts- 
tolgedes Hauses Habsburg) verfasst zu haben ; dann das Ged. «Von 
den herrn von Oesterreich* in welchem er den Bruderzwist zwichen 
Fiiedrich u. den Erzherz. Albrecht einen unglticklicheri nennt. Ebenso 
muss zu gleicher Zeit ein anderes Ged. entstanden sein, eiries seiner 
wichtigsten : «Von den kung pladislau wy der mit den Turken strait*, 
die beiden Ztige des KOnigs Wladislaus von Polen (erwahlten KCnigs 
von Uugarn 1440) gegen Murad II (1443, Warna I444). Ebenda, S. 
4, 5, 6-21,28-29, 33-34, 35-46. In dem zweiten Zug gegen die Ttirken. 
welcher bei Warna mit einem grossen Misserfolge endigte berichtet 
der Dichter an verschiedenen Stellen von dem walach. Woivod, 
Wlad I Drakul, dem Vater unseres Drakul. • 



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der Stadt Wien (1462). Er zeigte grosse Treue und Erge- 
benheit fiir seinen Kaiserlichen Herrn, vor allem bei der 
Verteidigung der Hof burg, der Felsenburg Urschendorf und 
des Scheuhensteins, wo er den Oberbefehl hatte. Und er, 
der sich darin gefiel, sich aunseres Herrn Deutscher Poet» 
der »Kaiserin Diener« zu nennen, war in Mitten einer erbit- 
tersten Bevolkerung heftigen Verfolgungen preisgegeben. 
Man setzte sogar einen Preis auf seinen Kopf, weil er wahrend 
dieser Zeit in dem »Buche von den Wienern« ohne jede 
Riicksicht die Handlungsweise der Wiener dem Kaiser gege- 
niiber verurteilt hatte x ). 

Von Wien a ) weggezogen, fand Beheim nach zwei Jahren 
ein Unterkommen am Hofe des Pfalzgrafen Friederich I in 
Heidelberg. In der Zwischenzeit aber, bis 1467, war er auch 
in den Diensten des Grafen Eherbard in Urach. Sein Aufent- 
halt am pfalzgraf. Hofe dauerte5Jahre. Hier verfassteer das 
Gedicht iiber die Thaten seines Herrn 3 ), wobei er eine 
Zeitgeschichte in freier Rede vom Kaplan Mathias von Kom- 
nat beniitzte, und ihm ausserdem der Geheimschreiber Alex. 
Bellendorfer helfend zur Seite stand. Unter der Feder Be- 
heims verwandelt sich der Held in den grossten und erha- 
bensten Fiirsten aller Zeiten. Beheim, der so kritisch Veran- 
lagte und nur zu oft Tadelnde, gefallt sich hier darin, in 
seinem letzten Herrn den edelsten Beschiitzer zu erblicken. 

Seine Tage endeten ziemlich traurig. Alt und gebrochen 



i) Dieses grosse gereimte Werk, in Wien u. Neustadt verfasst, 
besang die Gesch. des Aufruhres und all die wechselvollen Ereig- 
nisse von 1462-1465. Als geschichtl. Quelle ist das Ged. von wirk- 
lichem Wert, als Schriftstuck eines Zeugen der thatigen Anteil an den 
meisten Begebenheiten genommen hat. Verflffentl. von Karajan. Ei- 
nige Kapitel aus demselben Ged. sind schon im laschenbuch fur die 
vaterland. Gesch., Wien 1825, 217-246 veroffentlicht worden. 

2) Wahrend seines Aufenfhaltes bei dem Kaiser hat Beheim die 
Ausarbeitung oder wenigstens den Entwurf und die Aufzeichntingen 
zu unserem Ged. iiber Drakui angefangen. 

3) Das 2. Buch des Ged. ist von Ho/mann, Quellen u. Erorterun- 
gen zur bayerischen u. deujsch. Gesch, 3 Bd., Munchen 1863, verSf- 
fentlicht worden. 



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durch die geistige Erschlaffung, welche nach einem so langen 
Wanderleben in Kreisen mit so verscheidenen Sitten und 
Gewohnheiten eintreten musste, finden wir schliesslich den 
Dichter wieder in seinem Heimatdorf, wo er sich ein Haus 
bauen Hess. Hier wurde er bald darauf Schultheiss. Endlich 
zu Ruhe gekommen, wollte es ein tragisches Schicksal, dass 
er eines gewaltsamen Todes sterben sollte. Er wurde nam- 
lich kurz nachher erschlagen. 

Vielleicht ist der grosste Teil der Gedichte Beheims nur 
als Manuskript vorhanden. Nach dem, was veroffentlichtist, war 
Beheim einer der fruchtbarsten SchriftstellerdesMittelalters, 
Niemand ausser ihm hat so vershiedene Stoffe behandelt I 
allgemeine religiose Zeitfragen, Biblisches, Fabeln, Sagen 
und geschichtliche Vorgange ! ). 

Die eigentlichen Meistergesange zu wiirdigen, liegt ausser- 
halb der Aufgabe dieser Skitze a ), bei ihr handelt es sich nur 
um Beheims historische Dichtungen. Ubrigens bilden diese 
auch den wichtigsten Teil seiner gesammten schriftstellerischen 
Thatigkeit. Quellenkritisch angesehen, sind seine geschicht* 
lichen Darstellungen nicht ganz objektiv und unbefangen ; 
das wurde auch fur die Stellung des Dichters zu viel ver- 
langt sein. Trotzdem ist hie und da in seinen Werken eine 
richtige Kritik der Ubel seiner Zeit nicht zu verkennen Z. 
B. in einem kleinen Gedicht, welches «sagt von Turken und 



i) Einige sind veroffentl. S. Ad Holtfinann, Germania III, Stuttg- 
1858, 308—312, 327— 2S\Hagens Sammlg. fttr altdeutsche Litterat. u. 
Kunst. Religiose Gedichte Ph. Wackernagel, Das deutsche Kirchen- 
lied, Bd. 2. Leipzig. 1867, und Noldeke, Halle 1857. Vgl. K. Goe. 
deke, Grundriss zur Gesch. der deutsch. Dichtung aus den Quellen 
I, Dresden 1884, 314 491—92;^^. Koberstein-'Bartsch, Grundr. der 
Gesch. der deutsch. Nationalliteratur, I, Lpz. 1884, 330—1, 357. 

2) Kurj % Gesch der deutsch. Literatur, I Bd. Lpz. 1869, 611 be- 
trachtet die Beheim'schen lyrischen und religiOs-didaktischen Ged. 
als «durchaus unbedeutend in Bezug auf Darstellung und Inhalt». 
Ebenda> 690 f. Vgl. die allgem. Betrachtung tiber die Sprache, den 
Versbau und die Reime b. Beheim in Koberstein-Bartsch, 293—5 
301—2, 304—6. 



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vom adel» l ) Beheim bekrittelt darin den Adel seiner Zeit, der 
infolge seiner Schwache unthatig den Ttirkennoten zusehen 
muss. Er tadelt, dass die uneinige Christenheit zuviel mit 
ihren Zvvistigkeiten beschaftigt ist und so die Fortschritte 
der Sultane nicht beachtet werden. Trauernd vermisst er den 
gliihenden Glauben, der einst die siegreichen Heere der ehe- 
maligen Kreuzfahrer beseelte und zu den grossten Opfern 
bereit gemacht hatte. 



i) Kara/an , Zehn Ged , 26—7, 64—5. 



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li 

DAS GEDICHT BEHEIMS 

fiber den Woiwoden Wlad II. DrakuL 



FORM UND QUELLEN DES GEDICHTES. —DAS GEDICHT ALS 
GESCHICHTLICHE QUELLE 



Im Codex No. 334 der HandschriftenrSammlung der 
Heidelberger Universitatsbibliothek l ) befmdet sich auf den 
Seiten 94 a — 104 a das Gedicht Beheims iiber den Woiwoden 
Drakul. 2 ) Der Text ist in Strophen von 10 Zeilen geschrieben ; 
das ganze Gedicht hat 107 Strophen. 

Der Inhalt des Beheim'schen Gedichtes ist in kurzen 
Worten folgender: Der tyrannische Woiwode Drakul, der 



1) S. (Jie Beschreibung dieses Foliantcn in Wilken, Gesch. der 
heidelberg. Bilchersammlung, H^idelb. 1817, 413 Th. v. Karajan, 
Buch von den Wiener n, LXXIV. *Bartsch, Die altdeutschen Hss. der 
Univ.-Bibliothek in Heidelb., Heidelb. 1887, 79—80. 

2) Der Codex umfasst 458 Doppelseiten zu 2 Spalten. GewShnlich 
setzt man ihn ins J. 1474. Seinen Inhalt bilden Gedichte jeglicher Art, 
religiose u. weltliche. Der Schluss des Codex wird durch ein 12 Spal- 
tenlanges Inhaltsverzeichniss gebildet, Unser Ged. steht im Register 
als : «Item von dem Dracole XCIIII» und unter folgender mit roter 
Tinte geschriebenen Rubrik: «Diese nachgeschriben geticht sten Mi. 
chel Pehaims oster weis und das erst in den noten sagt vom hai- 
ligen gaiste XCIV». 



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im Jahre 1456 zur Regierung gekommen war, fuhrte eine 
blutige und schreckenvolle Herrschaft iiber die Walachei. 
Durch grausame Kriegsziige beunruhigte er die benachbarten 
Gebiete, besondes die sudlichen Gegenden von Siebenbiirgen, 
die von Sachsen bewohnt waren. Zehntausende vonMenschen 
liess er toten, wovon die meisten gespiesst wurden. Nach 
einem Einfalle in Bulgarien wird der Tyrann im Jahre 1462 
von den Turken mit Krieg bedroht. Er versucht, ihnen durch 
List zu entkommen, aber beim Ubergang iiber die Gebirge 
nach Ungarn wird er von Konig Mathias, bei dem er Schutz 
erhoffte, ergriffen und ins Gefangniss geworfen. 

Diese Einkerkerung hat zum Teil zu der Beruhmtheit des 
Woiwoden beigetragen. Der Hof zu Ofen konnte sich den 
Turken gegeniiber riihmen, den von ihnen sehr gefurchteten 
Gegner in fester Gewahrsam zu halten 1 ). Ubrigens beschreiben 
der Hofgeschichtsschreiber Bonfinius und die russische 
Erzahlung, deren Verfasser die Geschichte iiber den Woiwo- 
den in Ofen gehort hat, den Charakler, die Thaten Drakuls in 
ganz anderer, viel giinstigerer Weise als Beheim. 

Von vornherein konnen wir behaupten, dass Beheim seine 
Dichtung ganz fern von dem Einfluss der ungarischen Haupt- 
stadt geschrieben hat. Er ist von anderer Seite und durch an- 
dere Mittel zur Dichtung veranlasst worden. Sein Werk atmet 
denselben Hass und verbreitet denselben Schrecken, den 
man bei der Lektiire einer anderen Erzahlung deutschen 
Ursprungs empfindet, die zur selben Zeit bekannt war. 

Diese deutsche in Prosa geschriebene Erzahlung war sehr 
verbreitet. Sie erschien in gedruckten Broschiiren, deren 
Zahl nicht unbedeutend ist. Es giebt 4 mit Daten versehene 
Ausgaben und 4 andere, welche nur unvollstandige oder 



i) Es ist sicher, da$s Drakul in Ofon gemalt wurde. £9 giebt jet^t 
zwei Copien nach dem Original \ die eine befindet sich im Museum 
des Schlosses Ambras bei Innsbruck, die andere in Wien, in der 
Mttnz, — Medaillen — u. Antiquitaten-Sammlung der Kaiserl. Museen. 
"Bogdan, Vlad-Tepes, Bucuresti 1896, XTII— XVIII. 



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17 



gar keine Angaben enthalten *). Ausserdem sind noch 2 
Erzahlungen vorhanden, die als Hss. erhalten sind, eine im 
Afhive des Stiftes St.-Gallen 2 ) und die andere in dem Stift 
Lambach in Oberosterreich 3 ). 

Uber die Thatsache, wie und wann Beheim zur Kenntniss 
der Erzahlung gelangt ist, haben wir vom Dichter selbst Auf- 
schluss. Im Vers 810 sagt er, dass ein Monch vom Barfus- 
serorden ihm viel iiber die Grausamkeit Drakuls erzahlt habe. 
Wie es scheint, hat Bruder Jakob, der aus Serbien kam, 
personlich Gelegenheit gehabt, einige der Unthaten des wa- 



i) Kertbeny, Ungarn betreffende deutsche Erstlings-Drucke 1454 — 
1600 I, Budapest 1880, S. 9—10, Nr. 29—33, kennt 6 Ex.: 1) befindet 
sich in der Sammlung der Nationalbibliotek zu Budapest, ohne 
Ort-und Zeitangabe, mit dem Tilel : Van deme quaden thyrane Dra- 
cola wyda, und dem Bildniss Drakuls verOffentlicht Engel, Gesch. der 
Walachei u. derMoldau(in Fortsetzung der Allgemeinen Welthistorie, 
49-ten Teils, 4. Bd. 1 u. 2 Abtheil., Halle 1804), S. 75—80; *Bogdan, Vlad 
Tepes, 90 — 105; Archivdes Vereins ftirsiebenbtirg. Landeskunde, Neue 
Folge, XXVII, S. 332 — 342; eine Ubersetzung in modernes Deutsch von 
Podhorsski in Kestbeny 329 ff. 2) ohne Ort-u. Zeitangabe, mit dem 
Titel : Dracole waida u. dem Bildniss Drakuls in Holzschnitt ; 3). 
die Ausgabe 1491 Bamberg, gedruckt durch Hans Sporer 4 : Ein 
wunderliche u. erschrockenliche Hystori von einem grossen wtittrich 
genant Dracole wayda ; 4) die Ausg. 1494 Augsburg. Dracole wayda, 
gedr. d. Christoff Schnaitter, 4 ; 5) Ausg. 1500 Strassburg : Hie 
facht sich an gar ein graussemliche erschrockenliche hystorien von 
dem wilden wutrich Dracole weyde, 4 ; u. 6) 1521 Ntirnberg : His- 
toric vom Dracole Wayda, 8°, gedr. d. Jobst Gutknecht. Ausser 
diesen durch Kertbeny bekannten Ausg., giebt es deren noch 3 : 1) 
in d. Kgl. Bibliothek zu Berlin mit dem Bildniss desWoiwoden; 2) in 
der Bibliothek der rum£n. Akademie mit demselben Titel : Von dem 
Dracole wayda dem grossen thyrannen. *Bogdan, XIV, 87 Anm. 1 ; 

3) im Besitze des Prof. Picot (Paris) Siehe unten 

den Text der Berliner Broschtire. 

2) Erwahnt von D. Gust. Haenil, Catalogi librorum Manuscrip- 
tor. qui in Bibliothecis Galliae, Helvetiae, Belgii etc. asservantur 
(Lips. 1830) S. 711 : Codex No. 86 (Saec. XVI, Chart, fol.) Eine 
Abschrift in der ruman. Akademie, VerOflfentl. e Bogdan > S. 90—105. 
S. den Text weiter unten. 

3) Ver5ffentl. im Archiv des Vereins fur siebenbiirg Landeskunde, 
N. F, XXVII, 331—342. 



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18 

lach. Woiwoden kennen zu lernen (Vgl. Vers 697). Uber den 
genannten MSnch sei es noch gesagt, dass ihn Beheim am 
kaiserlichen Hofe der Wiener-Neustadt sah, und ihn dann 
noch oft in einem nahe gelegenen Kloster besuchte. — Der 
erste Aufenthalt Beheims in Neustadt begann am 12. Dez. 

1462 und dauerte bis zum folgenden Sommer. Auch spater, 
wahrend des Winters 1463/4 und im Sommer 1465 hielt er 
sich an diesem Hofe auf i ). Einer der Monate des Jahres 

1463 kann sehr wahrcheinlich als die Zeit angesehen wer- 
den, in welcher der Dichter Erkundigungen iiber den wa- 
lach. Woiwoden einzog. In den letzten Versen findet sich 
eine kleine Atigabe, aus der man erfahrt, dass die Verhaf- 
tung Drakuls stattgefuuden habe, aber erst vor kurzer Zeit. 
Die Gefangennalime hat sich, wie wir aus anderen Quellen 
wissen, im Laufe des Monats Novemb. 1462 ereignet) 2 . 

Eine andere Frage ist die, ob Beheim seinen Bericht 
allein auf Nachrichten des Bruders Jakob begriindet, oder 
ob ihm das Material schon von andrer Seite bekannt war 
und der Monch nur weitere Aufklarungen gegeben hat. Fur 
die letztere Annahme spricht, dass in dem Gedichte Eigen- 
namen, Namen von Orten, Landern, Stadten und Dorfern, 
Jahreszahlen und sogar einmal Angabe eines Tages vorkom- 
men; ferner sind die verschiedenen Todesarten, mit welchen 
die Feinde Drakuls ihre Fehler biissen mussten, so umstand- 
lich geschildert, dass sie entweder eine reiche Phantasie 
oder Berichte von Augenzeugen voraussetzen. Die Schluss- 
folgerung, dass entweder der Monch, oder Beheim selbst, 
geschriebene Quellen zur Verfiigung hatten, wird bestatigt 
durch sehr ahnliche deutsche handschriftliche Erzahlungen 
und Druckschriften iiber denselben Gegenstand. Wir haben 
dieselben schon weiter oben erwahnt, um den Ausgangs- 
punkt der Erkundigungen des Dichters anzugeben. Eine na- 
here Untersuchung des Inhaltes dieser Erzahlungen in Prosa 



i) Karajan> Buch von d. Wlen., LIX ff. 

2) oMonumenta Hungariae historica, IV. Acta Extera, I, 172. 



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19 



wird uns jetzt beweisen, dass Beheim zweifellos eine davori 
gekannt hat. 

Von den erwahuten 8 Ausgaben und 2 handschriftl. Er- 
zahlungen kennt der Verfasser den Text von zwei Broschii- 
ren (Budapester und Berliner), sowie den der beiden Hss. 
Zwischen alien diesen deutschen Prosaerzahlungen exis- 
tiert eine sichtbare Verwandtschaft : die Druckschriften ha- 
ben eine auffallende inhaltliche Ahnlichkeit *), die Uberein- 
stimmung der beiden Hss. ist wortlich*). Von den Bro- 
schiiren kann man mit Sicherheit annehmen, dass sie nach 
dem Jahre 1476 gedruckt sind 8 ) ; die beiden Hss. aber miis- 
sen viel alter sein 4 }. Ihre wortliche Ahnlichkeit setzt die 
Existenz einer anderen, alteren Erzahlung voraus. Die Zeit 
in welcher diese altere Redaktion bekannt geworden ist, 
lasst sich leicht feststellen. Ihr Inhalt namlich h6rt mit ei- 
nem Ereigniss auf, das ohne Zweifel den Zeitpunkt angiebt, 



i) Nur die Budapester Broschure hat eine Erzahlung mehr als 
die Berliner. 

2) Die Hs von St.-Gallen ist vollstandiger als die von Lambach. 
In der letzten fehlen, wahrscheinlich aus Versehen, 2 Stellen. 

3) Weil die beiden von der 2. Regierung Drakuls berichten 
(Novemb. 1476). 

4) Man muss bemerken, dass Broschuren tiber Drakul schon von 
1476 existieren konnten. Der deutsche Chronist Hefft> der tiber zeit- 
genOssische Ereignisse berichtet, erwahnt, dass Drakul im J. 1462 
gefangen genommen worden ist, und fttgt hinzu, dass zahlreiche 
BroschUren mit dem Bildniss des Woiwod. tiberall verbreitet waren: 
Anno 1462 Dracole wayda... per dominum Ysgram... captivus Buda 
dictus usque hodie custodie reservatur... Adeo denique visu cru- 
delis et austerus apparet, ut imago vultus sui in universum fere sit 
orbem depictam in spectaclum missa. 'Bogdan, 31 Anm 1. Bei die- 
sem Bericht bemerken wir dass derselbe Name Isgra sich auch in 
dem Gedicht Beheims (V. 1056) befindet, aber nur hier, nicht in den 
Druck-oder Handschriften. Andrerseits kannte Heift solche Druck- 
schriften; sie waren, nach seinen Worten, ziemlich zahlreich. Es ist 
mdglich, dass Broschuren mit dem Bildniss Drakuls schon vor 1475*6 
gedruckt vorhanden gewesen sind, zu einer Zeit, da die Worte des Chro- 
nisten H. : c usque hodie custodie reservatur > noch auif Drakul bezo- 
gen werden konnten. 



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26 



wo der Erzahler die Thaten Drakuls gesammelt und nie- 
dergeschrieben hat. Als letzte Begebenheit wird die Ver- 
schlechterung der Beziehungen Drakuls zu den Tiirken be- 
richtet. Dies geschah im Winter 1461—1462. Beide Hss. 
brechen hier ab, und lassen die Erzahlung unbeendet. Mit 
dem Helden sind aber noch einige Ereignisse im Zusam- 
menhang, ohne welche sein^ Geschichte unverstandlich ware. 
Man muss noch bemerken, dass beide Hss. in derselben 
Art und mit derselben That enden, also kein Grund vor- 
handen ist, an eine und dieselbe Vernachlassigung der Ab- 
schreiber zu glauben. Nur in einem Falle konnte die Erzah- 
lung in dieser unbeendeten Form bekannt werden, und 
zwar nur dann wenn sie schon am Beginn des Jahres 1462 
vollendet und verbreitet gewesen ware. Die Erlebnisse Dra- 
kuls welche hier fehlen (der Kriesf der Tiirken in der Wa- 
lachei gegen den Woiwoden, seine Gefangennahme und 
Einkerkerung durch den K6nig von Ungarn) ereignen sich 
im Laufe dieses Jahres bis zum November. Immer in Bezug 
auf die Hss. bemerken wir noch, dass beide ihren Bericht 
iiber Drakul in derselben diirftigen Weise beginnen, 
bloss einem Leser geniigend, dem schon im Voraus der 
Name des Woiwoden und sein Land bekannt war. Auch 
der fragmentarische Schluss der Erzahl. lasst erkennen, dass 
sie nicht fur ein Publikum geschrieben, dem Drakul ganz 
fremd war. Auffallend ist es noch, dass die Thaten gegen 
die Sachsen Siebenbiirgens ausfuhrlicher aufgezahlt 
sind. Bei der Erwahnung und Beschreibung der Einfalle in 
diese Gegenden, erscheinen Namen von Dorfern und An- 
gaben von Daten. Dies verrat nicht nur den deutschen Ver- 
fasser, einen Bewohner der sachs. Gegenden, sondern auch 
einen gewissen Zweck der Schrift. Wir glauben namlich, 
dass die Erzahlung eine politische Flugschrift mit bestimmter 
Tendenz war. Solche Vermutung driingt sich urn so mehr 
auf, als diese Erzahlung weiter nichts enthiilt als die Ereig- 
nisse vor der Mitte des J. 1462, die gerade dem Entschluss 
des Konigs Mathias vorausgingen, nach Siebenbiirgen Drakul 
zu Hulfe zu kommen. Die Erzahlung war dazu bestimmt, 



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21 



entweder dem Konige seinen Schutzling Drakul als Feind 
der eignen Unterthanen Ungarns zu zeigen, oder wenigstens 
eine feindliche Atmosphare gegen die Personlichkeit des 
Woiwoden zu verbreiten. 

In dieser Fassung kommt die Erzahlung zur Kenntniss 
Beheims nach der Wiener-Neustadt. Die Ahnlichkeit zwischen 
den ersten und grftssten Teil des Gedichtes und dem ganzen 
Inhalt der handschriftl. Redaktion liegt zuerst in der Anord- 
nung des Stoffes und der allgemeinen feindlichen Tendenz, 
dann an den Reihenfolgen der einzelnen Erzahlungen, der 
Zahlen, Eigennamen, Namen von Ortschaften, Gegenden u. 
s. w. Nichts fehlt im Gedichte von dem was man auch in 
der vollstandigeren Erzahlung von St. Gallen liest. Oft sind 
sogar die angewandten Ausdriicke gleich \ Was aber Beheim 
in diesem grGssten Teile seines Gedichtes unabhangig von 
den Hss. berichtet, sind die Erzahlungen iiber die 
M 6 n c h e. Dies ist sicher auf die Berichte des Bruders Iakob 
zuriickzufuhren. Im zweiten Teile des Beheim'schen Gedichtes 
findet man gerade jene Ereignisse, die sich von der Mitte 
bis zum Ende des J. 1462 abspielten. Der Dichter beniitzt 
jetzt keine schriftliche Quelle. Wenigstens kennen wir keinen 
anderen Bericht gleich dem Beheims iiber dieselben Begeben- 
heiten 2 . 

Diese letzten Thaten befinden sich nicht in den Broschii- 
ren spateren Datums, Z. B. in den beiden, die uns bekannt 



i) Das Gedicht enthalt auch, wie die Hss. die Erwahnung der 
Einfalle in die Gegenden Fogarasch u. Almasch, welche in den Bro- 
schuren fehlen. In der Hs. fehlt die Erzahlung mit 2 Barfussermfln- 
chen, die in Beheim ganz breit, und auch in den Broschttren be- 
richtet ist 

2) Hier sind die Beziehungen zwischen Drakul und den Turken, 
die verraterische List des Woiwoden gegen den Sultan und den Ko*nig 
Mathias beschrieben; es endigt mit der Gefangennahme Drakuls durch 
die Ungarn. 

Beheim nennt keine andere Person ausser dem MOnche als Ge- 
w^hrsmann. In jedem Falle sttitzt sich die Erzahlung ohne Zweifel 
auf die Ubertieferung einer gut unterrichteten Person. 



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22 



sind *. Zwischen den Broschiiren und den Hss. besteht, wie 
gesagt, eine grosse Aehnlichkeit. Trotz dem aber tragen die 
ersteren ein ausseres Zeichen, dass sie wirklich fur weitere 
Kreise geschrieben und veroffentlicht waren : die sind mit 
einem Tittel und einer Einleitung versehen, so wie mit einem 
Bildniss Drakuls ; ferner ist der Inhalt nicht mehr mit zahl- 
reichen Namen von Dorfern belastet. Die Anordnung der 
Erzahlungen ist nicht mehr dieselbe wie in der Hs. einige 
Thaten Drakuls bleiben unerwahnt*. Nur die Episode von 
den 2 Barfiissermonchen (welche bei Beheim ausfuhrlicher 
und mit einem anderen Schluss beschrieben wird) ist hier noch 
enthalten, wahrend sie in den Hss. fehlt, vielleicht weil 
sie in den Augen des Erzahlers zu gunstig fur Drakul war 8 . 



I 



Als geschichtliche Quelle kann das Gedicht Beheims von 
zwei Gesichtspunkten aus betrachtet werden : im Vergleich 
mit den andern deutschen u. russischen Erzahlungen, und 
im Zusammenhang, mit den denselben Gegenstand behan- 
delnden Quellen. 

Unter alien deutschen Erzahlungen ist das Beheim'sche 
Werk iiberhaupt die vollstandigste. Ausser einer wortreichen 
Beschreibung, enthalt das Gedicht einige den Prosaerzahlun- 
gen unbekannte Punkte, deren histor. Bedeutung allerdings 
viel grosser als die der Aufzahlung der Ermordeten ist. — 
Parallel mit den deutschen Broschiiren, erscheint nach der 
Befreinug Drakuls und seiner neuen Thronbesteigung (1476) 
eine andere Geschichte des Woiwoden in russischer Sprache. 



i) Es ist nur in einigen Worten erwahnt, dass Drakul von dem 
Konige der Ungarn gefangen genommen und ins Gefangniss geworfen 
wurde. 

2) So die Erzahi der Einfalle in Fogarasch u. Almasch, und die 
Stelle mit dem verborgenen Schatz Drakuls. 

3) Jene Anecdote beleuchtete das Gerechtigkeits refuhl Drakuls : 
er liess euiep Schmeichler tOten, wahren4 er einen FreimUtigen el^rte. 



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23 

Der Verfasser derselben ist uribekannt l ), aber man sieht 
aus dem Inhalt seines Werkes, dass er in Ofen gewesen 
ist 2 ). Die russische Erzahlung giebt auch einige Nach- 
richten iiber Drakuls tyrannische Regierung, die aber den- 
jenigen der deutschen Berichte nicht entsprechen. Hier zeigt 
der Woiwode dieselbe intensive Grausamkeit, aber sogleich 
auch die Absicht, die alten Missbrauche abzuschaffen und 
schlechte Gewohnheiten zu strafen. Dennoch waren die 
Mittel veraltet, ebenso veraltet wie das Ubel ! Die russ. Er- 
zahlung berichtet nicht so genau, ist aber nicht so tenden- 
zios wie die deutsche. Letztere beschaftigt sich in erster Reihe 
mit den von Drakul an den sachs. Bewohnern Si^benbiirgens 
ausgeubten Grausamkeiten, die andere vorwiegend mit einer 
Reihe von Ereignissen, die sich im Lande der Walachei 
und gegeniiber den direkten Unterthanen des Woiwoden zu- 
getragen haben. — Beheim wie die russische Erzahlung schei- 
nen verschiedene Zwecke zu haben ; der Dichter erwahut, 
sowie die Hs., keine einzige Thatsache, die dem Woiwoden 
gunstig ware, der andere will eine Personlichkeit schildern, 
die immer tapfer, kiihn und schlau, das Richtige zu wollen 
und auch gerecht zu sein verstand. Natiirlich ist Beheim 
nicht so unabhangig wie der russ. Erzahler. An die Erzah- 
lung in Prosa und die Mitteilungen des Monches Jakob 



i) 'Bogdan, 107, 118 if. u. Iorga, Lucrurl nouS despre Vlad T e P e ?> 
inConvorbirl literare XXXV, 157 halten fur den Verfasser 
dieser Erzahi. den russ. Gesandten K u r i c y n, welcher in Ofen vom 
J. 1 48 1— 1484 verweilen musste. 

2) Er erwahnt einige Thaten, die sich wahrend der Gefangen- 
nahme Drakuls zugetragen haben. Der Erzahler berichtet von der 
Familie Drakuls, von seiner Verwandtschaft m't'dem K(5nige Mathias 
(Tatsache, die von B o n i fl n i u s und von einem Briefe Drakuls 1462 
bestatigt wird. TSogdan, 78), auch von dem aitesten Sohne des Woiwoden 
den er in Ofen gesehen hat, dann von dem Ubertritte Drakuls zum 
Katholicismus und von seinem Tode. Bogdan, 135—170 hat 4 Fas- 
sungen dieser Erzahl. iiber Drakul, in ihren russisch. Texten verOf- 
fentlicht, Alex. V. ^einholdt Gesch. der russ. Litteratur, Leipzig, 188 
hezeichnet die russ. Erzahlung iiber Drakul als eine von den bedeu- 
tendsten des 15. Jahrhunderts. 



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24 



gebunden, bietet uns der Dichter nicht die Gestalt eines Ti- 
rannen, eines orientalischen Despoten, sondern eines blut- 
diirstigen Kranken. Es liegt ohne Zweifel eine Ubertreibung 
und absichtliche Anschwarzung vor. 

Unter den andern Berichten (iber Drakul konnte die erste 
Stelle dem Geschichtsschreiber am ungarischen Hofe, Bon- 
finius ] ), zukommen. In Ofen konnten ihm nicht die Mittel 
fehlen, uns diesen Woiwoden, wenigstens in seinen Verhalt- 
nissen zu Ungarn, genau darzustellen. Es scheint aber, dass 
in der Hauptstadt und der offiziellen ungar. Welt die Hand- 
lungen des gefangenen walach. Herrschers in einem an- 
deren Lichte als in den deutschen Erzahlungen gesehen 
wurden. Wir wollen einige Beispiele geben : nach Bonfinius 
ist der Konig Mathias 1462 in die walach. Gebiete gezogen, 
um seinen Verwandten, den Woiwoden Drakul, aus den 
Handen der Tiirken zu retten ; aber ohne irgend eine Ursa- 
che, habe der Konig den Woiwpden gefangen genommen 
und in den Kerker geworfen. Der amtliche Historiker fugt 
hinzu, dass Mathias wider alle Erwartung den anderen Fiirs- 
ten (der von den Tiirken eingesetzt war) im Besitze des 
Thrones liess 2 ). Es ist ja wahr, dass fur einen amtlichen 
Geschichtsschreiber unter Konig Mathias die Motivierung die- 
ser Handlungen gegen Drakul ungeniigend erscheine. Bon- 
finius war sich offenbar nicht klar (iber den inneren Zusam- 
menhang derselben 3 ). Ferner sein Bericht, der die Strenge 



i) Kerum Hungaricarum decades IV libr. XLV (editio 7 a Bel, 
Lips. 1771) 54-I : dec. Ill, libr. X. Andere Stellen uber Drakul: dec. 
IV, libr. IT, S. 570, libr. IV, S. 600. Aus Bonfinius ist die Er- 
zahl. uber Drakul auf Seb. Munster, Cosmographia universalis, Basel 
1559, libr. IV, S. 920 ubergegangen. 

2) S. 544: Rex in transalpinos, ad liberandum Draculam 
e Turcarum manibus, contendere dicebatur ... Illae profectus, 
nescio qua causa, quando id nemini satis compertum est, Dra- 
culam in Transylvania cepit : alterum vero Draculam a Turca in pro- 
vincia praefectum, praeter omnium opinionem, approbavit ; 
hunc Budam captivum, duxit decennalique carcere mulctavit. 

3) Zum Beweis, dass Bonfinius wirklich die Handlung des KOnigs 
talsch verstanden hat, dienen folgende Stellen: S. 570 Quin etiam quando 



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25 

Drakuls schildert, enthalt kein Wort iiber die Einfalle in die 
benachbarten sachs. Gebiete l ). Auch spricht Bonfmius von 
keiner anderen Feindseligkeit Drakuls gegen die Christen, 
ausser der gegen einige Bettler; er erwahnt nur Thatsachen, 
in welchen die Opfer Turk en waren 2 ). Die Anekdote mit 
dem italienischen Handelsmann ist fur ihn charakteristisch, 
denn sie giebt dem Regiment Drakuls eine gusntige Far- 
bung. 3 ). 

Anders als in Ofen verhalt es sich mit den Kenntnissen 
iiber den Woiwoden in Venedig und Rom. Eine wichtige 
Quelle hierfur sind die Commentarien des Papstes Pius. II 
Sie zeigen einen Woiwoden, der sich von dem des Bonfinius 
weit entfernt. 

Gegriindet teils auf einen Bericht, sowohl Beheim als 
auch den andern deutschen Erzahlungen gemein, teils auf 
officielle Berichte, vom Konig Mathias oder dessen Umge- 
bung herkommend, sind die Commentarien gut unter- 



in Transylvaniam & Transalpinam ad capiendum Dractilum 
profectus est, tunc Viennenses ... ; S. 600 si quid ipse Imperatorem 
moliri voluisset, nunquam profecto occasionem illam praetermisisset, 
cum sibi adversus Draculam age nti, Viennenses obsessum.. 

1) Der russ. Erzahler berichtet auch nicht davon. 

2) Inauditae crndelitatis et injustitiae Draculam fuisse memorant. 
hunc ajunt, Turcarun legatis, in praeveneratione, pilea 
Phrygia ex patriae instituto deponere recusantibus, confirmandi mo- 
ris gratia, tres capiti clavos affixisse, ne amplius amoveri possent ; 
innumeros patis T u r c a s praefixisse, et inter eos cum amicis laute 
discubuisse ; mendicos insuper omnes deperditae ignaviae, misera- 
bilisque valetudinis et fortunae, lautissimo convivis excepisse, deinde 
cibo vinoque completos, injecto igni absumsisse ; item T u r c i s saepe 
captivis cute pedes exuisse, contusoque sale perfricuisse, mox lin- 
gents salsis plantis capras adhibuisse, quae linguae asperitate cruci- 
atum augerent. Mercatorem Florentinum, de asservandis pecuniis 
sollicitem percunetantem, in media deponere via jussisse, et nil de 
numerate nocte pecunia mentientem, incolumen dimisisse. 

3) Sie fehlt in den deutsch. Prosaerzahl. sowie in Beheim, aber 
sie ist in der russ. berichtet. 

4) Pii secundi pontif. max. Commentarii rerum memorabi- 
Hum quae temporibus suis contingerunt, a J. Gobellino vicario 
Bonn, iamdiu compositi etc. Francof. offic, Aubriano 1614, S. 296-7. 



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26 



richtet. Nachdem sie Aufschliisse iiber die Vehaltnisse geben, 
die Drakuls Thronbesteigung vorangingen, erzahlen sie des 
genaueren iiber den Regierungsanfang desselben; betreff 
der feindlichen Unternehmungen Drakuls gegen die Sachsen, 
sagen sie fast dasselbe wie die deutschen Erzahlungen *). 
Charakteristisch ist aber hierftir, dass die Beschreibungen 
iiber die Monche, welche bei Beheim iiberwiegen und auch 
in den Prosaerzahlungen enthalten sind, in dem Werke des 
Papstes fehlen. Wir glauben nicht, dass es nur ein Versehen 
ist. Die Wichtigkeit der Commentarien liegt wie auch 
bei Beheim am Ende. Hier ist von der Gefangennahme und 
Einkerkerung Drakuls die Rede, hauptsachlich vom Grunde 
dieser Einkerkerung: der Verrat des walach. Woiwoden, 
welcher dem Sultan schriftlich Vorsehlage gegen Ungarn 
macht. Die Beschreibungen Beheims und die der Com- 
mentarien erganzen sich. Es scheint, dass die mundliche 
Mitteilung einer Person, die Drakul im Gefangniss gesehen 
hat, die Berichte iiber denselben nach Rom begleitet haben. 
So versteht man folgende, in dem papstl. Werke befindliche 
Schlusscharakteristik Drakuls : «Ein Mensch von grossem 
«und wohlgestaltetem KSrperbau, dessen Aeusseres der Macht 
«wiirdig zu sein schien, — so sehr unterscheidet sich biswei- 
«len das Antlitz eines Menschen von seinem Herzenb 2 ). 
Mit den andern Quellen iiber Drakul hat das Gedicht 



i) Vgl. Cybiniensem ingressus provinciam quamplures villas po- 
pulo plenas 8uccendit.. Vivos catenates admodum multos in Vala- 
chiam tractos palis affixit. Negotiatores publica ilectos fide per va- 
lachiam cum pretiosis mercibus transeuntes, direptis bonis intere- 
mit. Ex Vurcia quadringentos pueros tamquam lingua Valachorum 
erudiendos, ad se inssit afferri, quos in aestuario claussos immisso 
igne cremarit. Viros sui generis nobiliores..... interfecit.... Daym 
quandum filium alterius Daym Voivodae in bello cepit, viventique 
ac videnti sepulchrum erexit, inssitque sacerdotes exequias decan- 

tare caput amputavit.... Cacilinum (rum. Calin) suarum copiarum 

ducem, eo quod immanitate suae non satisfaceret, palo transfixit, etc. 

2) S. 297. Valachus adhuc in carcere delitescit, magno et ho- 
nesto vir corpore, et cuius species imperio digna videatur, adeo 
saepe differt bominis ab animo facies. 



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27 



wenig Beriihrungspunkte. In den bizantinischen Chroniken des 
Chalkokondylas, Dukas, Cristobulus ') und der Beschrei- 
bung des Michael Constantinovic 2 ) findet man hauptsachlich 
die Beziehungen Drakulus zu den Turken. 

Diese vier Quellen enthalten besonders die Beschreibung 
des Krieges, den der Sultan Muhammed II. gegen Drakul 
gefiihrt hat, von welchem weder Beheim, noch die andern 
deutschen Prosaerzahlungen, nicht einmal die Commen- 
t a r i e n etwas berichten. Unter den Byzantinern, ist Chal- 
kokondylas reicher an Erkundigungen. Einige Stellen aus 
seiner Chronik, welche etwas anderes behandeln als die Be- 
ziehungen zwischen Drakul und den Turken, besitzen ei- 
nige Aehnlichkeit mit denen Beheims. So z. B. die Erzah- 
lungen, die Chalkokondylas von dem Hofe des walach. Woi- 
woden macht, von dem Gemetzel, welches dem Geriicht zu- 
folge Drakul wie kein anderer je veranstaltet habe, von der 
Thatsache, dass in seinem Eifer sich Drakul nicht allein mit 
der Wirkung begniigte, die sein System auf seine eigenen 
Unterthanen ausbiite, er verschonte auch die Ungarn (d. h. 
die Bevolkerung Siebenbiirgens) nicht. 



i. Corpus scriptorum Historiae by zan ti na e, Bon- 
n e 1843 Laon Chatkokongylas Athen. Historiarum de ori- 
gine ac rebus gestis turcorum, lib. IX, S. 498 ff. Vgl. Raynaldus, 
Annales Ecclesiastici, XX an. 1458 — 1503, Colon. Agrip. 1693, S, 
117— 118; Corpus scriptor. histor. byzant., Bonnae i834Ducae 
Historia Byzantina, Cap. XLV, S. 343 ff; Carol Muller, Frag- 
menta Historicor. Graecorum, Critobulos, Vol. V, Paris 1870, S. 143-4. 

2) Ein Fragment der Beschreibung des serb. Janitscharen Michel 
Constantinovic istim Archiva istorica a Romaniel (ed. 
Hasdeu),I, 2, S. 8, ff. enthalten. Die vollstandigen Memoiren des 
Janitscharen finden sich in bflhmischer und poln. Ubersetzung mehr- 
mals gedruckt vor. Zeissberg, Analekten zur gesch. des XV. 
Jabrhunderts, in der Zeitschrift fiir die Oster. Gymnasien 187 1 S. 98 f. 



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bi. 9i a. Von ainem wutrich der hiess 

Trakle waida von der Walachei. 

Den aller grosten wutrich und 
tirannen, den ich ye erkund 
auf aller diser erden, 

Under des weiten himelsring 
5. seit her das dy welt aneving, 
macht nie kain poser werden : 

Von dem so wil ich tichten. 
er was Trakel waida genant, 
und Walachei dasselbig lant 
10. stund under seinen pfichten. *) 

Sein vater waz auch im land hen , 
Bl. 94 b - gwaltiger waida nach und verr, 
und furt sein reigemente 

Auch mit upikait und unfug, 
15. darumb man im das haubt abslug 
das sein gwalt wart zertrente. 
Ainir ist gewesen vater 
kung Matiasch von Ungern her, — 
Hunadi Enusch, so hiess er — 
20. zu Ungern gubernater, 

Der disen waida t6ten liess. 
dez selben sun, der Trakal hiess, 
und sein bruder mit jme- 

Dy habeti apgoter gehabt 
25. an dy sy dann haben gelabt 
mit ainhelliger styme, 

Dy haben sie verschalten* 
verhaissen und gesworn, daz sy 
den kristenlichen g'aben hie 
30. wellen schirman und halten. 



1) lies pHichtcn. 



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30 



Des iars da man schraib und perurt 
von Kristi unsers Hern gepurt 
der iar virzehen hundert 

Und funffczig und ach sechs darn&ch, 
35- da wart derselbig Trakal ach 
erwelt und aussgesundert 

Zu waida und ach herren 
des ganczen landes Walachei, 
darumb, darjnnen und dabei 
40. paide n&hen und verren. 

Und da pegieng er in dem land 
all upikait, laster und schand 
dy yemen mag erdenken : 

Des aller ersten Hess er da 
45* to ten den waida hern Lass la 
mit seinen posen klenken. 

Derselb Lasla, der auch waida 
und herr was in der Walachei — 
der Trakol kam jm martlich pei 
50. mit laster, schand und laida. 

Nach disem liess er paid zu hant 
ain gegend und ain ganczes lant 
zu aschen verbrennen, 

Das wart zerstaret und verhergt, 
55. das waren dorffer und auch mergt, 
der ich ain tail wil nennen : 

Tlasterholt hiess das aine, 
das ander Newdorff was genant, 
das drit Halczmaina, wer dy kant 
60. der labt sy allgemaine. 

Und Pekendorff in Wurczenlant 
hat er dar nach genczlich verprant 
Bl. 95 a « mit mannen und auch weiben 

Und alien kinden gross und klein 
65. waz ir darynn gewesen sein, 
der liess er kaine peleiben ! ) 5 

Was ir da nit verpranne, 
liess er anketen schmiden an 
und furt sy all mit im von dan, 
70. kinder, frawen und manne, — 



1} lies plciben. 



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81 



Er flirt sy in dy Walachei 
und liess sy all an ainem rei 
anspissen und auch morden. — 

Klainen friden hielt er ach neut, 
75. von jm sein kaffmann und furleut 
gar vil gespisset worden. 

Ach warn vil iunger knaben 
auss mancher gegend und auch land 
jm in dy Walachei gesand, 
80. das sy da solten haben 

Dy walachischen sprach gelert ; 
dy liess der Trakel auff der vert 
alsant pringen zu aine. 

Der warn virhundert oder mer, 
85. an die legt er des todes ser, 
diser wutrich unraine, — 

Er liess sy all verprennen 
und sprach : «ich will nit han, das sy 
tkunfschafft sollen gewinnen hie, 
90. coder mein lant erkennen>. 

Sein reigement furt er mit grauss, 
ain grass geslech ') liess er als auss 
prennen und gancz veraisten, 

Spissen und schaiden von dem leib, 
95* alt und iunk, gross, klain, man und weib - 
vom mynsten pis zum maisten : 

Was ir waz uber ale 
briider und swester dar zu kind, 
neven und niffteln, wie dy sind, 
100 der waz ain grasse zale. 

Auch liess er seiner leut etleich 
nakent und ploss in das ertreich 
graben pis an den nabel, 

Und darnach liess er dann zu in 
105. mit scharpfen, pfeilen schiessen hin, — 
das ist war und kain vabel ! 

An in wart nit erwunden 
pis sy ir leben gaben auff, — 
vil wurden ir in ainem hauff 
no. gebraten und geschunden. 



1) lies geslecht. 



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m. 



Er vieng ain herren hiess der Tan, 
und darnach Hess er in pegan 
mit seiner priesterschaffte, 

Da er sein willen het volbraht 
115. und Tan als er dann het gedaht 
der ubel und schalkhaffte, 

Da liess er ain grab machen 
Bl. 95 b. und hiess den Tann furn zu dem grab 
und im das habet slahen ab : 
1 20. er tet vil paser sachen ! 

Im wurden poten do gesant 
von Ungern und auss Sachsenlant 
und auch von Sibenpurgen 

In zal funffhundert, dy hielt er 
12$. funff wochen, das sy wanden, der 
schalk welt sy spissen und wurgen, 

Sy warn in grossen vorchten, 
wann er liess in spiss machen ftir 
ir herberg, dy sie vor der ttir 
130. heten von dem verworthten. 

Er hielt sy darumb alsp lang 
yn seiner gevanknis und zwang, 
wann er het sorg vor jne 

Das er von in verraten wer, 
135. wann aines nachles da eilt er 
und hub sich von in hine 

Mit a Her seiner machte 
zih er do hin in Wurczenlant; 
ains morgens frti, ist mir pekant, 
140. da kam der ungeslachte 

In dorffer, vesten und acli stet, 
dy er dann ubereilet het, 
dy liess er all verprennen, 

Dar zu gedrait und waz er vant 
!.j5. liess er auch prennen alles sant, 
tilken. storen und trennen : 

Kinden, frawen und mannen 
lies9 er da alien tun den tat, 
welch er begraiff dy liten nat 
150. der kains kam lebent dannen. 



x 



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v 
33 X <; 



Zu Kron9tat in der vorstat ob 
der kapeln haisset Sant-Iacob, 
Hess Trakal waida marden 

Und gancz aussprennen dy vorstat 
155. und was er menschen funden hat, 
dy im zu tail sein worden, 

Man und weib mit den kinden, 
paide iung und alt, gross und klain, 
nam er zu9amen all mit ain 
160. wo er sy nur mocht vinden. 

Vor tage, an ainem morgen fru 
eilt er mit disen menschen zu 
dem perg ober der kirche 

Und Hess sy spissen umb und umb 
'65. allenthalben dez perges krtimb 
nach der l&ng und ach zwirche. 

Hort von dem schalk vil schnoden : 
damiten under in er sass 
ab seinem tisch das mal er ass 
I7°- zu seinen grossen frouden ! 

Bl« 96 a - Er waz sein lust und gab im mut 

wann er sach swenden menschen plut ; 
wenn er dy gwonhait hete, 

Das er sein hend darjnnen zwug, 
x 75« wann man im zu den tische trug 
wann er sein malzeit tete. 

Da er fralich und frische 
kurczweil und guten mut wolt han, 
so must man jms also pegan, 
180- das man im pei dem tische 

Mit armen leuten da hovirn 
man martert sy, daz sy laut schrirn, 
das was dann sein gelechte : 

cAi hort wol hupsche kurczewil 
*&$• und wunnigliches frodenspiU — 
also sprach der durchechter ! 

Dis armen warff man nider, 
man slug etlichem auss dyzend, 
etwa dy vinger von der hend 
190 und ander ire glider; 



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u 



Etwa Hess aim der valsche knab 
orn, munt und nasen schneiden ab, 
und alz sein har auss rauffen, 

Oder mit benken an ain stang, 
19c. etliches prant man durch dy wang : 
teur waz parmung und straffe ! 

Was man erdenken kande 
damit man ainen tun macht we, 
das es laut und vast do von schre 
200. die pein waz mancher hande. 

Wann man ain menschen also lang 
martert in solcher pein und zwang 
und in so ser petaubet, 

Das er numen geschreien kund, 
205. so zuket er sein sabel und 
slug jm dann ab das habet, 

Oder wurget in suste, — 
das waren kinder, weib und man, 
dis tet er vil, wann er wolt han 
210. kurczweil, frod oder iuste ! 

Er auch da selbst in der Kronstat 
Sant-Barthlames kirch verprant hat 
und hat auch dis ornate, 

Mostranczen, kelch und messgewant 
215. mit jm gefuret ales sant 
was er da funden hate. 

Er het auss seinen ainen 
haubetman in ain darff gesent, 
das er das herget und aussprent — 
220. hort von dem schalk unrainen : 

Das selb darff was Seiding genant, 
Bl. 96 *>• von weren und auch widerstant 
discs dorffes Seidingen 

Kam er wider zu seinen hern 
225. und sprach : cdein gebet laist ich gern, 
«so mag ich *; nit valbrmgen, 

«Herr, nach deinen geschefften, 
cwann dy inwuner sein so ark 
«und auch mit weren vil ze stark, 
230. «das kumpt von iren krefften.> 



1) im Ms. iche. 



x 



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8* 



Zu hant nam der Trakel den man 
und liess in graislich spissen an 
und auch also verderben 

Umb dise sach, das er nit tet 
235. das er mit im geschaffet hetj 
darumb so must er sterben ! 

Auch so waren kauffleute 
mit iren kauffmanschaft *) da 
in Wurczenlant gen der Tuna 
240. gen Preissl, ist mir peteute; 

Der warn sechshundert, ist mir kund, 
die liess er alsant spissen und 
nam ir hab un ach gute. 

Ach liess er in derselben moss 
245. machen ainen kessel vil gross, 
den man zu ainer glute 

Mit zwain hanthaben bube, 
daruber von prctern ain dek, 
der kessel manchen praht in schrek 
250. und ach zu grosser trtibe... 

Die dek ober dem kessel waz 
durchlttchert, das aim menschen das 
haubet da durch mocht raichen. 

Und dornach liess der ungehetir 
255. darunder machen grosse fetir 
und den kessel erwaichen, 

Und wasser darein gissen 
und dy leut darjnn sieden Ian ; 
auch hat er kinder, frawen, man 
260. daselbest lassen spissen. 

Er zah wider mit vaigem tracz 
gen Silbenburgen a ) in Kolmacz, 
daselbst liess er vil menschen 

Zerhaken als das kraut vil klain, 
265. ir vil die furt er mit jm hain,— 
nun hort von sein gespenschen : 

Baide, man ung ach weib,d 3 ) 
kinder, gros und klain, iung und alt 
die liess er spissen also palt 
270. und all tun von dem leibe. 



1) lies kauffmanscnafften, 

2) 1. Siebenburgen. 

3) 1. weibe. 



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36 



Der wutrich und tirann volbracht 
alle die pein, die man erdacht 
dy tirannen alsander 

Kainer so vil nie hat getan 
275. Herodes, Dieoclecian, 
Bl. 97 a » Nero und auch allander ! 

Etlich liess er verwunden 
und dy wunden reiben mit salcz, 
etlich rosten in haissem schmalcz — 
280. vil pein wart do erfunden ! 

Etlich man priet und gar verprand, 
etlich sod man, etlich man schand, 
etlich wurden gehenket, 

Etlich gesliffen an sliff stain, 
285. etlich in priveten unrain 
da wurden eingesenket, 

Etlich wurden mit plassen 
leiben gehenket an daz har, 
etlich hat er henken enpor 
290. an eisnyn keten lassen. 

Dy manin da slahen pegund 
in dy augen, nasen und mund 
und in ir menschlich schame, 

Die liess er also henken hin 
295. und mit stainen werffen zu in, 
pis ir leben end name ; 

Etlichen menschen liess er 
mit negwern in dy augen porn, 
und negel slahen durch dy orn, 
300. der ubel plut vergiesser ! 

Do waz kain sicherhait noch scherm : 
etlichen zach man auss dy derm 
dy keln sy in abrissen ; 

Auch waren hund darzu gewent, 
305. wann man dy auff ain menschen zent 
zu stund waz er erpissen ; 

Etliche liess er durch negeln 
allenthalben in den leib sein, 
etlichen slug man daz hirn ein 
310. mit knuteln, keuln und flegeln. 



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37 



Etlich pand man auff wilde rass 
und liess sy lauffen da ir strass, 
etlich pand man an wagen 

Und liess sy lauffen dy perg ab, 
315. da waz kaiu halt noch widerhab 
pis sy verlurn ir kragen. 

Etlich warff er auss pleiJen, 
er auch etlich in puchsen stiess 
dorauf er sy dann schiessen liess — - 
320. gar vil musten sy leiden ! 

Und etlich liess er werffen hin 
von hochen turnen und ach in 
tieffe wasser und prunnen, 

Er slug in ab fuss und auch hend 
325. und liess sy ligen an den end 
pis sy sterben pegunnen ; 

Etlich slug er zu sttiken, 
Bl. 97 b » er nam sugende kinder her 
ains halben iars oder mer, 
330. dy die muttern warn schmtiken 

An iren prusten und auch dy 
arm lieplich legen worn umb sy 
auch ir ermlein dy kindel 

Umb ir muter heten getan : 
335' dy li e $ s er a ^ so spissen an 
muter, kind in den windel... 

Den frawen hat er lassen 
ire brustlein schneiden von ain, 
den saugendigen kinden klain 
340. ire haubt da durch stossen. 

Und liess sy spissen also zam, 
den mutern er ir kindlein nam 
wol praten er dy hiesse, 

Zu essen er l ) in dornach gab, 
345. dann schneid er in dy prtistlein ab, 
er die auch praten liesse, 

Dy musten dy mann essen ; 
dornach liess er sy spissen drat, 
etlich stiess er mit stampfen tat, 
350. ir etlich liess er pressen. 



1) im Ms. ere. 



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38 



Und aller hand menschen durch ain, 
man, weib, kind, alt, iunk, gross und klain 
liess er seit lingen spissen : 

Mit henden und fussen worn sy 
355. durch ain waien und zabeln hy 
als dy frosch und schneblissen. 

Er sprach: cai, wie pehendlich 
t grass geradikait treiben sy,» — 
und er liess in auch spissen dy 
360. hend und fuss, der unendlich ! 

Das waren, als ich euch peteut, 
aller hand menschen und auch leut: 
kristen, reczen, walachen, 

luden, haiden, zigeiner ach. 
365. waz tet er aber mer dar nach — 
hort von selczeinen sachen : 

Er het ainem zigeiner 
lassen vahen, der het gestoln ; 
als dise mer woren erscholn, — 
370. kamen dy andern seiner 

Genossen dy zigeiner her 
und paten den Trakal, daz er 
in den gevangen gebe. 

Der Trakel sprach : cdaz mag nit gan, 
375. cer sol hangen, daz ist sein Ian, 
«da wider niemen strebe.» 

Sy sprachen : cher, erhahen 
ist von unser gewonhait nicht 
ob ainer yemen stilet icht, 
380. daz sol niemen verschmahen, 

Bl. 98 a* Wann wir haben versigelt prieff 

von romischen kaisern vil tieff, 
das man uns nit sol henken>. 

Nun merkend waz der Trakal tet : 
385, er machet nit vil wort noch ret, 
hort von selczenen klenken — 

Diesen zigeiner ere 
in aim kessel versieden liess, 
dy andern zigeiner er hiess, — 
390. alsamen kamen here, — 



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39 



Dise zigeiner musten in 
verzeren und gancz essen hin 
mit flaisch und ach gebaine ! 

Nun harent waz er mer pegan : 
395. ain erberer und frammer man 
waz zu im kumen haine. 

Der vand in an der stete 
pei den dy er gespisset hat ; 
er gieng under in umb und schaut 
400. als er gewunhait hete. 

Der woren vil und manigvalt, 
ir zal waz alz ain grosser wait, 
wann mancher mensch da hienge — 

In dem pesten derselbig man 
405. zum Trakole sprechen pegan 
warumb er also gienge 

Under disem gestanke. 
der Trakol disen menschen liss 
auch auff henken an ainem spiss, — 
410. und im seiner ler danken 

Er liess in auff henken vil hach, 
da in der ubel stank und rach 
nit anschmeken pegtinde ! — 

Ach waz ain pfaff zu ainer stund 
415. zu disem Trakol kumen und 
tet mit bredigen kunde : 

Dy stind wtird nit verlassen, 
man geb dann wider unrecht hab 
dy man het andern leuten ab 
420. genumen mit unmassen. 

Der Trakol furt den priester auss 
und lud in uber tisch zu hauss. 
da sy waren gesessen 

Und das mal assen ab dem tisch, 
425. da prokt der fraisam und hellisch 
sein prokel in daz essen, 

Und der pfaff understunde 
waz dises Trakol proken ein 
pegreiffen mit dem laffel sein x ) 
430. er in essen pegunde, 



1) im Ms. genii). 



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40 



Der Trakol sprach: cnun sag mir wie 
chastu daz nit gebredigt hie: 
tdy sund werd nit verlassen, 
Bl. 98 b. cMan lass dann yederman daz sein ?» 

435. der briester sprach : cia, daz ist mein 
cbredig in solchen mas sen.* 

Der Trakel sprach : cwarumbe 
cnyms-tu mir dann mein brokel, *die 
«ich mir het eingebroket hie ? 
440. «dis bringt dir kainen frumme!> 

Er nam den armen pfaffen und 
Hess in spissen dyselben stund. — 
auch het der schalk unraine 

Sein landes herren allesand 
445. und die pesten in seinem land 
zu hauss peten % mit aine. 

Das mal ward vollenprachte, 
da hub er an den herren an 
den eltsten er fragen began : 
450. wie vil er het gedachte 

Waida, dy im weren pekant 
und herren, dy dasselbig lant 
jnnen heten gehane ? 

Derselbig sein antwurt volpracht 
4$£. als vil sain er ir het gedacht 
er im sagen pegane ; 

Und dezgeleich all ander 
alt und iung yeden sunder er 
fraget desgleich derselben mer 
460. dis herren mit ainander : 

Wie vil des sie doch solcher hern 
gedechten die dann waida wern ? 
dis antwurten im ainczig 

Als vil yedem der sach waz kund : 
465. ainer gedacht ir dreissig und 
auch der ander ir zwainig, 

Doch vand man kain so iungen 
er het ir pei siben gedacht. 
da dises fragen wart volbracht 
470. als ich yecz han gesungen, 



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41 

Der Trakole sprach : «sagent mir, 
«wie hat es ainen furm, das ir 
«so vil waida und herren 

cHabent gehabt in eurem land ? 
475- «es muss nur schuld wesen der schand 
«von eurem widersperren.> 

Der hern er kain auss sundert, 
er vieng sy alsant, iung und alt, 
und liess sy spissen mit gewalt — 
480. ir warn wol pei funffhundert. 

Der Trakol het ain slauffweib, dy 
het sich fur geben, wie das sy 
ains kindes swanger were. 

Der Trakole liess sy peschaun 
485. kurczlich an durch ain ander fraun 
dy hall ir diser mere, 

Dy het gesaget ware. 
£1. 99 »• der Trakol nam das selbig weib 
und raiss ir gancz auff iren leib 
490. von der scham pis enpore, 

Und sprach, er welt schawen sein frucht 
und ach dy adelichen zucht 
seiner stat wu er lage. — 

Da man von Krist gepurt fur war 
495* schraib virczen hundert sechczig iar, 
an Sant-Bartlomes tage, 

Der Trakol mit den seinen 
ains morgens fru zach uber wait 
und all Walachen iung und alt 
500. dy grossen mit den kleinen, 

Paiderlai gslecht sucht er da haim, 
er tet ainen weiten umbswaim 
pis auss halben Humlate, 

Waz er menschen pegreiffen kund 
505. dy pracht er zamen auff der stund 
und tet in ain den tate — 

An kranpfen, haken, gabeln 
zach man sy zu hauffen mit ain 
und hakt sy als daz kraut vil klain 
510. mit messern, swerten, sabeln. 



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42 



Welch er daz selb mal nit ermurt, 
dy hat er mit im haim gefiirt 
und grauslich lassen spissen. 

Und alle darffer aussgeprant 
515. mit gut und der hab allersant, 
das solt ir sicher wissen, 

Diser menschen geczalt er 
als man una daz waz offenparn : 
vil mer wann dreissig tausend warn 
520. paide iunger und alter ! 

Als man peschraib der iar da pei 
virczehen hundert sechczig zwei, 
da ist der Trakol kommen 

Den Schiltern in dy grossen do 
525. er ach getOt 1 ) hat also 

als wir es hand vernummen, 

Wol funff und zwainczig tauset 
kristen und haiden allerlai, 
da waz solch iamer und geschrai, 
530. das aim wol het gegrauset. 

Darunder warn dy schonsch 2 ) weip 
dy ye gesach kains menschen leip, 
dy sein pehalten worden 

Von sein hofleuten, dy hand do 
535. an den Trakol pegert also, 
daz er sy nit Hess morden, 

Und in dy geb zu frawen. 
der Trakale wolt des mit nettt : 
er liess dy frawen und hofletit 
540. klain alz daz kraut zerhawen. 

Bl. 99 b « Der Trakole zinshafftig was 

dem turkon kaiser, der umb das 
sein potschafft schiket hine, 

Etlich ret und turken also 
545. dy zu dem Trakol kamen da 
und vorderten an jne 

Irs hern versessen zinse. 
der Trakol sprach : «ich wil fur mich 
«den zins selb raichen person lich, 
550. «daz dunkt mich rechtes sinse. 



1. getotet. 
2) 1. schdnste. 



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43 



Da die turken vernamen, das 
sein sin selb zu dem kaiser waz, 
dez frouten sy sich alle, — 

Aber der Trakol sy nach im 
555* liess slaiffen, als ich es vernym, 
zihen martern mit qualle 

Und gar taten mit aine, 
der turken schreiber liess er dy 
nasen und mund abschneiden hie 
560. und schikt in also haine. 

Dy gancz gegent darumb und pei, 
dy do genant waz dy Pulgrei, 
wart all mit ain verprennet. 

Dy menschen, die ec da ertat 
5^5* man also uberslagen hat, 

(ge) J )scheczet und erkennet : 

Wol funff und zwainig tauset, 
sunder an dy die in dem fetir 
verdurben der schalk ungeheur 
57o« vil fraisamlichen prauset. 

Ein gegend und ain ganczes lant 
waz mit namen Fugrach genant, 
er als auss morden lisse 

Alt und jung, dar zu man und weib 
575* liess er all schaiden von dem leib 
und auffhenken an spisse. — 

P. ten von Sibenptirgen 
dy sahen in der Walachei 
menschen dy er an ainem rai 
58°- h e t i an spissen und wilrgen, 

Dy hiengen also ungezalt 
an spissen, als ain grosser wait, 
da warn leut sunder zile 

An dy er schand, sod, priet und wust 
5°5- tot valt ertrankt, verstaint und sust 
ander t6d an lait vile. — 

Nun horent wie es ginge : 
er het etliche seiner ret 
den er daz maist vertrauet het 
59°' seiner haimlichen dinge, 



1) Im Ms. durchgestricben. 



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44 



Dy hulffen jm verpergen als 
Bl. ioo a - sein pestes gut und hab des mals, 
dy enthabtet er selbe, 

Das sy denselben schacz nit wern 
595. verraten oder offenpern 
in hal oder gewelbe, 

Wu er den waz verporgen. 
er tet vil arger poser sach 
der wutrich und poswicht vil swach 
600. waz man vil ser pesorgen. 

Er Hess seiner lantleut etlich 
kOpfen, dy habt nam er an sich, 
kreps er domit Hess vahen ; 

Darnach schiket der poswicht auss 
605. und pat derselben freunt zu hauss. 
hort man von grosser schmahen 

Und ubelichen dingen, 
dy diser poswich und tirann 
und ubel wutrich da pegann, — 
610. da von so wil ich singen : 

Dyselben kreuss der valsche knab 
disen leuten zu essen gab 
und sprach : «ir habt enpissen 

«Und gessen die habt eurer frund.> 
615. als er das het gemachet ktind, 
Hess er sy darnach spissen. — 

Er auch in seinem lande 
ainen pauren arbaiten sach 
in ainer kurczen pfait und spach l ) : 
620. «nun tu mir hie pekande, 

cHastu ain weip ?» Er sprach : cherr, ia.» 
er sprach : «pring sy her zu mir da.» 
der man pracht sy zu jme. 

Diser Trakole zu ir seit : 
625. cnun sag mir, waz ist dein arbait ?» 
sy sprach : «herr, nun vernyme, 

«Ich koch, spinn, wasch und pache.» 
zu hand Hess er sy spissen an 
darumb, das sy het iren man 
630. pekleidet also swache, 



1) 1. sprach. 



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45 



Das sy im nicht an machen was 
ain Iang hembt oder pfaite, das 
man jm dy pruch nit sehe, — 

Diser frawen halff er im ab, 
635. ain ander frawen er im gab 

und sprach : cdas ist ain schmehe 

cMit deins mans kurczen pfaiten, 
«mach im ain langer pfaiten an, 
«oder ich wil dich spissen Ian, — 
640. cda wtirt auch hie kain paiten. 

Der munch Sant Bernhardinus dy 
denn barfuss gen auff sakeln hie 
Bl. 100 b - der kamen zwen zu jme, 

Das almusen sy auff den sin 
645- pegerten und paten an in 
mit ainhelliger styme. 

Der Trakal sprach zu yienen : 
cwie ist eur leben so armleich !» 
sy sprachen : «herr, das ewig reich 
650. «well wir do mit verdienen. 

Da sprach er zu den prudern zwein : 
«welt ir nit geren paid da sein ?» 
sy sprachen : c herr, ia, wire 

« Pegerten, das wir yecz do wern, 
655* «ob es der will wer unsers hern.> 
er sprach : «ich hilff euch schire, 

«Das ir gen himel kummet.* 
er liess sy baid sant spissen an 
und sprach : «ich hans durch gut getan- 
660. «mein furderung sy frummet.* 

Die selben guten pruder zwen 
heten ain esel lassen sten 
dort in des Trakols hove. 

Da sy ir nar und speks und prot 
665- und waz in dann pescheret got 
heten gefuret ove, 

Der lieff nach in den slosse 
und machet gar ain gross geschrei. 
der Trakol sprach : csecht was das sei 
670. emit solchem schal so grosser 



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46 



Sein diener sprachen : „dise zweh 
„mtinch liessen ainen esel sten, 
„der machet solchen gelffen." 

Er sprach : „freilichen er auch gern 
675. „zu himel wer pei seinen hern, 
„ich muss im leicht auch helffen, 

„Das er schir kumm zu ine." 
der Trakol nam den esel und 
liess in auch spissen zu der stund 
680 zu seinen prudern hine... 

Der Trakol in die Walachei 
geriten kam auss der Sirvei, 
da het er auch Ian morden. 

Pei seinem gsess nit verr da von 
685. ain kloster stund, hiess Gorrion, 
das waz barfusser oden 1 ). 

Ain virtail ainer meile 
pegegent im derselb gardian 
selb drit mit seinen munchen gan, — 
690. die heten in der weile 

Ir almusen gesamelt in 
den dorffern, — gleich kamen sy hin 
zusamen mit ainander. 

Nun hort dy tuk des valschen mans: 
695. diser gardian hiess pruder Hans, 
pruder Michel der ander, 

Pruder Iacob der trite. 
Bl. 101 a- der Trakol ruft her Micheln schir 

und sprach : „her munch gang her zu mir 
700. „reschlich und seum dich nite." 

Pruder Michel kam zu im her ; 
der Trakol fraget in der mer 
und sprach, ob er noch treute 

Und meint, daz er pehalten wtir, 
705. wann im wer genczlich kummen fur 
wie er all dise leute 

Im himel het gesehen, 
als volk das er getfltet het, — 
das er fleissiglich fur in pet 
710. got den herren mit flehen, 



I) 1. orden. 



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41 



Wo im er het vil hailgen gemacht 
und menschen in den himmel pracht, 
er het gar kainen zweivel 

Er wer der aller hailgest man, 
715. den ye muter noch mensch gewan, 
dar wider wer kein keivel... 

Pruder Michel sprach : w herre, 
„ir mogt wol kummen zu genat, 
„wann got manchen pehuldet hat, 
720. „dcm sein genad waz verre." 

Und bruder Hansen den gardian 
hiess er auch resch zu ime 1 ) gan 
und sprach : „her munch, nun sage, 

„Wie mainst, das es umb mich erge ?" 
725. der pruder sprach: »gross P em un< * we 
M und iemerliche klage 

„Wiirt an dir numer enden, 
„seit das du, arger wutereich, 
„so manches plut unschuldigleich 
730. w pist vergiessen und swenden. 

„Es sei dan das der teufel dein 
„nit well, so pistu genczlich sein, 
„vertampt pis an die uchse. 

„Ich wais wol, das ich sterben muss 
735. „umb dis red und umb nichczen suss 
„nur des kiegs und gertichse, 

„Darumb lass mir derweile, 
„das ich mir red nach meinem fug." 
der Trakol sprach : „red dir genug, 
740. „ich dich nit ilbereile, 

„Wann ea geht dir an deinen palk. a 
der bruder sprach : „du poser schalk, 
„du morder on erbarmen, 

w Du tobender wutrich fraisann, 
745. „du plutvergiesser und tirann, 
„wie marterstu dy armen, 
Bl. 10 1 b - „Waz zeichst die swangern weibe, 

„dy du test also spissen an, 
„waz haben dir dy kindlin tan, 
750. „dy du tust von dem leibe, 



1) im Ms. im. 



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48 



„Die noch nit dreier tag alt sein, 
t etlich nit vol bei stunden drein, 
„dy du lest also spissen, 

Der kains niemen kain lait nit tu1 
755. „und du verswendest in ir blut, 
„die umb kain libel wissen ! 

„Waz zeihestu der aines 
„manches da r umb den leib verleust, 
„den du unschuldiglich vergeust 
760. w ir zartes plut so raines ! 

„Mich wundert dein mortlicher has 
„waz macht du an in rechen, — das 
„solt du mir hie peteuten.** 

Der Trakol sprach : „daz wil ich dii 
765. „sagen und dich perichten schir : 
„wann ainer icht wil reuten 

„Das er der ding begunde, 
„so darff er nicht die tarn allein 
„abhawen dy gewachsen sein 
770. „nur dy wurczel zu grunde ; 

r Wann lesset er dy wurczeln stan, 
„zu iar, so must er's wider han 
„rauch torner ungelachsen, — 

B An disen klainen, dy da seind, 
775- „gewunn ich erst die grossen veind, 
„ob ich sy liess erwachsen. 

„Nain, ich wil sy auss prechen 
,mit nichten also wurczeln Ian, 
„sy wurden sich leicht understan, 
780. „ir veter hy zu rechen. " 

Der bruder sprach : „ a rger wutrich, 
,,meinest du das du ewenglich 
,,und ttmber wellest *) leben ! 

,,Nun sich an daz unschuldig plut, 
785. „das dein leib hie vergiessen tut, 
„wurt sich a lies erheben 

,,Vor got in himelreiche 
,,wurt es a lies ruffen umb rauch, 
„du turner narr und tauber gach — 
790. ,,dein wesen ist tartarleiche !** 



i) im Mi. welleste 



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49 



Der Trakol nam den munch zu stund, 
er in selber spissen pegund, 
aber nicht als dy andern : 

Den andern slug man ainen pfal 
795* zum hindern ein, aber dis mal 
was er das spissen wandern: 
Ainen pfal oder spisse 
slug er im selb zu dem hirn ein, 
Bl. 102 «• das haubt zu tal und die fuss sein 
8oo. er zu perg keren lisse ! 

Den spiss er fur daz. kloster stakt, 
dy armen munch vil ser ersrakt 
sterben worn sy pesorgen. 

Der etlich huben sich devon... 
805. bruder Iacob, den ich... l ) han 
genennet, mit den vargen 

Pei Steirmark gen dem lande, 
kam er in dy Newenstat auff 
unsers heren des kaisers ho*ff 
810. in ain kloster zu hande. 

Da selbst*) ich, Michel Beham, 
gar offt zu disem bruder kam, 
der saget mir vil tibel, 

Dy der Trakol waida began, 
815. der ich ain tail getichtet han 
von disem galgenschubel. 

Noch paz ich sein schalkaite 
und puberei perichten wil, 
seiner posshait, der ist so vil, 
820. mer dann man von jm saite... 

Wol dren hundert zigeiner in 
des Trakals lant kamen hin, — 
nun hort von den getaten: 

Der Trakol in der Walachei 
825. nam ausser in dy pesten drei 
und liess dyselben praten, 

Und dy andern zigeiner 
miisten dy essen alle gar, 
al? vil ir was in diser schar 
830. peide grosser und kleiner. 



1) unlescrlicher Buchstabe. 

2) I. selbest. 



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50 



t)er Trakal sprach : „also must nun 
„yeder den andern essen fun 
„dem mynsten bis znm meisten, 

„Pis ir alsament gessen seit, 
^35* » es se * denn daz ir auff dy zeit 
„mein willen wellent laisten 

„Und zihen an dy tiirken." 
da sprachen sy : „gnediger herr, 
„dy rais sol uns nit sein zu verr, — 
840. „deins willen well wir wurken." 

Da fur er zu und nam kiiheut, 
da mit klaidet er ross und leut 
der zigeiner alsamen, 

Und liess sy allso reiten hin, 
845. dy tiirken zogen gegen in, 
da sy zusamen kamen 

Als dy ross diser haiden 
^..horten das gerodel und 
sahen dy kuheut auff der stund 
850. an ross und menschen paiden, 

Da schauchtens und fluhen vor in, 
dy turken kamen auff in hin 
und mochtens nit erhaben, 

Gen ainem wasser waz in gach 
85^* und dy zigeiner iagten nach, 
tieff in dez wasser s graben 

Dis haiden all ertrunken, 
Bl. 102 b « wann dise ros trugen sy dar 
mit dem die haiden alle gar 
860. in dem wasser versunken. 

Vil siechen, plinden, krupel lam, 
petler und arm leut allesam 
was er der haben kande, 

Hat er all gepeten zu hau9s. 
865. da die malzeit was gangen auss, 
da liess er sy allsande 

Yn aim stadel verbrennen 
und sprach : „dis volks *) fur nicht wer." 
der warn sechs hundert oder jner 
870. der kains kam lebent dennen ! 

1) 1. erhorten. 

2) 1. volkes. 



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51 



Etlich Walhen, ist mir bekant, 
in botschatft zu im worn gesant ; 
da sy zu im warn kumen 

Ir hat und gugeln sy also 
S75. abzugen gegen dem waido, 
als ich es han vernumen, 

Und under seinem hute 
het ir 1 ) yeger ain peret 
und heublein, das er nit abtet, 
880. als dann der Walch noch tute. 

Der Drakol fraget sy der mer 
waz solcher sin und mainung wer, 
das sy dy gugeln unde 

Auch dy hut heten ab getan 
885. und dy peretlein lassen stan. 
sy sprachen : „das zu dunde 

„Ist unser gwunhait nichten, 
agegen dem kaiser tun wir der 
*peretlein kains ab nummer mer s 

890. „in kainer handlei pflichten.* 

Der Drakol sprach : „eur gewunhait 
,wil ich euch zu gerechtikait 
„pringen und ach pesteten." 

Sy dankten im ser hoch und verr 
895. und sprachen : „gnedigester herr 
„mit alien guten teten 

B Welt wir daz dienen ttmmer, 
„ob ir uns sdlch genad peweist, 
„ ewer lob wtirt von uns gebreist, 
900. »von euch wenken wir ntlmmer.* 

Der wutrich und tirann fraisam 
und der morder tet ains und nam 
gut stark nagel von eisen 

Und liess in umb und umb das glaubt 
905. die heublein hefften an das haubt, 
daz sy in nicht abreisen, 

Oder enpfallen kunden : 
also pestetiget er in 
Bl. 103 a » ir gewunhait — auff solchen sin 
910. lebt er zU alien stunden ! 

1] 1. iedcr ? 



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m 



Sein possliait, dy er hat erdaeht 
tind liber manchen hie volbracht, 
der waz so gross und vile, 

Das ich sy nit durchgrunden kund, 
915. darumb ich sy zu diser stund 
urbern und lassen wile. 

Wer vil posshait kunt tichten 
der waz sein ynderister rat, 
er furt sein reigement und stat 
920. mit den ergesten wichten, 

Dy man mach vinden auff der erd, 
dy hielt er gar in grossem werd, 
wu sy her woren kummen : 

Auss Ungern oder der Sirvei, 
925. von Turken oder Tartarei, 
dy warn all auffgenummen. 

Sein hofsit was vil wilde : 
wird, er und zucht was da vil teur, 
sein reigement waz ungehellr, 
930. da waz p8s ebenpilde ! 

Sein diener und auch hofgesind 
was also ungetreu und swind 
und valsch an alien steten, 

Das kainer auff kain zeit noch stund 
935 den andern nit vertrawen kund; 
kain gemainschafft sy heten, 

Wann sy warn von vil siten 
und auch von sprachen aller hand, 
gesamelt yolk auss manchem land 
940 warn sy zu im geriten. 

Darumb kunt man auff solchen sin 
nichten petrachten tiber in 
solcher unainung helbe. 

Sein laster und upikait dy 
945. het nit so lang geweret hie, 
wer nit gewest dyselbe 

Unainung und zwitrechte, 
als ich dann yecz gesungen han, — 
er waz vil arger ding pegan 
950. wider got, er und rechte. 



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53 



Da er, als ich vor gsungen han 
dem Turken solches het getan, 
da wart er ser beweget 

In zorniglicher unge4uld 
955. tiber den Drakol rait unhuld 
sein gedenken er leget, 

Wie er aich m6g gerechen : 
er warb und schraib in seine lant 
und tet dyselben mer pekant 
960. vil manchem haiden frechen. 

Da der Drakol dy mer vernam r 
daz dise turken so fraisam 
wolten zihen auff ine, 

So gar mit tiber grosser macht, 
965. ains solchen er sich wol petracht 
sein wer het kainen fine, 

Gen solher macht so grossen 
Bl. 103 b - er mocht nit haben widerstant, 
der Turk wiirt nemen uber hant 
970. und in vertreiben lassen : 

„Ich wil versuchen, ob es dOcht^ 
„das ich sein huld erwerben mocht, 41 
also (ge) 1 )dacht der fraiser. 

Er schikt sein potschafft da zu hant 
975. da er denselben haiden vant, - 
disem turkischen kaiser 

Liess er sagen die mere : 
welt er in nemen zu genat 
und im vergeben solche tat, 
980. misshandelung und swere, 

Dy er wider in het getan, 
daz welt er in er gegen schan 
und allez pringen wider: 

Kung Matiasch von Ungern her 
985. und auch sein pesten ret, welt er 
pringen und richten nider 

Und geben in sein hande. — 
der Turk im widerumb enpot : 
tet er das, so het er genat 
990. seiner schuld allersande. 



I) irn Ms. durchgest richer). 



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54 



Der Trakal solchs in sicherhait 
versigelt schraib und auch zusait. 
des wart der Tlirk fr&uleichen, 

Daz im ain solches waz pestet, 
995. wann er kainen grossern veint het 
in alien kristen reichen. — 

Der Trakol diser dinge 
ain anslag fur genumen het, 
was er das pest darinnen tet — 
1000. daz es nur fur sich ginge — 

Nit lenger das anstund nach plaib, 
dem kiing von Ungern er da schraib, 
daz er in gen den Turken 

Zu hilffen kem vil schnell und drat, 
1005. wann jm niement in diser nat 
so wol retung mocht wurken, 

Er west sust nymeng mere 
auff der erden zu ruffen an, 
wan er sein diener und auch man 
1 010. und pelehenter were ; 

Das er sein diener nit welt Ian, 
noch von der ungerischen kran 
dy Walachei Ian trennen. 

Der kung von Ungern sich perait 
1015. mit grosser maht, als man uns sait, 
und er hub sich von dennen 

Und zach auss der stat Oven 
mit seinem her den nechsten pfat 
gen Sibenburgen in Kranstat. 
1020. pei im waren vil graven 

Reien herren, riter und kneht, 
Bl. 104 *• da was ain uberlaucz gebrecht 
an diesen steten scheine. 

Und der Drakole kam auch dar 
1025. und pracht vil volks an seiner schar. 
*) Funff wochen oder mej e 
sy also pei einander warn, 
in der weil het der kung ervan 1 
1030. dy lasterlichen schwere 

Und mordischen verreterei^ 
die er dann het in der Turkei 



l) im Mi. fehlt die 6. zeile. 



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55 



mit dem ha i den verlassen. 

Der kung von Ungern stallet sich 
1035. als ob im nit wer wissenlich 
dis ding in sdlchen massen; 

Mit dem Drakole waide 
ktlng Matiasch ain anslag tet: 
sie solten zihen von der stet 
1040. disem Turken ze laide, 

Des ersten durch dy Walachei, 
nach dem zunechst in dy Turkei 
auff disen argen haiden. 

Sie zugen paide sant von dan, 
1045. mit in so zach manch kuner man 
in iren heren paiden, 

Sy zugen etlich weile 
von der stat, dy ich yeczund nant, 
in disem walachischen lant 
1050. woren sy wol sechs meile. 

Der Drakol maint, er wer da haim, 
da sy nun woren under aim 
sloss was Kungstain genennet, 

Da wart der Drakol griffen an 
1055. von ainem hern des kunges man, 
des nam was weit erkennet: 

Her Ion Isgra der hiesse, 
der den Trakal zu erst angieng 
und in pehafftet und auch vieng 
1060. den vaigen wider spriesse. *f 

In der Walachei seinem landt 
wart er pehempt und angewant ; — 
das wart darumb getone 

Wann er dises kunges gelait 
1065. und auch dar zu sein sicherhait 
ausshalb seins lands was hone. — 

Er in gen Ungern wider 
dem kunig antwurt und praht zu, 
auf ain gesloss, das hiess Iersiu, 
1070. ward er geleget sider 1 ). 



1) Die letzten 4 Verse sind nochmals im Ms. geschrieben, aber durchge- 

strichen : 

Sy in zu Ungern wider 
dem (kung) antwtirten ftir, 
auff ain sein gsoss hiess die Wisttrd 
wart er geleget sider. 



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GESCHICHTLICHE BEMERKUNGEN 



(Beheims Vers 11 — 12. Wahrend der walachische Woi- 
wode Dan am 30. Jannuar 1431 einen wichtigen Handels- 
vertrag mit der Stadt Kronstadt erneuerte, *) wurde dem 
Kaiser Sigismund angezeigt, dass der genannte Woiwode ge- 
storben ware. a ) Zur selben Zeit erschien vor dem Kaiser in 
Niirmberg, der Prinz Wlad, ein natiirlicher Sohn des Woi- 
woden Mircea, 8 ) welcher ehrenvoll als Herrscher uber die 



i) Das slav. Orig. No. 768 und eine AbschriftNo. 10 im Archive 
zu Kronstadt. M i I e t i c, Novi vlachobxlgarski gramoti otx Brasovx 
in Sl)ornik Bd. XTII. (Sofia 1896). No. 18 S. 54— 5, Abschriften in 
der ruman. Akademie. 

2) Eberhart Windeckes Denkwtirdigkeiten, zur Gesch. des Zeit- 
alters Kaiser Sigmunds, berausg. v. W. A 1 1 m a n n (Berlin 1893), 
316 : kam KOnig Slgemont botschaft us der Walachien... wie das der 
Dan Weyden dot were. 

3) u. 4) Ebenda S. 316—7: und was einer lange zit bi im gewe- 
sen, der was ein son Pangratz (eine andere Hs : Markartz) des wi- 
sen, der do vor etliken langen joren ein herre was gewesen der 
selbenianden und hette geheissen Mertzi Weiden ; des Mertzi sone 
machte der Konig zu eine herren... in der grossen Walachien'.. und 
gap ime sant Lasslavbaner mit den zwein cruzen und sein liberige 
mit dem worm und cruz und liess im vor busiinem von der veste 
bis an seine herberge und det im gross ere und wurde. Pangrat2 der 
Weise ist sicherlich auf einen Fehler der Hs. oder Windeckes selbst 
zurttckzufujiren. Die Hypothese (O n c i u 1, Originile Principatelor 
romane, BucurestI 1899, S. 201): Pank,Rat fur Ban Rad. (d. h. Ra- 
#ul Woiwode) ist jedenfalls unmoglich. 



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58 



Walachei anerkannt wird. Zum Drachenritter ernannt, oder 
Wlad Drakul, d. h. mit dem ungarischen Drachenorden be- 
kleidet, gewahrte der Woiwode aus Niirnberg, der tatsachlich 
noch nicht den Thron inne hatte, den Minoritenmonchen das 
Recht, im waiachischen Land zu predigen. Aus derselben 
Urkunde vom 8. Februar ist ersichtlich, dass Drakul Thron 
und Land unter Kaiserlichen Schutz gestellt hatte. 6 ) Die 
Nachrichten fiber diesen Wlad, vor 1431, sind unsicherer. 
Es ist aber moglich dass dieser natiirliche Sohn des Mircea, 
sich in Ofen am Hofe des Sigismund aufgehalten hat, von 
wo aus er einmal den Versuch machte, nach Polen zu ent- 
fliehen. 6 ) Dem Byzantiner Dukas nach, scheint Drakul auch 
in Konstantinopel gewesen zu sein, wo er in der kaiserli- 
chen Garde war. Derselbe berichtet dass der Prinz mit by- 
zantinischer Hilfe in die Walachei gekommen ware, Dan ge- 
totet und seinen Thron besetzt hatte. 7 ) Diese letzten, von 
Dukas erzahlten Ereignisse, sind aber nicht bewiesen. 

Glaubwiirdiger sind die Nachrichten welche uns fiber das 
Lehen Drakul' s in Siebenbitrgen berichten, in Beziehung zu 
den hiesigen Sachsen, bevor er zum Thron gelangt. Es scheint 
dass er, noch bevor er nach Niirnberg ging, von Sigismund 
nicht nur die Erlaubniss erhielt, sich in Siebenbiirgen gegen 
den waiachischen Prinzen vorzubereiten; er wurdesogarbeauf- 
tragt, die Grenzen zwischen dem Burzenland und dem Land 
wo Dan herschte, zu bewachen. 8 ) Zuruckgekehrt, wartet Drakul 



5) Documente Hurmuzaki, I 2 , 749. Xenopol, Istoria Roma- 
nilor, II, 123—4. 

6) E b e n d a, I 2 , 566. 

8) Dies kann durch einen Brief Drakuls nach Kronstadt bewiesen 
werden, aus dem hervorgeht dass er sich gerade vorbereitete 
zum Kaiser zu gehen. Der Brief sagt noch, dass die Kronstad- 
ter keinen Frieden mit dem walach. Landemachen 
s o 1 1 e n. Das slav. Orig. No. 168 im Arch, zu Kronstadt ; Abscrift 
in der ruman. Akademie. Im genannten stadtischen Archive sind 
mehrere hunderte von Urkunden in slavischer und lateinischer Spra- 
che, vor allem in slavischer Sprache, erhalten, Briefe und Akten 
verschiedenen Inhaltes tiber die Beziehungen zwischen den rumani- 
schen Ftinstentumer fbesonders dem waiachischen), Kronstadt und 



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59 



in den sachsischen Gebieten auf eine giinstige Gelgenheit, in 
die Walachei einzudringen urn die Macht zu erhalten, welche 
Dan bald verlieren sollte. — Im Fiirstentum wechselt tatsachlich 
der Herrscher. Im Iannuar 1431 war Dan, im Herbst des- 
selben Jahres, wenn nicht noch friiher, ein Woiwode Ale- 
xander auf dem Thron. Ehenso wie Drakul, nennt sich der 
neue Prinz Alexander, oder mit anderem Namen, Aide, 
Sohn des Mircea. 

Er entsetzte den Fursten Dan, von dem man in dieser 
Zeit nichts mehr hort, und hat dazu gewiss die Hiilfe der 
Moldau gehabt. 9 ) 

Um diese letzten Ereignisse besser zu verstehen, muss in 
Erinnerung gebracht werden, dass schon im Jahre 1420 in 



Ungarn. Diese Urkunden sind von grOssern Nutzen fiir die Ges- 
chichte der ersten Jahrhunderte der Walachei. Sie bringen nicht nur 
die alten Handelsbezichungen an den Tag, in denselben spiegeln 
sich auch politische Ereignisse wieder, die von anderen Quellen un- 
bekannt, und sich auf die Woiwoden, die Fursten, welche den Thron 
wunschten die Bojaren etc. berziehen. Aber die meisten Urkk. ent- 
halten weder Ortsangabe noch ein Dutum. Die ruman. Akademie, 
welche photographische Copien aufgenommen hat, wird die ganze 
Sammlung verOffentlichen ; dem Prof. T o c i 1 e s c u ist diese Her- 
ausgabe an vertranat worden. Ein Teil aber von den slav. Urkunden 
ist schon 1896 von Prof. Miletic im bulgar. Stornick Bd. XIII 
herausgegeben ; die den Woiwoden Drakul II betreffend, oder we- 
nigstens als solche angenommen, sind von Prof. B 6 g d a n studiert 
worden fur die Monographic Vlad Tepes (Bucuresti 1896). Der ver- 
fasser der vorliegenden VerOffentlichung hat auch im Kronstadter 
Archive Abschriften, Extrakten von den slav. u. latein. Urkk. ge- 
macht, die mit den Jahren 1430—1462 u. 1476, datiert werden ko*nnen. 
Nach dem was wir beobachten, haben weder Miletic noch Bogdan in 
den obenerwahnten Werken immer eine genaue Identificierung der 
Urkk. gegeben ; der Text bei Miletic ist bisweilen unrichtig. Vgl. 
noch Jirecek, Archiv. fur slav. Philologie XIX 598 fF. Fur Bog- 
dan, welcher sich sicherlich im Irrtkum befindet, weil er behauptet 
dass im aligemeineh diese Urkk. «einen Inhalt von geringerer Wich- 
tigkeit» (S. 18,' Anm. 1) besitzen, siehe weiter die folgenden An- 
merkungen. 

9) I o r g a, Studii si documente cu privire la Istoria Rom&nilor III 
(Bucurestl 190 1) S. X, XIII f. 



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60 

Polen und Ungarn die Feindschaften zwischen Dan und sei- 
nem Nachbarn, dem moldauischen Woiwoden bekannt waren. 
In diesem Jahre hatte in der Nahe von Kilia an der Donau, 
ein walachischer Einfall stattgefunden, und hatte im moldau- 
ischen Territorium Schaden angerichtet. Es wurde sofort, 
und zu wiederholten Malen die Intervention des ungarischen 
Konigs verlangt; 10 ) Sigismund schenkte aber diesem Ver- 
langen zu Gunsten der Moldau keine Beachtung. Die Feind- 
schaften zwischen den benachbarten Woiwoden dauerten auch 
in den folgenden Jahren fort. Im Sommer 1431 zog der Woi- 
wode der Moldau mit Heeresmacht gegen die Walachen. n ) 
Dan verschwindet vom Thron; ia ) ein Diplom vom 17 Nov. 
(1431) aus der Hauptstadt Tergowiste, bezeichnet genannten 
Alexander als Herrscher im walachischen Lande. 13 ) 



io) Monumenta medii aevi historica res gestas Poloniae illustr., 
Tom. III. (ed. Lewicki, Cracoviae 1894J Append. Nr. 4, S. 503. 

11) I org a, 1. c. Im Kronstadter Arch, befindet sich eine Mittei- 
lung vom 2 Juli d. J. von Ladislaus Apor iiber die zahlreichen mol«» 
davischen Truppen, die in der Richtung von Putna anriicken, d. h. 
nahe sen walach. und siebenbtirg. Grenzen. Der Bericht aber weiss 
nicht zu sagen, ob das Heer sich nach der Walachei oder nach ei- 
ner Gegend des ungar. Kftnigreiches richtet. Kein Zweifel, dass ein 
Kampf zwischen dem walach, Woiwoden und den Moldauern statt 
gefunden hat. 

12) Auf diesen Dan bezicht sich ein etwas spaterer Brief seines 
Nachfolgers, des Woiwoden Alexander nach Kronstadt. Der neue 
Herrscher «Io Alexander, Woiwode und Herrscher iiber die ganze 
Walachei, Sohn des grossen Woiwoden Mircea «schreibt dass er in 
kflniglicher Gunst steht, der Kfinig (d. h. Sigismund) benimmt sich 
mit ihm nicht «wie er sich mit dem Woiwoden Dan benommen 
habe». Derselbe Brief lasst weiter verstehen, dass seine Feinde 
oder «Die Diebe und die M5rder» — wie es ihra.beliebt sie zu nennen 
sich nach Kronstadt fliichten, wo sie aufgenommen sind. «Gebet ihr 
mir meinen Feind und mein Gut, oder werde ich mich nach dem 
K6nig mit der Klage wenden». Alexander nannte sicherlich damit die 
Freunde Drakuls und Drakul selbst. Der Brief, (siav. Orig. im Arch. 
Kronstadt Nr. 308 Miletic, Nr. 6, S. 49) ist wahrschein- lich Ende 
der ersten Regierung Alexanders zu setzten. 

13) Hs. Nr. 1447 (Kloster Dealul) der ruman. Akademie : die Uber- 
setzung des Diploms von Alexander.ldem Sohne des Woiwoden Mir- 



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Mit diesem Woiwoden hat jetzt Drakul zu kampfen. Der 
Gunstling des Kaisers Sigismund wartete nicht mehr lange 
in Siebenburgen. — In seinen Bfiefen aus jener Zeit sieht man, 
dass er in Schassburg (ruman. Seghisoara), ansassig war; von 
hier aus, und wahrscheinlich kurz vor dem Versuch in die 
Walachei einzudringen, schreibt er nach Kronstadt, dass er 
aus dem Lande Nachrichten iiber «Alde» erhalten habe. 14 ) Es 
wurde ihm gemeldet, dass dieser Rivale, (welcher, wie ge- 
sagt, kein anderer als der Woiwode Alexender war,) «tot 
ist, oder, wenn noch nicht tot, so doch in schlechter Ver- 
fassung angekommen ist, und sterben wird.» Drakul, welcher 
die Hiilfe der Schasshurger hatte, verlangte in diesem Brief 
von den Kronstadtern, auch mit ihm zu kommen. € Ich werde 
c Euch in den Bergen lassen, wahrend ich mit meinem Heer 
€ gegen sie ziehen werde (d. h. gegen die Walachen); wenn 
«ich keinen Erfolg habe kehre ich zu Euch zuriick, aber 
«wenn mir der liebe Gott hilft, wie ich es hoffe, da kein 
«Mensch mir entgegenkommen kann, dann werdet ihr auch hin- 
c kommen, wenn alles schon fertig wird.» 1B ) 

Aus dem, in Tergoviste gegebenen Diplom des Drakul 
vom 20 Jannuar 1432, 16 ) welches gewiss autentisch ist, folgt, 
dass er in die Walachei, vielleicht sogar Ende des vergan- 
genen Jahres eindringen konnte. Aber diese, seine erste Herr- 



cea. Unter den Bojaren, die die Urkunde erwahnt, findet man : den 
Jupan Albul und Jupan Tocsaba. Gegeben in Tergowiste, 
den 17 Nov. 6940 (1431), Indiction 11 (?). 

14) In den 3 Briefen iiber seinen Gegner nennt Drakul ihn immer 
mit dem Namen : Aide. S, folgende Anmerkg. fur die Identificierung 
Alde9 mit dem Wpiw. Alexander. 

15) Das Orig. in Arch. Kronstadt Nr. 170, Mile tic, No. 36. S. 
63. Der Woiw. Alexander kam entweder aus der Mcldau oder von 
den Tiirken zuriick. Dass er thatsachlich bei den Tiirken war, das 
sieht man aus seinen eignen Briefen. So schreibt er den Hermann- 
stadtern und versichert ihnen, dass er zu den Tiirken gagangen ist, 
um Frieden in sein Land zu bringen und nicht um mit den Tiirken 
gegen Siebenburgen zu kommen. Ebenda, Nr. 302, M i 1 e t i c, Nr. 
12, S. 5~i. 

16) Do cum. Hurmuzaki, i a , 373 — 4. Iorga, LXIII. 



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schaft iiber das ganze Land, oder nur uber einen Theil des- 
selben, dauert nur kurze Zeit. Im Marz, 1T ) sicher aber im 
Sommer dieses Jahres, nimmt sein Rivale Alexander wieder 
den Thron ein. Diese Thatsache ist durch einen interessanten 
Brief des Woiwoden Alexander selbst bestatigt, welcher 
nach Ungarn gesandt, und in Verbindung ist mit der Inva- 
sion der Tiirken in die Walachei und Siebenbiirgen vom 
Junie-Julie 1432. Der Brief beginnt folgenderemassen : «Vom 
«walachischen Woiwoden, vom Sohne Mirceas, von dem Woi- 
«woden Aide,* 18 ) und zeigt an, dass die Tiirken schon in 
der Walachei angekommen, l9 ) das Land besetzt haben, und 
jetzt in Siebenbiirgen eindringen wollen. Der Woiwode Aide, 
erklart, dass er gezwungen ist mit den Tiirken zu gehen, 
aber, da er entschlossen ist nur den Christen zu dienen, und 
sich an den Tiirken rachen will, ubernimmt er die Verpflich- 
tung, diese letzteren im Kampfe, der in Siebenbiirgen statt- 
finden wird, zu verraten. 2r ) 



17) Vom 15 Marz 1432 (oder 1433?) ein Diplom des Woiwoden 
Alexander. I o r g a 1. c. 

18) Diese Titulatur lasst keinen Zweifel iibrig dass Aide nicht der 
sselbe wie Alexander- Woiwode, aus den Briefen nach Kronstadt und 
Hermanstadt ist. S. weiter unten Anm. 12. 

19) Vgl. andere Briefe von Alexander nach Kronstadt, durch wel- 
che er von der Ankunft der Tiirken an der Donau oder in der Wa- 
lachei benachrichtet, und bittet dringend um Hiilfe, Im Arch. Kronst. 
Nr. 304, £06, M i 1 e t. Nr. 7, 8, S. 49. 

20) Der Brief (Ebenda Nr. 512), sehr schlecht geschrieben, ist aus 
Buzeu geschickt, Wir Stellen ihn in Vesbindung mit einem anderen 
Brief (ebenda, Nr. 305, Milef. Nr. 9, S. 50), in dem Alexander 
nach Kronst. schreibt, dass dem Konigl. Befehl gemass 4 Banner 
von Moldawen angekommen sind und dass er selbst jetzt nach der 
Moldau geht ; am Schlusse verlangt er Hulfsmaterial, Bogen, Pfeile, 
Waffen.— Der Brief aus Buzeu ist in diesem Falle bald nach der Ruck- 
kehr des Woiw. aus der Moldau geschrieben ; aus einer Stelle 
geht sogar ein schon festgestelltes Verstandnis, zwischen den beiden 
Woiwoden gegen die Tiirken hervor. Ubrigens hatten schon einige 
tiirk. Truppen in dieser zeit die Moldau verwtistet oder waren grade 
auf dem Wege dazu : am 22 Inn waren sie aber ganzlich geschlagen 
worden. Am 11 Juni befand sich ein Teil der Truppen nahe bei Ter- 
gowiste und richtete sich nach Siebenbiirgen. Iorga, S. X u. Anm. 



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Er schlug dafiir auch einen Plan vor, an welchem auch 
ein gewisser «Kaiser Cealapia* beteiligt sein sollte. 21 ) Dem 
miisse sofort Meldung gemacht werden, damit er auch nach 
Siebenbiirgen komme um sein Heer mit dem der Christen 
gegen die Ttirken zu vereinen. 

In diesem Brief interessirt uns hauptsachlich ein Punkt, 
und zwar, dass nicht Drakul im Sommer des Jahres 1412 
mit den Ttirken gegen Siebenbiirgen gekampft, sondern der 
Woiwode Alexander. aa ) Die Ttirken pltindern und rauben 
einige Tage in den Gebieten Kronstadts, kehren aber mit 
grossen Verlusten zurtick. 28 ) 

Nach dem Ruckzuge der Ttirken, ist hochst wahrschein- 
lich Alexander noch auf dem Thron. Von Drakul und von 
diesen Jahren (1432, 1433) haben wir, in betreff der Wala- 
chei und seinem Rivalen viele Berichte. 24 ) So auch in einem 



6, 7. Ein Brief der Kronstadter ktindigte das einen Tag vorher an : 
dicti perfidi Turci quarta feria proxima post pentecostes in Synta 
uno miliari Tergowista erunt constituti. Das Orig. in Arch. Kronst., 
Abschrift in der ruman. Akad. 

21) Kaiser Cealapia scheint David Celebi (der Neffe des Sul- 
tans Murad II. und Thronpratendent zu sein, welcher gerade in die- 
ser Zeit in Ungarn lebte. I org a, Notes et Extraits pour servir a 
Thistoire des Croisadcs, au XV siecle. II. SeYie (Paris, 1899) S. 337~8 
(Anm. 2), III S6rie (1902) S. 73 Amn. 1. Uber denselben David be- 
richtet auch Lucca ri, Gopioso ristretto degli annali di Rausa (Ve- 
nejia 1605) 90 f., 96: [Era rifuggito dagli Ungari Daut nepote di 
Murat primo Re* de Turki, per parte di Siaus suo figliulo. 

22) Die letzteren Studien tiber den Einfall der Ttirken 1432 ins 
Burzenland (Iorga, Studil si Docum. Ill, S. X) schrieben noch Dra- 
kul diese Rolle zu. 

23) Die Ttirken waren am 22 Juli nach Adrianopel zurtickgekehrt. 
Iorga, 1. c. 

24) Die Kronstadter slav. Urkunden, die von Drakul I. herstammen, 
sind zahlreich, viel zahlreicher als die der anderen Woiwoden (viel- 
leicht so viele wie die des Jungen Bassarabas, oder jene, welche von 
dem Woiwoden Mathias Bassaraba im 17 zahrhund. nach Ktatdrosn 
geschickt wurden,— die letzteren in den lateinischen Sammlg, dessei- 
ten Archives). Verfasser kennt vom Drakul I. 25 Stticke : Sie kon- 
nen in 3 Gruppen nach der Charakteristik der Schrift oder der Sie~ 
gel geteilt werden. In erster Reiche die unter Nr. 168, 169 152, 180, 



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seiner Briefe, in welchem Drakul nach Kronstadt berichtet, 
dass Aide zu den Turken gegangen, und fiigt hinzu : c ge- 
«wiss nicht zu eueren Gunsten, sondern im Gegentheil, um 
«das tiirkische Heer zu bringen das euch pliindern soil, wie 
€ es euch schon frtiher gepliindert.» Drakul verlangt in dem- 
«selben Brief Kriegsmunitionen und Hilfstruppen, > denn ich 
«will ihn aus dem Lande vertreiben, damit auch ihr und die 
c anderen Christen in Frieden leben k5nnt.» a5 ) Wir wissen 



146 ; alle fangen mit «I o Vlad», an, haben ahnliche Schrift, die Sie- 
gel sind bei alien rundefrorm, entweder Ringsiegel oder Petschaften 
von sehr kleinen Dimensionen. Im ubrigen giebt es nicht bei alien 
ein gut erhaltenes Siegel; bei einigen Urkk. ist keines mehr vor- 
handen, aber die Grttsse und Form desselben kann man mit einer ge- 
wissen Ann&herung feststelien. Darauf folgt die 2. Gruppe : die Nr. 
164, 167, 177, 180, 181, 183, 191, 184, 185, 192, 189; der Anfang der 
Titulatur : «Ioan Vladt, das Siegel fast bei alien dasselbe sehr 
schone, mittelrunder Form, mit der Umschrift in gotischen Buchsta- 
ben. Die Mehrzahl dieser Gruppe ruhrt sicherlich von Siebenburgen 
her. Endlich die Nr- 154, 177, 178, 189, 187 und 171, 173, i74, 188 
kOnnen mit grosser Wahrscheinlichkeit mit der Zeit datiert werden, 
als Drakul auf dem Thron war. Diese Gruppe fangt sowie die erste 
mit ! «Io Vlad» an. Die zwei Abteilungen dieser letzten Gruppe be- 
sitzen jede ein Siegel mittel-elliptischer Form, mit dem Sinnbild aber 
in 2 entgegengesetzten Stellungen. Das Siegel von Nr. 171 seheint 
identisch mit dem bei einer latein, Urk. von Drakul I (1444 Aug.) 
aus demselben Arch. (Fronius Sammlg. I. Bd., 17) zu sein. Uber 
einige Identificierungen der Urkk. sindwir noch in Zweifel ; es liegt 
jedenfalls fern von uns der Anspruch, dass wir alle in ihrem richti- 
gen chronologischen Zusammenhang zu ordnen verstanden haben. 
Uns fehlte auch die Moglichkeit mit einem reicheren Material, d. h. 
aus 4en rumanen. Archiveu zu arbeiten ; nur hier konnten wir die 
Namen der Bojaren finden, die die Kronstadter Urkk. angeben und 
auf diese Weise die Urkk. selbt datieren. Ftigen wir noch hinzu, dass 
uns viel leichter die Identificierung der anderen Urkk. vorkamm, die 
sich auf die folgenden Woiwoden Wladislav, Drakul II. und den 
Throncandidaten Dan beziehen. Ausser der Thatsache, dass die An- 
zahl dieser letzteren gering, bei einigen sogar ein Datum vorhanden 
war, der Inhalt selbst auch keine Schwieigkeit darbot. (S. weiter 
unten). 

25) Das Origin, im Arch, Kronstadt Nr. 164, Mitel, Nr. 30, S. 
61, Abschrift in der rumiin. Akad. 



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nicht an welchem Datum es Drakul gelungen sein mag, den 
Woiwoden Alexander aus der Walachei zu vertreiben, und 
den Thron wieder zu besetzen. In der Zeit, d. h. nicht zu 
lange nach der Verwustung die die Tiirken im Burzenlande 
gemacht hatten, starb der Woiwode der Moldau, welcher die 
Stiitze des walachischen Herrschers war. Imjahre 1433 be- 
stieg ein neuer Woiwode den Thron des der Walachei be- 
nachbarten Fiirstentums. 86 ) Uber Drakul und seinem Ri- 
valen kennen wir bis zum Herbst des Jahres 1434 keine 
neuen Berichte mehr, aT ) Im Februar 1433 ergriff Sigismund 
Masregeln, dass die Passe und die Grenze zwischen Sieben- 
biirgen und der Walachei noch besser bewacht wiirden, und 
intervenirte deswegen bei den Gemeinden von Bistritz und 
Klausenburg, die Sachsen von den 7 Stuhlen bei Ausfuh* 
rung dieses Auftrages zu unterstiitzen. Im Mai 1434 wurden 
Masregeln gegen einen neuen Einfall der Tiirken, der von 
Kronstadt gemeldet wurde, ergrififen, 29 ) damit nicht etwa 
diese Rtickkehr eine Bewegung der Walachen im Fogarascher 
Land, welche sich in die Berge zuriickzogen, 30 ) zur Folge 
haben solle. 

Im Oktober 1434 war Drakul in Siebenbiirgen. Wir 
haben daftir einen, von ihm selbst geschriebenen Beweis. 
Am 7. dieses Monats schrieb er nach Kronstadt, dass er 
Tags zuvor, und zwar am Mittwoch, eine gute Nachricht vom 



26) Von 4. u. 5. Iuni 1433 die Vassalitatsacten de9 neuen Woi- 
woden und der Moldav. Bojaren J um K'dnig von Polen. Documente 
Hurmuzaki, I 2, p. 840 — 2. 

27) Am 9 Febr. 1433 eine Geldschenkung des Woiwoden Alexander 
an da* Kloster Zographos. Iorga, S. LXVII. 

28) Das latein. Orig. im Arch, Hermannstadt ; Abschrift in der 
ruman. Akadem. Der Konig, erwahnt auch den ttirk. Einfall vom 
vorigen Jahre. 

29) Michael Iakob, Siculorum Comes erhielt diese Nachricht : Uti 
nobis nuntiastis quomodo saevissimi Turci in partibus Transalpinis 
forent constituti, et Valaches partes eitisdem in circumferentus cas- 
trorum assistent subplantandi... Das. Orig. im Arch. Kronst. ; Ab- 
schrift in der ruman. Akad. 

30) Docum. Hurmuzaki, I 2, 589, 590, 

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Kaiser erhalten habe, welche er ihnen durch «Vitze Ia- 
nosch* 31 ) miteilt. — Wir konnten nicht mit Sicherheit sagen, 



31) Das slav. Orig. No. 189 im Arch, zu Kronstadt; Abschrift in 
der rum. Akad. : IlpYHA' MH H a RK£ WT rN(CA)A MH Kfcap'k s 

A h k w% TORpi'a k& cp-k^^ A kH *' u > h mini c ramh 3a 1 A Ha A*" 
Kpa IWAC AWNICI... ^ er Brief ls t m «Merghindealu», das heutige Dorf 
Mergeln (ungar. Morganda) im Komit. Nagy-KuktillO, etwa in der Mitte 
zwischen Schassburg und Fogarasch geschrieben. (B i e 1 z, Siebenbttr- 
gen, Wien 1885, S. 200). Mittwoch den 6 Oktober fallt nur im J. 
H35 n dem Zeitraum von 1430— 1437, a * 8 Sigismund als Kaiser 
in Beziehung mit Drakul stehen konnte). Bogdan hat den Brief un- 
richtig dem II. Drakul zugeschrieben. Wir wissen nicht wer dieser 
«Vit6z Janos» war (denn der Name ist ungarisch) auf den Drakul 
so viel Vertrauen setzte (S. die folg. Anm.) Der Gegner Drakuls 
hatte auch einen treuen bedeutenden Anhanger, den Jupan Albul. 
In 2 Briefen Drakuls sind die Aide und Albul beisammen ge- 
nannt. (Ebenda Nr. 152 u. 177; letztere Urk. in Milet Nr. 40 5.64). 
Dieser Albul ist auch im obenerwahnten Brief Aide's erwahnt (siehe 
weiter oben Anm. 20 u. 21). Von diesem Jupan Albul selbst sind in 
demselben Arcd. 3 Briefe, in einem (Nr, 463, Milet. Nr. 54, S. 69)- 
dem wichtigsten, spricht Albul wie von einem grossen Feind von 
Drakul; im anderen (Nr. 468 u. 510; Milet., Nr. 55, 56 S- 69 — 70) 
versichert er den Kronstadtern, dass er ihnen Freund sei: Das Siegel 
aus dem letzteren Br. tragt die Umschrift : AAEh TOKCAGCC, b e i d e 
Namen schon im Diplom vom 17 Nov. 1431 vor Alexander vorhan- 
den (S. weiter oben die Anm. 13). Man kann nicht feststellen, ob 
damals in der That 2 verschiedene Bojaren : Alb und Alb Tocsabes 
existirten , und ob nur der letztere der Feind Drakuls war. Iorga, 
S. XIV meint dass der Feind Drakals bald mit ihm versfthnt wor- 
den sei. Ein Albul existiert thatsachlich in einem Schenkungsdiplom 
Drakuls im J.- 5945 (1437) Aug. 13. (in den ruman. Staatsarchiven, 
Metrop. BucurestI, Pak. 94. Nr. 1, Abschrift in dei rum, Akad. 
247IXL, verGffent. Miletic, Dako-iRomanite* i t6hnata slavianska pisme- 
nosti. Sbornik IX. S.332), aber von einem Diener AlbuPs schreibt 
Drakul auch nach Kronstadt, dass dieser Diener ihm eine grosse 
Summe Geld gestohlen habe. (Das Ha v. Orig. ebenda Nr. 171, Milet. 
Nr. 39, S. 64). Eine spatere Erwahnung von Albul findet man in 
einer Urskunde vom J. 1550 der Woiw. Mirceaftir das Kloster Govora 
(in den rum. Staatsarchiven, Govorakloster, Pak. 3. u Hier sagt man 
dass wahrend der Regierung Drakuls II. der Bojar Albulde Grosse 
d* h. veilleicht der Altere) sich gegen den Woiwoden erhoben habe) 
aber Drakul II. hat ihn gefangen genommen und ihn und seine ganze 



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ob Drakul sich vor kiirzem wieder aus der Walachei zu- 
riickgezogen, oder ob er sich jetzt endlich vorbereitete den 
Thron zu erhalten aa ). 

Im Jahre 1436 hort man in Siebenbiirgen von neuem, 
dass die Turken in die Walachei gekommen sind. Es werden 
Vorbereitungen gegen sie getroffen ; am 31. August waren in 
Brenndorf (ungar. Botfalu) unweit von Kronstadt, schon sie- 
benbiirgische Truppen versammelt um Drakul zu Hiilfe 
zu kommen. An diesem Datum wird nach Kronstadt ge- 
schrieben um die letzten Massregeln fur die Hiilfe gegen die 
Turken zu ergreifen. 38 ) Der Woiwode Drakul scheint ihnen 
in den Bergen entgegengekommen zu sein, oder er steigt 
von hier in die Walachei hinunter. Am 5 Sept. schickt er 
einen Brief nach Kronstadt von € campo de Roy a nostrae 
descensionis.i 34 ) 

Die Turken Kommen in die Walachei. Der Woiwode 
wird besiegt, das Land gepliindert. Dies geschieht in den 
Monaten Sept.— Okt. (1436). 3B ) Blieb Drakul noch auf dem 



Familie enthauptet. 1st hier nicht die Rede von Albul Tocsabee 
unter Drakul I? Vgl. Tocilescu, Manual de Istoria Rom. 

32) Vielleicht bezieht sich auf diese wahrscheinliche Thronbesteigung 
ein Brief Drakuls, worin er nach Kronstadt schreibt, dass niemand 
die Gebirge tiberschreiten durfe,ohne vorher von seinem treuen Diener 
«Ioanas ViteazuU die Erlaubnis erhalten zu haben. Und wenn'Ioanas 
einen von seinen Feinden gefangen zu nehmen bsabsichtigte, so so lie 
Kronst. die Hiilfe nicht versagen. Das Orig. Nr. 180; die Abschrift 
in der ruman. Akad. Mi let, Nr. 43, S. 65. 

33) Der Brief ist von Bischof Georg (Lepesch) von «Michael Jakch 
Comes Siculorum et Lorandus vicevoivoda Transilvani» geschickt 
worden : ut finali conclusione super levationem praesentis exercitus 
e vestri medio pro succursu domini Wlaad Vaivoda partium Tran- 
salpinarum fiendam... Datum in Bothfalva, in vigilia festi beati Egidii 
abbatis a 1436. Das Orig. im Arch. Kronstadt ; Abschrift in der rum. 
Akad. Jorga, S. XV. 

34) feria quarta pioxima ante festum nativitatis Virginis glo- 
riosa a. 1436. Roy a Kann der gebirgige Punkt Ruja, im Schuler- 
gebirge, zwischen Kronstadt und der walachi. Grenze sein. (Bielz, 

Siebenburg., 270). 

35) Am 17 Nov (1436) Johann von Ragusa schrieb aus Konstan* 
tinopel an das Baseler Conzil, vor wenigen Wochen seien die Turken 



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Thron? Wurde er jetzt von den Turken gefangen genommen, 
und dann gegen Geiseln (seine Sonne) und Zahlung des Tri- 
butes wieder freigelassen ? Eine Gefangennahme und Ein- 
kerkerung des Drakul wird in mehreren Quellen bestatigt ; 36 ) 
von Drakul besitzen wir, mit Datum versehene Urkunden, 
nur vom 8. April und 13. August 1437. 37 ) 

Zwischen den Jahren 1437 88 )-— 1446/7 regiert Drakul in 
der Walachei endlich scheinhar ohne Unterbrechung. 89 ) Nach 
dem Tode des Kaisers Sigismund, zieht'er 1438 mit den Turken 
gegen Siebenbiirgen, 40 ) wie 6 Jahre vorher der Woiwode 
Alexander gezogen war. Im Zeitraum von 1439 — 1442 4l ) 
finden erneute und wiederholte Zusammenstosse zwischen 
Turken und Ungarn stat — an der Donau, in Siebenbiirgen, 



in die Walachei eingefallen, und haben das Land furchtbar ver- 
wtistet. Jorga, Acte si Fragmente, III i, 82—3; Stud, si Doc. 
Ill, S. XV. 

36) Jorga, St. si Docum., Ill, S. XII f., XV, XVII. 

37) S. weiter oben die Anm. 31. Die Urk. vom 8. April aus Ter- 
gowiste, eine Erneuerung des Handelsvertrages mit Kronstadt, kOnnte 
uns die Vermutung bestatigen, dass Drakul vor kurzem den Thron 
wieder bestiegen habe. Das Orig. im Arch. Kronstadt Nr. 770; M i 1 e t. 
No. 28, S. 59, . . * 

38) Nachrichten tiber einen nahekommenden Einfali der Ttirken 
werden im Juni d j. von Biestritz nach Kronstadt, von «Henricus de 
Thamasy, Comes Siculorum* verlangt : adventus sevissimorum Tur- 
corum auditis seu scitis nos in hiis quantocius poteritis suscitari 
velitis... 

39) J o r g a 1. c. 

40) Obwohl im Febr. d. j. der neue KOnig von Ungarn den Kron- 
stadtern ankiindigte, dass er Drakul geschrieben habe, er solle ihnen 
keinen Schaden mehr zufugen, sondern sie verteidigen. Docum. 
Hurmuzaki, I, 645. 

41) Von den J. 1439 Sept 8, 1440 Sept. 16, 1441 Mai giebt es 
Urkk. in der Walachei von Drakul gegeben.. A r c h i v a istorica a 
Itomanier, I, 84 f. ; die letzteren beiden in den rum. Staatsarchiven, 
(Kloster Kozia u: Glavacioc). Am 16 Okt. 1441 schrieben . die Woi- 
woden von Siebenbttrgen von der Bitte, welche der »illustris Wlaad 
Voivoda Transalpine* gestellt hat wegen der Erlaubnis, resoll das 
-Recht haben in Kronstadt seine Mtinze zu halten. Das Orig. im 
Arch, zu Kronst. : Abschrift in der ruman. Akad. 



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in der Walachei. Drakul ist der Parteiganger Ungarns. 4a ) 
1443 scheint er, laut Chalkokondylas, an den Kriegszugen 
in Serbien, bei denen Iohann Hunyadi glanzte, auch theil- 
genommen zu haben. 43 ) Endlich, 1444, bei der beriihmten 
Schlacht von Warna, ist die Theilname Drakuls auch mo- 
glich. 44 ) 

Aus den letzten zwei Regierangsjahren des Drakul, sind 
Aufschliisse iiber ihn, nach dem Berichte eines Augenzeugen, 
in der Chronik von Jean de Waurin enthalten. 4B ) Unter 
anderem ist hier ganz ausfuhrlich die Eroberung von einigen 
turkischen Festungen an der Donau erzahlt. Das christliche 
Heer bestand aus einem Theil walachischer Truppen und aus 
der Flotte des Herzogs von Burgund und von Venedig 
(Herbst 1445). Auf eine von diesen Festungen soil sich ein 
Brief Drakuls an den Rat Kronstadts beziehen. Der Woiwode 
bat um Hiilfsmaterial, welches zur Eroberung no tig war 46 ). 

Drakul beschloss Anfang 1447 sein Leben. Hunyadi hatte 
ihn und seinen alteren Sohn hinrichten lassen. 

Der Grund zu dieser rohen That des Reichsverwesers von 



42) H u b e r, Arch, fiir 6sterreich. Geschichte, Bd. LXVIII, S. 169— 
*75- J o r g a t. c. 

43) Lib. VI, S. 307. Do cum Hurmuzaki, I 2, 689. Vom 5, Aug. 
1444 ein Brief Drakuls aus Tergoviste (Wlad partium Transalpina- 
rum voivoda) an Kronstadt gegen das ungesetzliche Benehmen der 
Beamten im TOrzburger Pass. (Das Orig. im Arch. Kronstadt ; Ab- 
schrift in der ruman. Akadem.) Vgl. den slav. Brief Drakuls an Jo- 
hann Hunyadi iiber denselben Gegenstand (Orig. ebenda No. 173, 
Mi let., No. 38, S. 64. 

44) Jorga, S. XXI f., LXVIII ff. Die vollstand. Beschreibung der 
Schlacht in K o h 1 e r, Die Schlachten von Nicopoli u. Warna (Bres- 
lau 1882) S,35 ff. wo auch die Quellen angegeben sind. Unter diesen 
ist auch das Gedicht Beheims iiber die beiden Feldztige von 1443 u 
1444 erwahnt und bentitzt worden. 

45) R e c u e i 1 des Chroniques et anchiennes istories de la grant 
Bretaigne etc. in Rerum Britannicarum medii aevi Scriptores (ed. 
Hardy) Bd. V. (London 1891) 65-117. S. Iorga, S. XXIV ff. 

46) Das slav. Orig. Nr. 174 im Arch. Kronst. Abschrift in der 
ruman. Akad. B g d a n schreibt wieder unrichtig dieen Brief dem II. 
Drakul zu. 



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Ungarn lag scheinhar in dem Beweis den Drakul den Tiirken 
gab, dass er Friede mit ihnen halten wolle. In einem Brief 
an den Bischof von Gross-Wardein, schrieb Iohann von 
Zredna am 15. Januar d. j., dass Drakul «von ueuem vier- 
«tausend Christen in Sklaverei gefiihrt hatte, die in frii- 
«heren Kriegen aus den Handen der Tiirken befreit worden 
«waren.» 4T ) 

Die Komentare der Papstes Pius II., die besser be- 
richtet sind als Beheim utid die andern deutschen Erzah- 
lungen, charakterisiren diesen letzten Theil der Regierung 
Drakuls I. mit den Worten: «animo inconstanti et vario.» 48 ) 

(B e h e i m s. Vers. 44—50). Vor Drakul, dem Helden un- 
seres Gedichtes, herrschte der Woiwode Wladislav 1 ) 
uber die Walachei. Seine achtjatrige Regierung litt ebenfalls 
wie unter Drakul I. durch den Ubelstand, das die Walachei 
Streitobjekt zwischen den Sultanen und Ungarnkonigen war. 
Durch die Lange der Zeit waren auch die Parteien im Lande 
immer scharfer herausgebildet. So hatte Wladislav als Dans 
Sohn mit der Feindschaft der Partei Drakul zu kampfen. 3 ) 



47) Schwandtner, Scriptores rerum Hungariscarum (Vindob. 
17 46—8). II., 40—1. Jorga, S. XYVir ff.glaubt dass diese Ermor- 
dung Drakuls nach der Absendung des Briefes stattgefunden hat 
und dass der Nahfolger Drakuls I. der Wouddee Wladislav war, 
welcher bis 1456 uber die Wal. herrschte. Der letztere wurde von 
Drakul II entsetzt. Von dem von Ungarn gegen Drakul I. geftirten 
Kriege spricht Hunyade selbst imj. 1448 : sicut ad vers us saevisimos- 
Turcos.. alios regni notorios aemulos, videlicet Regem Romano rum... 
et infidelem quondam Wladislaus Wayv. Transalpinuir . D o c u m. Hur- 
muzaki, I 2, 758. Eine Regierung Dans nach Drakul I. ist von an- 
deren Historikern (Tocilescu, Xenopol, Bogdan) erwahnt 
48) S. 296. 

1) Lassla-Waida bei Beheim und in den deutschen Prosaerfcah- 
lungen. 

2) Ein Echo dieser Zwistigkeiten in Aeneae Silvii Picco- 
lo m i n i qui post adept. Pontif. Pius II appellatus est Opera 
quae extant omnia etc. (Basileae 1571) S. 393: Inter Valachos tem- 
pestate nostra duae factiones fuere, altera D a n o r u m, altera Dra- 
g u I a r u m : sed ij cum Danis impares essent, atque ab illis multi- 
fariam opprimerentur, T u r c a s in auxilium vocavere, quorum armis 



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71 



Dennoch war es ihm, wie es scheint, moglich gewesen, wah- 
rend den ersten Jahrens einer Herrschaft (1449 3 ) — 1452) sein 
Land in Ruhe zu regieren. Es ist nicht nur ein Zufall, dass 
gerade in diesem Zeitraum der Friede zwischen den 
beiden Machten, die sich liber die Oherherrschaft in der 
Walachei stritten, geschlossen wurde. 4 ) Wladislav war einer 
der Vermittler dieses Friedens. B ) 

Seit 1452 aber hatte Wladislav Grund mit einem Teil 
seiner siebenbiirgischen Nachbarn unzufrieden zu sein. Die 
sachsischen Stadte erlauben den Feinden des Woiwoden, 
sich in ihre Mitte zu fliichten, von hier aus zu intrigieren, 
und so durch ihre Haltung die Sicherheit des Thrones zu 
bedrohen. In dieser Haltung, welche noch lange gedauert 



adiuti, Danos pene ad internecionem deleverunt. Danis vero Joan- 
nes Huniades Hungarorum imperio fretus opem ferens, n o n t a m 
illos restituit quam acquisivit, quippe qui D a n o r u m 
agros ex potestate Turcarum e r e p t o s, et 9ibl et 
posteris perpetua possess i one retinendos occu- 
pa v i t. 

3) Wladislav hatte 9chon 1448 den walach. Thron inne. Wahrend 
der Schlacht von Kossowo schrieb er (am 31. Okt.) aus Tergowiste 
nach Kronstadt, dass er die Ruckkehr Hunyadis aus dem Kriege er- 
wartet, um Friede mit ihm zu machen. Dubium est de vita ipsius 
(d. i. Hunyadis), si autem enascitur de bello liber secum convenie- 
mus bonam pacem faciemus, si autem nunc nobis contrari fueritis, 
siquid tandem fiet, sint in detrimenta animarum vestrarum... (Datum... 
in vigilia omnium Sanctorum .. Wlad partium Transalpinarum Voi- 
voda) Das Origin, im Archive Kronstadt Schnell's Sammlg., I, No. 
18, Abschrift in der ruman. Akademie. B o g d a n, 9, 66 if. be- 
trachtet Wladislav als Stellvertreter seines Vaters Dan ; J o r g a 
aber, (Studil si Documente III, S. XXVIII ff.) als Nachfoiger Dra- 

kuls I. 

4) I o r g a, Acte si Fragmente, III, 23 ff. C o n d u r a t u, Re- 
la {iunile Jaril-RominestI si Moldovel cu Ungaria, 14s f. 

5) S. d. Brief Hunyadis vom 17, Dez, 1449 an die Kronstadter, 
in welchem von der im Interesse des Kdnigreiches gemachten Mit- 
teilungen des Woiwoden R a d o z 1 a (recte Wladislav), und der Ge- 
sandtschaft zur Friedensschliessung mit den Tttrken die Rede ist. 
Datum in Pesth, feria quarta proxima ante fest. beati. Thomae apost. 
1449. Das Origin, im Archive Kronstadt, Abschrift in der rumftn, 
Akademie. Bogdan, 66, 



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72 

hat, rhiissen. wir nicht nur eine Reihe feindseliger Interessen, 
sondern ein politisches System sehen, das, von Humyadi ein- 
geleitet und voa seinem Sohne Koiug Mathias weitergefiihrt, 
in den Beziehungen Ungarns zu den rumanischen Fiirsten* 
tumern vorgeherrscht hat. — Am 24. Sept. 1452 schickt Wla- 
dislav einen Brief nach Kronstadt, in dem er von dem Rat 
verlangt, alle Feinde der Walachei und ihres Woiwoden aus- 
zuliefern und deren Guter einzuziehen. 6 ) Ein weiterer Be- 
weis, dass auch die einst freundsehaftlichen Verhaltungen 
zwischen Hunyadi und Wladislav erkaltet waren, ist ein an- 
derer Brief des nnzufriedenen Woiwoden nach Kronstadt. 
Wladislav beklagt sich, dass sein «Vater Iohannes Woiwode> 
(d. i. Hunyadi) ihm alle die Dienste, die er und seine Bo- 
jaren «der heiligen Krone und dem ungarischen Lande» er- 
wiesen haben, mit Undank gelohnt habe. Er bemerkt ferner, 
dass Hunyadi nicht zufrieden zu sein schiene mit dem Amt 
eines Reichsverwesers von ganz Ungarn 7 ) sondern dass er 
nach den Gebieten «Amlasch und Fogorasch* trachte, zwei 
Gebiete, die durch Erbschaft zur Walachei gehorten. 8 ) 

Im folgenden Jahre 1453 kommt es dennoch zur Versoh- 
nung. Wahrend die Tiirken Konstantinopol belagerten, bes- 
sern sich die Bezichungen zwischen der Walachei und Un- 
garn. Der Woiwode schreibt am 12 April nach Kronstadt, 
dass er die Absicht «Hunyadis seines Vater und Herrn* 
erfahren habe, Waffen nach Kilia zu schicken, und dass 



6) Unter dicsen Feinden befanden sich auch einige Missethater, 
welche iooo Schafe gestohlen hatten, die dem Heere des Woi- 
wod. Wladislav gehflrten. Es lag also die Intrigue irgend eines 
Kronpratendenten vor. obgleich uns der Brief des Wladislav in dieser 
Beziehung nichts sagt* Vgl. Bogdan, Vlad Tepes, 63. Der Brief (aus 
Tergoviste, Wladislaus partium transalpinorum wayda et dominus 
terrarum de Omlas et Fogaras) in der ruman. Akademie. 

7) Hunyadi legte dieses Amt in die Hande des Kftnigs in Pres- 
burg nieder, im Januar 1453. Der Brief Wladislav's. der keine Zeit- 
angabe hat, muss also von alterem Datum sein. 

8) Das slav. Origin. (No. 28) im Archive Kronstadt, verOflentl von 
Miletic, Sbornik (Sofia 1896) XIII, S. 74—5, No. 67. Atechrift t 
in der rum^n. Akademie. 



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73 



er sich verpflichtet, sie selbst von der Walach. Hauptstad- 
Tergowiste iiber Braila transportieren zu lassen 9 ), Am 27 
Sept. erhielten die Hermannstadter von Hunyadi die Mittei- 
lung, dass er mit dem Woiwoden Frieden geschlossen habe, 
und dass sie selbst jetzt einen Gesandten nach der Wala- 
chei schicken mochten, um mit Wladislav die Entschadigung 
fur die erlittenen Verluste festzusetzen ,0 ). Dieser schnelle 
Wechsel der Beziehungen lasst sich dadurch erklaren, dass 
das benachbarte Kdnigreich sich iiber die Fortschritte der 
Turken, die Herren in Byzanz geworden waren, grosse Sor- 
gen machte. Hunyadi suchte fiir Ungarn eine sichere Grenze~ 
durch die Freundschaft der Walachei zu erhalten. 

Zu Beginn des j. 1454 leitete Hunyadi die grossen, Vor- 
bereitungen gegen die Ttirken. Muhammed II drang^in Ser- 
bien ein nachdem das ungar. Heer iiber die Donau zuriickr 
gegangen war. Hunyadi aber kam noch rechtzeitig zuriick, 
konnte noch die serb. Festung Semendria retten, und die 
osmanichen Truppen bis nach Widin verfolgen, das er in 
Brand stecken liess. Die Turken naherten sich bald wieder 
von ihren Nordgrenzen her und erroberten in Serbien Novo- 
berda "). Nach einigen Monaten wusste man in Ragusa, dass 



9) Da 8 Origin, im Archive Kronstadt Schneli's Sammlg. I, No. 
12 ; Ab8chrift in der rumSn. Akademie. Datum in Tergovistia feria 
quarta proxima post dominicam Quasimodo geniti 1453. Vladislaus 
partium tranealpinarum Vaivoda. 

10) Das Origin, im Arch. Hermannstadt ; Abschrift in der ru» 
man. Akademie. Bonam et opt imam cum vaivoda partium transal- 
pinarum fecimus pacem, sic securi et liberi man ere poteritis et ad, 
nos maneatis tuti, et mittatis unum hominem vestrum ad ipsum vai- 
vodam simulcum illis suis ambasiatoribus ut ipse vobis de illis da- 
mn is quae sunt illata satisfactionem et iusti^tam impendat .. Datum 
in Lippa, feria secunda proxima ante festum beati Mihaelis archang. 
1453. Es unterliegt keinem Zweifel, dass Wladislav in die Landgtri- 
che bei Hermannstadt eingebrochen war. Im ftbrigen war es auch 
nach obigem Briefe, in welchem Wladislav sich ttber die Usurpatio- 
nen Hunyadis in den Ge,bieten von Fogarasch und Almasch beklagt, 
vorauszusehen. 

11) Juni 1455. Zi nkeisen, II, 72 if. Hammer, I, 432 f. Frak 
noi, 22. 



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74 



Hunyadi daran dachte in die Walachei einzufallen, und dass 
tiirkische Truppen in den benachbarten Orten zusammengezo- 
gen wiirden Ta ). Daraus konnte man schliessen, dass in dem 
unruhigen Lande Wladislavs eine neue Wandlung bevorstand. 

Zur selben Zeit begann der Woivode von neuem das 
Vertrauen der sachs. Bevolkerung und des Hunyadi zu ver- 
lieren. In einer Zuschrift an die Sachsen vom 6 April 1456 
bemerkt der Konig Ladislaus, dass dem Zwiste zwischen 
dem walach. Herrscher und Hunyadi ein Ende gemacht 
werden muss. Der Konig weiss, dass «illustris Wladislaus 
vaivoda transalpinus > in die Besitztumer Hunyadis und in 
einige sachs. Ortschaften schon einmal eingefallen war, und 
letztere in Brand gesteckt habe. Der Brief des Konigs fiigt 
hinzu, dass beim Woiwoden Wladislav dahin gewirkt worden 
ist, dass er die Feindseligkeiten einstelle : dass aber jeden- 
falls die Sachsen das Recht haben, sich von nun an gegen 
jeden walach. Angriff zu wehren 13 ). 

Einige Tage vorher, am 12 Marz war eine Nachricht ver- 
breitet, das die Tiirken, unter der Leitung des Statthalters 
von Rumelien Vorbereitungen fur die Besetzung der Wala- 
chei getroffen hatten, und dass Hunyadi audi bereit sei die 
Plane des Sultans zu durchkreuzen u ), Im April unterlag der 
Entschluss des Sultans gegen die Donaufestung Belgrad 
zu ziehen, keinem Zweifel mehr I6 ). Inmitten dieser Bewe- 
gung war auch der walachische Thron im Spiel. Die Regie- 
rung des Woiwoden Wladislav, welche bis zum 15 April d. j. 
nachgewiesen ist w ), naherte sich jetzt ihrem Ende. Wahrend 
die Tiirken vor Belgrad standen eschien Drakul in der Wa- 



12) Nov. 1455. Diplomatarium R agu san um, 585—6, 584: 
e presertim de li progressi del governatore, perche qua e fama, 
che e sia adato in Vlachia cum lo exercito, et che li Turchi siano 
congregati in li luoghi li vicini. 

13) Documente Hurmuzaki, II a , 70. 

14) Diplomat. Ragusanum, 588 — 9. 

15) Ebenda, 592. 

16) Archiva is tor. a Rom&n., I, I, 142. 



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75 



lachei, tfltete den Woiwoden Wladislav und bestieg den 
Thron"). 

Am 3 Juli (1456) schrieb Hunyadi aus Hermannstadt an 
die Sachsen, dass er nach dem von den Ttirken belagerten 
Belgrad Ziehen miisste und dass er sie bate, ihm ihre Trup- 
pen zu Hiilfezu schicken. Was die walach. Grenze anbetrifft, 
fugte Hunyadi im selben Briefe hinzu, so brauchten die 
Sachsen keine Furcht zu hegen, denn er *hatte den Woi- 
woden Wlad beauftragt, ihre Verteidigung zu uberwa- 
chen M ). 

Beheims Vers 21). Der officielle Name, der in der Ke- 
gel von Drakul gefiihrt wird, ist W 1 a d Woiwode, Sohn 
des Wlad-Woiwoden t ). In seinen Erlassen als regie- 



17) Wir glauben, dass hierfur die Commentarien des Papstes Pius 
II. eine authentische quelle sind : Drakul e n t f 1 i e h t aus den Han- 
den Hunyadis, (Fugit gubernatorie manus alter Dragulae Alius no- 
mine Joannes, qui paulo post exercitu comparato, interfecto Ladislas, 
paternae hereditatis magnam partem vendicavit...) um im Lande sei- 
ner Vorfahren sein GlUck zu versuchen ; dazu hat der Woiwode we- 
der die Zustimmung noch die Htilfe Hunyadis gehabt. Die byzantini- 
schen Chronisten sowie der serb. Janitschar sprechen von einer re- 
gelm&ssigen Zahlung des Tributes in den ersten Jahren. In einem 
Briefe nach Hermannstadt lies Drakul 1457 den Sachsen sagen, dass 
er zur Besteigung des Thrones niemandes Httlfe hatte (adiuvante 
deo, regno nostro sine adiutorio alterius obtento. VerOff. Achiv. 
des Vereins fur siebenbtirg. Landesk. N. F;, XXi, 351—2). Einmal 
auf den Thron gestiegen (Mai— Juni 1456. Bogdan, 11, 39), trat Dra- 
kul in Unterhandlungen mit Hunyadi, welcher in Belgrad bedroht 
war. So erklart sich der Brief Hunyadis vom 3 Juli an die Sachsen, 
bezuglich der Verteidigung der Grenzen, als eine Anerkennung Dra- 
kuls als Woiwode der Walachei. iS. weiter unten). Es ist sehr wahr- 
scheinlich, dass die Lage des walach. Woiwoden Drakul eine andere 
gewesen ware, wenn Hunyadi noch linger gelebt hatte. 

18) Ecce enim commisimus Wlad vaivodae, ut pro defensione 
vestra temper in vigilet et intendat. Teleki, A Hunyadiak kora 
Magyarorszagon, X, 527—8, En gel, 173. Bogdan, 11 u. Anm. 1. 

1) So in dem einzigen Diplom Drakuls, das sich auf innere Ver- 
haltnisse bezieht, am 5 Marz 1458 in dem Kloster Tismana geschrie- 
ben (Das Origin, in den Archiven des ruman. Staates, Sammlung Tis- 
mana, netreb pak. 9) Abschrift in der ruman Akademie 250JXI. Ver5flF. 
Bogdan 74—5- 



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76 

render Furst bedient er sich der Titulatur: I© Baa^* 9 ) 
oder Wlad-Vayvoda 8 ). Obgleich dieser Name dasselbe wie 
Wladislav ist, haben wir darauf Wert gelegt, einen Unter- 
schied zu machen, weil gewohnlich die abgekiirzte Form, 
Wlad den Mitgliedern der Familie Drakuls anghehorte, 
wahrend die andere in der feindlichen Familie Dan gebraucht 
wird. Daher haben wir den Woiwoden : Wlad II. Drakul 
genartnt, weil sein Vater der erste Wlad der Walachei ge- 
wesen war. Neben dem Namen Wlad oder als Derivationen 
Vladislaus, Ladislaus, tragt der Woiwode noch den Namen 
D r a k ul. Sein Vater ist hauptsachlich unter den Namen 
Drakul bekannt. D^r Sohn erbt den Namen. Mit der Zeit 
uberwiegt dieser und nimmt spater allein den Platz des ur- 
spriingl. Namens ein, oder wird ihm hinzugefugt 4 ). Der 
Woiwode selbst nennt sich in seinen Briefen aus Sieben- 
biirgen: Vladislaus Dragulya oderDragkuliya undDrakulya 6 ). 



„ 2) In den slav. Briefen, die sich im Archive von Kronstadt unter 
d$n N-rn 145, 159, 162, 172, 190,190, 193 befinden. Abschriften in der 
ruman. Akadamie. 

3) In den lateinischen Briefen ebenda N-rn 13, 17, 19 (I Bd. 
Schneli's Sammlungen), 14 (II Bd. SchnelPs Sammlg), 34 (III Bd. 
Schneli's Sammlg.), 28 (I Bd. Fronius Sammlg.) 

4) In der Dichtung Beheims findet man : Trakel, Trekole oder 
Dracol, Dracole; ebens. in den Hs9., den gedruckten BroschUren und 
bei Hefft (Draco Dracole), Die russ. Redaktion lautet ApaBOVWfc und 
after J^$AK$YAAi Die Historiker gebrauchen entweder Drakula (Bon- 
finius), oder Vlad u. Vladislaus Dracula (Dlugosz u. Math. v. Micho- 
via oder BXa8oo t5v ApaxooXeco rcatSa (Chalkokondylas), ApaxooXtc 
(Critobulos). Der Gegner Dan nennt ihn in zwei slav. Briefen: 
;\p4K$A& (WT ;\p4K&M) ; ein Feind nannte den Drakul I: /^paK^ak 
(ace. yV^paK^AA)- (Die Origin., unter No. 8, n u. 463, im Archive 
von Kronstadt ; Abschrift in der ruman. Akademie). Beim Schreiben 
wird die exacte Form des Namens vergessen : die Commentarien 
nennen den Woiwoden Ioannis Dragula, Dukas Apacpot>Xto<;. In 
den italienischen u. latein. zeitgen5ssischen Berichten (1462 — 1476) 
kommt die Form, der Commentar. und Dukas auch vor : Dragul Dragull, 
Ladislas Dragula, neben einer anderen dem riiman. Sprachgebrauch 
naher stehenden Form: Dracuglia, Drakulye, Draculya, Ladislaus 
Drakulya (Acta Ext era, I, 168, 172, 202, II, 273, 319, 320, 340). 

5) '475—I476. Die Origin, im Archive Hermanstadt Bogdan 6i r 



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rt 



Em anderer Beiname desselben Woiwoden, der aus rumari. 
Quelle stammt, ist T e P e ? ( s P r - Tzepesch, d. h. der Spiesser). 
Er entspricht demjenigen der tiirkisken Quellen : Kusiklii- 
woda (pfahlreicher VVoiwode) oder Kapaluch (Pfahlmacher g ) 
und findet sich spater auch in den officiellen Erlassen T ) 
Es ist anzunehmen, dass das andere Epitheton Drakul in 
iiblem Sinne gebraucht wurde, soviel wie Teufel 8 ), obwohl 
unspriinglich der Name Draco, wie er dem Vater des Woi- 
woden gegeben war, Drachenritter (einer der drei ungar. 
Orden) heissen konnte 9 ). Die Bezeichnung der Woiwoden 
durch ihren Beinamen ist nicht nur auf diesen Fall be- 
schrankt. Ein Zeitgenosse Drakuls z. B. wird iti den gleichzei- 
tigen Urkunden Chypelles, Chyppelews genannt l0 ) wahrend 
seinName als regierender Woiwode Bassarab der Jung e 
war. In den spateren Urkunden wird er eben so wie unser 
Drakul mit dem Beinamen (ruman. Form.) pep el us (spr. 
Tzepelusch, Deminut. von Tepes) genannt Dasselbe ist der 
Fall bei den Namen Laiot und C&lug&rul (der M6nch u. a. 
die als Woiwoden Bassarab (oder Bassarab senior) und Wlad 
(III), hiessen 11 ). 

(Beheims Vers. 50—73). Die Geschichte der Unruhen, 
welche die Regierungen der Nachfolger des Woiwoden Mircea 
(gest. 1418) einleiteten, begann bei dem Sonne Drakuls I 



nmit an, das9 die volkstttmliche Form des Namens in ruman. Spra- 
che Dr^kulea gewesen ist. 

6) Leunclavius, Historia musulmana Turcorum (Frankof. 1 591), 
584. Hammer, I 468. 

7) So in einer Urkunde 1500 Ian. 21 des Woiwoden Radul. (Arch, 
des ruman. Staates, Sammlg. Bischof. Rimnic, Pak. 13, Np. 2), in 
einer anderen 1550 (Ebenda, Sammlg. Govora, P. 3, No. 5) u. 1574, 

8) Wie die russ. ErzSlhlung sagt. 

$) Windeck, DenkwUrdigkeiten zur Gesch. de9 Zeitalters 
Kaiser Sfigmunds, herausg. Altmann, Berlin 1893, 3i6f. Papst Eugen 
IV. hat ihm sicher nicht einen beleidigenderi Beinamen. geben wollen 
in seinem Briefe 1445, welcher mit den Worten anfahgt : ,Nobili 
vivo Draconi Valachie vaivode". 

19) Acta E xte ra, II 473.438. 

11) Vgl. <Bogdan t 60 f., Iorga, Chilia si Cetatea Alba, 101 
Anm, 6, Hasdeii, Negru-Voda, CXV. 



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ft 



unter noch viel blutigerer Form. Zweifellos Hess die Ermor- 
dung des Woiwoden Wladislav in den Reihen der dem Dan 
unterthanigen Familien einen starken Opositionsgeist ent- 
stehen 1 ). Wahrend die Feinde Drakuls I. hauptsachlich die 
Unterstiitzung der Tiirken und die des moldauischen Fiirs- 
tentums siuchten, fanden die Bojaren und die Mitpratenden- 
ten zur Herrschaft Drakuls II. von Anfang an Unterkunft 
und Ermutigung in Siebenbiirgen und bei den Fiihrern Un- 
garns. Die deutschen Erzahlungen, ebenso wie Beheim, a ) 
berichten als erste feindliche That Drakuls II. gegen 
seine Nachbarn einen Einfall in Siebenbiirgen, nahe bei 
Hermannstadt a ) und im Wurzenland 4 ). Ein soldier Ein- 
fall und bald nach der Einsetzung des Woiwoden wird 
durch einen Befehl Ladislaus Hunyadi bestatigt. Derselbe 
Befehl aber erklart auch den Grand dies^r feindlichen 
Haltung Drakuls: am 16. Dez. (1456) schrieb Hunyadi den 
Sachsen von Kronstadt und Burzenland, dem Woiwoden 
D an. zu helfen, den Thron der Walachei zu besteigen und 
Wlad Drakul zu entsetzen. Als Ursache dieser Ungnade giebt 
Hunyadi an: dass Wlad, als er noch ohne Thron war, dem 



i) Vgl. weiter oben Anm. 2 Seite 7. Wahrscheinlich in den An- 
fang der Regierung fallt die Erzahlung tiber den Mord einer grossen 
walach. Familie. Die Stelle des Gedichtes (Vers. 91 if.), wie aller 
deutschen Erzahlungen und der Comment arien beziehen sich 
auf eine That Drakuls, die sich im Lande zugetragen habe. Chalko- 
kondylas 498—9 berichtet ebenfails, dass Drakul seine Regierung mit 
der Ermordung der Edlen, die er in Verdacht hatte, begann. 

2) Ganz kurz aber die deutschen Broschtiren, die nur den Ort 
Beckendorf und Burzenland erw&hnen. 

3) In cFlasterholt und Newdorff*, die Hs. von St.-Galben sagt : 
«Kloster Holtzntiwdorf*, die von Lambach trenut eben wie Beheim 
Klossterholcz u. Newndorf, — sind heute die DOrfer Neudorf u. Kas- 
tenholz bei Hermannstadt. Dann in «Halczmaina» (Hoiczmenia, Holtz- 
hetya in den Hss.), 1st das Dorf Holzmengen bei Hermannstadt. 
Bielz, Siebenbiirgen (Wien 1885) 197. 

4) Wurzenland, Burzenland ( Terra Burcia oder Burcza, ruman. 
Jara B&rsa), der sudOstl. Teil des Sachsenlandes, mit Kronstadt 
als, Hauptstadt. Die Ortschaft «Peckendorf» kann nicht identificiert 
werden. Bogdaniq, Anm 2, meint das Dorf Brendorf, ungar. Botfalu). 



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73 

Konige versprochen hatte, allezeit Frennd zu sein, aber trote- 
dem nachher den Gegenden der Sachsen viel Schaden zu- 
gefiigt habe. Man musste furchten, dass er darin noch fort- 
fahren werde. 5 ) — Es ist wahr, dass Drakul ausser dem Ver- 
sprechen, das er dem Iohannes Hunyadi gegeben haben 
mag, der Freund Ungarns zu sein, als herrschender 
Woiwode am 7 Sept. 1456 dem Konige Ladislaus den 
Treueid geleistet hat. Drakul versicherte, dass er das Bei- 
spiel seiner Vorganger befolgen wolle, die immer der ungar. 
Krone ergeben waren, und dass er sich aus Furcht vor 
den Tiirken unter Koniglichen Schutz stelle. 6 ) Man kann 
aber nicht wissen, ob Drakul nicht auch dem Sultan solcher 
Weise sich unterworfen hatte. Derm die Walachei musste den 
Tiirken Tribut zahlen, und es ist sicher, dass der Woiwode 
dieser Verpflichtung wahrend der ersten jahre seiner Regie- 
rung nachgekommen war. Im September befand sich schon 
ein tiirkischer Gesandte im Lande Drakuls. 7 ) 



5) Non ignoratis quanta incomoda damnaque et molestiae regno 
et parti transsilvano per infidelem Drakulam Vaivodam illata sunt, 
et quatenu9 Wlad Vaivada...cum extra regnum suum esset, mediante 
fide sua nobis et domino nostro regi multa promiserit, tamen post- 
quam regnum suum adeptus est, sicuti a certo intelleximus, in par- 
tibus illis plura incomoda et dampna intullit et in posterum inferre 
timetur... Feria sexta proxima ante fest. beati Thomae apost. 1456. 
Das Orig. im Archive zu Kronstadt (No. 14, II, Bd, SchnelPs Samm- 
lung.), Abschrift in der rum. Akad. Bog dan, 9—10. 

6) Bogdan, 31—2 10— 11. Nos Vlad partium transalpinarum 
Voivoda et dominus terrarum de Fogoras et Omlas.... Significantes 
omnibus.... quia considerantes nonnullorum de generatione Merche 
vaivodarum patris e t fratrum no9trorum servitia quae ipsi semper ac 
ubique regibus Hungariae et sacrosanctae eorum coronae fideliter ex- 
hibuerunt ac se in deffensiorie ortodoxae fidei catholicae gratas et ac* 
ceptas reddiderunt ; Nos eorum vestigia et actus imitari volentes in 
adeptione prima huius Valachiae dominationis pro maiori experientia 
serenissimo principi domino Ladislao Hungariae etc regi... nostram 
fidelitatem ostendere et facere volentes caput quoque nostrum et nos- 
trorum omnium in sinum et protectionem suae serenitatis inclinantes 
prae timore Turcorum.... 

7) Bald nach dem Treueid schrieb Drakul, am 13 Sept. 1456, nach 
Kronstadt, da9s ein tiirkischer Gesandte zu ihm gekommen ist : magna 



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80 

Der Befehl Ladislau's Hunyadi, sowie auch der Versueh 
Dans, blieben ohne Resultat; Drakul erhielt sich noch weiter 
auf dem Thron. — Es ist hier nicht der Platz um zu rechten, 
db der Gegner Dan ein Vorrecht auf diesen walachischen 
Thron hatte. Wir stellen nur fest, dass er in Siebenbiirgen, 
wo er lebte, unterstiitzt wurde — ebenso wie, 20 Jahre spater, 
Drakul selbst, und dass der jetzige Herrscher der Walachei 
thatsachlich, um sich den Thron zu sichern, jedes Mittel 
zran Zweck fiir rechtmassig hielt. Indem Drakul in die sachs. 
Gebiete einfiel, wollte er die direkten Besch utzer seiner Ge- 
gner bestrafen. Am 13 Mrz des folgenden Jahres (1457) 
verbot er den Hermannstadtern «einem Priester, der 
sich fiir den Sohn eines Woiwoden ausgab* noch 
fernerhin Schutz zu gewahren 8 ). Fiir den walach. Thron wa- 



gravamina quasi importabilia super postes et humeros nostras po- 
nere et nos gravare volunt Turci; non pro nobis aut nos- 
tris ita magna gravamina, sed pro vobls et vestris id ipsi 
Turci fa cere et cogere volunt; quid de factis nostris le- 
niter reffere possumus facere pacem et bonam tranquillitatem, sed 
propter vos et vestros pacem cum ipsis Turcis facere non possumus 
quia pet u n t virum exire et pr aedare erga vos per 
renumvestrum, praeterea et ihsuper nos cogunt in multis factis 
contra fidem catolicam...agere, voluntas autem nostra... malam contra 
vos facere in malis...Sicut diximus et juravimus. vobis fidelis facere 
et amicus esse volentes. Ferner sagt Drakul, dass er den tttrk, Ge- 
sandten bei sich zurttckgehalten hat, quousque vobis scire damus, 
considerandum est vobis, qua n d o homo veldominus est 
pot.ens et fortis, tunc pacem potest facere sicut 
vult, cum autem impotens eadem facere super cum 
veniet, faciet secum sicut vult (?) und fttgt hinzu: pro 
vestra et nostra utilitate sine mora nobis subsidia dirigatis CC aut 
" C vel L homines electos usque dieni dominicam proxime venturam 
(d. 19 Sept.), dum videunt ipsi Turci patrocinium de 
Hungaris.... etc. Datum in Tergovistia feria sexta proxima post 
festum nativitatis Mariae 1456, Vlad partium transalpinarum Vay- 
voda et dominus terrae de Fogaras. Das Origin, im Archive Kron- 
stadt (Schneirs Sammlg. I B<i. Nr. 13). 

8) Sed nunc audivimus et plene intelleximus per homines ipsius 
Sacerdotis Valahorum, quise nominatfilium vaivo- 
da e, vobiscum in secretis consiliis et factis praesenies fuerunt et 



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81 

ren also mehrere Candidaten bereit gegen Drakul Rfinke zu 
schmiden. Ausserdem ersehen wir aus der Intervention des 
Woiwoden. dass seine Nachbarn benachrichtigt waren, in 
ihrer Mitte keine Feinde mehr zu duldeu. Es ist zweifellos, 
das die Sachsen h6heren Befehlen folgten, wenn sie die 
personlichen Feinde Drakuls zuriickhielten. Das ungar. K6- 
nigreich war damals aber nicht im Stande ihnen die nOtige 
Hilfe zu geben, um sich mit Macht dem walach. Woi- 
woden zu widersetzen. Aus den deutschen Erzahlungen geht 
hervor, dass Drakul in die Sudl. Gebiete Siebenburgens ein- 
drang ohne auf seinen Weg. irgend einen Widerstand zu 
finden und das dauerte mehrere Iahre hintereinander ! 

(B e h e i m s Vers. 74—90). In das Iahr. 1458 ist mit 
grosser Wahrscheinlichkeit eine neue Grausamkeit Drakuls 
gegen die Sachsen zu setzen. Der Mord der Kinder, die von 
Siebenburgen nach der Walachei gekommen waren, «um 
die walachische Spraehe zu erlernen», wird in alien deutschen 
Erzahlungen erwahut ; auch die Commentarien fuhren 



Petro Gereb de Weresmarth ac Petermanno filio condam Petermani 
cohabitatoribus vestris, tributa de Bukeu (d. i. Buzeu ?) e t 
Brailla perpetue possideri et fructus percipere co- 
ram vobis dedisset et p e r m i s i s s et. Recordamini de his, 
dum vagus fui, et in medio vestrorum ambulavimus, non promisistis 
vestris in consiliis, disposueratis per egregios dominos Ioh. Gereb. 
et Nic. de Wizaccona non captivare in Gyod et prodere ob am o- 
remspectabilis domini Wladislai harum partium vaivo- 
dae facere voluistis; adiuvante deo, regno nostro sine adiutorio al- 
terius obtento, vobiscum parare bonum et inviolabile frenus, ita ut 
inimicis essetis inimici. Nach dem Briefe scheint es, dass Drakul, wel- 
cher in Mitte der Hermanstadter gclebt hatte, damals beinahe in 
die H&nde seines Vorg&ngers, des Woiwoden Wladislav, geraten 
ware. Was den Thronkandidat en anbetrifft, ftigt Drakul im selben 
Briefe hinzu : Nunc plene inteleximus quomodo ipse sacerdotem Vo. 
lachorum... i n nos tram vera m hereditatem cum perti- 
nent i i s intromisissentis, et alia quae contra nos fieri possit, secum 
dietenus consiliaretis, ad Omlas introisset et se ibidem 
vestris de voluntatibus perman^eret et conservaret. 
Datum in Tergoviscia feria secunda proxima post festum beati Gre- 
gorii papae 1457. Veroff. im Archiv. des Vereins fur sieb. Landesk. 
N. F. XXI, 351-2. 

6 



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82 

ihn an. Alle geben die Zahl der Opfer auf400 an. Die That 
Drakuls wird aber auch durch aridefe Berichte bevviesen. Sein 
Gegner Dan schrieb am 3 April 1459 (von Feldiora) und 
zeigte die Grausamkeiten des Woiwoden an *). Der Brief 
bestatigt, dass der «untreue Drakul* sich mit den Tiirkenl 
verbiihdet und dass er Kaufleute aiis Kronstadt und Bur- 
2enland lebendig verbrannt und gespiesst habe ; ebenso Ge- 
sandte und auch Knaben, die geschickt waren, die Sprache 
zu lernen, 300 an der Zahl oder mehr. Es scheint, dass zwei 
Tage spater, am 5 April sich derselbe Dan in Kronstadt 
befindet, und von neuem, nur ausfuhrlicher, dieselben Tha - 
ten Drakuls anzeigt a ). Was die Ermordung der Kaufleute 
anbetrifft, konnte einfach die Erklarung in einer Fortsetzung 
der Feindseligkeiten gefunden werden. Die Grenzen der Wa- 
lachei waren nicht immer offen. Die Ankunft der Kaufleute 
war vielleicht gerade vorher verboten worden 8 ) Fur die 



i) Nos Dan Voivoda et dominus partium Transalpinarum..: signi- 
ficamus... universis, quod cum nos de mandato et ordinatione sere- 
nissimi principis et damini Mathiae regis Hungariae,.. ad terrain 
Barcensem pervenissemus providi vivi index et iurati tarn civitatis.*. 
dolentibus animis et flebilibus vocibus... declaraverunt, quomodo in- 
fidelis Dracul vaivoda partium Transalpinarum... a fidelitate serenis- 
simi principis praefati... declinasset subdivissetque se sevissimo do- 
mino Turcorum... singulos mercatores de dicte Brascho et terra Bur- 
cza et nuntios de eadem qui tempore pacis praefatam terram Tran- 
salp... intrassent cepisset... eosdem... crudeli et miserabili... interfe- 
cessit in palos trahendo... et invenes qui pro ijdeomate adipiscendo 
in praefata terra Transalp., constituti fuissent numero trecentos vel 
plures igne combussissent... Datum... feria secunda proxima post do- 
minicam Quasimodo geniti anno d. 1459. Das Original im Ai ch. Kron- 
stadt, Schnells Sammlg. I. Bd. Nr. 16. Eine Abschrift derselben Ur- 
kunde. (Datum Brassovia feria secunda proxima post octavas festi 
paschae anno d. 1459) ebenda, Sehnell's Sammlg., I. Bd. No. 15. 

2) Das slav Document giebt daslahr nicht an. Das Origin, ebenda, 
slav. Sammlg. Nr. 1 1 ; Abschrift in der ruman. Akademie. Die Kauf- 
leute waren 41 und die Kinder (TpHCTA f^t\\i WT BpaiiJORa H WT 
3*<WM BpkCk, l|J0 C8 BHA 8 Tp^riVBHljJC H no CBC Tp^rOBC HO 
BAAUJ&KOH 31/UAl). 3°° an de r Zahl. 

3) Es giebt gentigende Belspiele daftir. Man musste sich die 
Freiheit vorher, durch einen Erlaubnisschein des Woiwoden sichern. 



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83 

Ermordung der Knaben, die in den walachischen Stadten 
verstreut waren, giebt ausnahmsweise Beheim selbst eine 
Erklarung, die als moglich erscheint. Drakul sollte gesagt 
haben, indem er sie verbrennen liess: «Ich will nicht haben 
dass sie hier Anhang gewinnen und mein Land kennen ler- 
nen». Die Knaben konnten sehr wohl Spione gewesen und 
nicht nur gekommen sein, die Sprache zu erlernen 4 ). Zu 
dieser Annahme fuhrt auch die Thatsache, dass «die wala- 
chische Sprache > in den von den Sachsen bewohnten Ge- 
bieten von einer zahrleichen ruman. Beorlkerung gespro- 
chen wurde, so dass die Knaben sie sehr wohl in ihrer Hei- 
mat erlernen konnten. 

(Beheims Vers. 110—120, 121 ff.) Einige Zeit darauf 
fallt Drakuls Gegner, der «junge Dan» selbst, im Kampfe 
mit ihm. Die Gefangennahme und der Tod des Fiirsten Dan 
sind in das Jahr 1460 zu setzen. Sie werden in den deu- 
tschen Erzahlungen und in den Commentarien gleich 
dargestellt. Dieser «junge Dan» ist der Sohn des Woiwoden 
Dan, *) und hielt sich im Jahre 1456 in Siebenbiirgen auf. 

So erlaubt Wladislav-Woiw. der Stadt Kronstadt „nach den alten 

Gesetzen" in der Walackei Handel treiben zu durfen (dass sla v. Origin. 

im Arch. Kronstadt No. 25) ; dasselbe erlaubt Drakul I. (ebenda No. 

167). Der leztere schreibt noch, in einem anderen Briefe, dass die 

nach Kronstadt gekommen en Nachichten unbengrtindet waren: der 

Handel in* walach. Lande sei frei bis zur Donau (ebenda No. 130) 

Vgl. die lat. Urkunde Drakuls I. von 5 Aug. 1444 (ebenda, Fronius 

Sammlg. No. 14). Am 8 Nov. (1476) kundigte Drakul II. seine 2. 

Thronbesteignug an und giebt der Stadt Erlaubniss, Getreide und 

Waaren in sein Land einzufuhren (ebenda, slav. sammlg. No. 145, 

Vgl. auch. Nn 172) etc. Abschriften in der ruman. Akademie. Aus 

demselben Grunde vielleicht erfolgte auch eine andere Feindsleig- 

keit Drakuls gegen die Kaufleute, von welcher Beheim (Vers. 237 ff.) 

und auch die Commentarien weiter berichten. Der Dichter er- 

zahlt von 600 Kaufleuten, welche aus dem Burzenlande mit ihren 

Waaren in die Walachei gekommen waren, um sie nach Brai'la an 

der Donau zu schaffen. Die Zahl der Opfer ist sicher ubertrieben 

das Enreigniss ist ins Jahr. 1460 zu setzen. 

4) I org a, Lucruri noue despre Vlad f e P e ?> Convorb. literare, 

XXXV, 151 u. Amm. 4. 

i) Der Woiwode Dan war der Vorganger Drakuls I. 



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84 



Er intervenierte bei Ladislaus Hunyadi, und es gelang ihiri, 
officiel als Thronfolger Drakuls bezeichnet zu werden, nach- 
dem dieser mit Feuer und Schwert im Siiden Siebenbiirgens 
eingefallen war. — Dan lebte gewShnlich in dem Gebiete von 
Kronstadt, im Burzenlande. Von hier aus bat er die Sachsen 
unauihdrlich urn Hilfe gegen Drakul. Er warf sich zum 
Richter und zum Verteidiger der von Drakul Unterdriickten 
auf. Jedoch Dan hatte das Ungluck, dass Ungarn mit sich 
selbst zu thun hatte: es wurde damals von den erbittertsten 
Parteikampfen zerrissen. Das Jahr 1457 brachte, mit dem 
Todesurteile Ladislaus' Hunyadi, den ungar. Thron in Ge- 
fahr. 8 ) Gerade in diesen Zeiten denkt der Throncandidat 
Dan an seine eigne Plane. Er wiinscht um jeden Preis Herr- 
scher der Walachei zu werden. «Der Konig hat mich ge- 
schickt», sagt er in einem nach Kronstadt gesandten Briefe, 
«dass ich von dem walach. Lande Besitz ergreife; die Ge- 
biete von Siebenbtirgen, Burzenlande und von Szeklern 
mussen mir ihre Hilfe leihen». Und ferner: «Ihr wisst sehr 
wohl, dass mein Vater, Dan Woiwode, gut gegen euch ge- 
wesen ist. Wenn Gott mir hilft, werde ich noch besser gegen 
euch sein. Helft mir womit ihr nur konnt, denn mir fehlt 
alles. Und wenn ihr etwas von Drakul erfahrt, teilet es mir 
mit>. 3 ) 

KSnig Mathias Corvinus aber billigte 1458 die Handlungs- 
weise Drakuls. Am 28 Febr. schrieb der Konig, am 6. Marz 
sein Onkel, Michael Szilagyi nach Hermannstadt, dass sie 
gesonnen seien, mit dem walach. Woiwoden Frieden zu 
halten^ 4 ) Im Laufe desselben Jahres mussen auch die Ver- 



2) F r a k n o i, 30 If. 

3) Das slav. Orig. unter Nr. 8 im Arch. Kronstadt ; Abschrift in 
der ruman. Akademie. In einem anderen Briefe, der jedoch auch aus 
dieser Zeit datiert zu sein scheint, bittet «Dan-Woiwode Sohn des 
Dan-Woiwoden» den Rat sich der Dienste zu erinnern, die sein Vater 
der Christenheit erniesen habe, und ihm zu helfen «in dipsen schlechten 
Zeiten*. Er will von neuem einige Gesandten an den KOnig schicken 
und weiss nicht wovon er die Kosten bezahlen soil. Das slav. Orig. 
ebenda Nr. 12, Abschrift in der rum. Akademie. 

4) Intelleximu8, quomodo vos pluribus iam incitationibus causam 



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85 



mittelungen wegen Offnung der walach. Grenze stattgefunden 
haben. Es giebt einen Brief Drakuls an die Kronstadter, in 
welchem er ihnen freien Eintritt mit Waaren, um im Lande 
Handel zn treiben, gestattet. Der Brief endet aber mit dem 
Vorbehalt, dass er diese Anordnung nur so lange aufrecht 
halten will als zwischen den Kronstadtern und Michael Szi- 
lagyi Friede herrschen wird. — B ) Szilagyi, welcher seit kur- 
zem in den Besitz des Erbgrafentums des Bistritzer Gaues 
gelangt war, iibte in diesem Jahre (1458) grosse Grausam- 
keiten gegen die dortigen aufstandischen Sachsen aus. Die 
Unzufriedenheit Szilagyis erstreckte sich auch tiber die an- 
deren von Sachsen bewohnten Gegenden. — 6 ) Drakul konnte 
so nach Belieben sich in Siebenbiirgen betatigen. Aus dem 
obenerwahnten Briefe, der am 1. Dez. an der Grenze (in 
Rukar) gegeben wurde, ersieht man, dass der walach. Woi- 
wode mit Szilagyi verstandigt war. 

Doch einige Monate spater 1459 scheint Mathias ge- 
neigt, die Sache Dans auf sich zu nehmen. Am. 3. u. 5. 
April schreibt Dan nach und in Kronstadt, dass er vom Konig 
gegen Drakul geschutzt werde. 7 ) Das Versprechen des Ko- 
nigs bleibt aber noch einige Zeit nur auf dem Papiere. 

Es verfliesst noch ungefahr ein Jahr, ohne dass Dan sich 
liber sein Missgeschick trosten und seine Plane in Wirklich- 
keit hatte umsetzen konnen. — In dieser Zeit, ist anzunehmen, 



movendi iniuriam contra vos illustri principi Wlad vaivodae partium 
Transalp. dedissetis, unde vobis plurima mala et dampna evenissent, 
de quibus vobis non mediocriter imputamus... mandamus quatenus si 
quae injuriae et nocumcnti hominibus aut subditis suis intulistis, re- 
formare et eum reconciliare, ac deinceps cum eodem vaivoda et ad 
eum pertinentibus pace et bona tranquillitate uti et frui debeatis... 
Datum Budae...Die Briefe, welche gleich lauten, im Arch. Hermann- 
stadt. Der Brief Szilagyis verOff. Teleki, A Hunyadiak kora Ma- 
gyar. X, 582-3. 

5) Das slav. Orig. unter Nr. 193 im Archive Kronstadt ; verftff. 
von M i 1 e t i c, Sbornik XIII, 67. 

6) T e u t s c h, Geschichte der Siebenbtirger Sachsen fur das, 
s^chs. Volk (2-te Aufl.), I. 187 f. Frakoni, 35 f. Anm. I, 2. 

7) Siebe weiter oben S. 17. 



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86 

dass Drakul einen neuen Einfall ins Burzenland ausfuhrte. 8 ) 
Das Gedicht spricht von den vielen Gesandten, die aus Un- 
garn und Siebenburgen in der Walachei erschienen waren 
und von dem Einfalle Drakuls. Es ist sehr wahrscheinlich, 
dass vorher Drakul Klagen nach Kronstadt geschickt hatte. 
Die Gesandten kamen, urn dariiber zu verhandeln. Man kam 
jedoch zu keinem Resultat; Drakul hielt diese Leute zuriick, 
um die sachs. Bevolkerung zu uberraschem Er drang eines 
Morgens im Burzenlande ein, verbrannte Dorfer, zerstorte die 
Festungen, verwustete die Getreidef elder, totete Manner, 
Frauen, Kinder, und verbreitete uberall Schrecken — 9 ) Das 
Ereigniss muss sicherlich nach dem April 1459 stattgefunden 
haben. Damals berichten namlich die Klagen und die An- 
zeigen Dans von anderen Unthaten, die sich in der Wala- 
chei zugetragen haben. In dem Briefe aber vom 1. Marz 
1460 scheint Dan diesen Einfall zu erwahnen, wenn er sagt, 
dass er «an die ungeheueren Beleidigungen denken miisse, 
an die nicht wieder gut zu machenden Schaden, die trau- 
rigen Ermordungen, Verstummelungen und Foltern, mit wel- 
chen der Tyrann Drakul die weisen und ehrbaren Bewohner 
von Kronstadt und dem Burzenlande in der Person ihrer 
ganzen Gemeinde, ihrer Briider, Freunde, Verwandte etc. 
getroffen habe». Ferner schreibt Dan. dass er in Kronstadt 



8) Beheim spricht da von in Vers 121—236. 

9) Drakul verwustete zuer9t eine Vorstadt von Kronstadt, bei der 
Kapelle St.-Jakos, liess de Gefangenen spiessen, und setzte sich in. 
mitten der Gerichteten zum Essen nieder. Hierauf dringt er in die 
Stad tselbrt ein und plttndert die sachs. Kirche St.-Bartholomei. Einer 
seiner Hauptleste (die Commentar nennen ihn Caeilinum, ruman. 
Calin), den er zur ZertOrung eines Dorfes bei Kronstadt, «Seiding», 
(existiert noch heute mit dem Namen Zeiden, ungar. Feketehalom, 
rum. Kotlea. Bielz, 210) abgeschickt hatte, wird zum Tode verus- 
teilt, weil es ihm nicht gegluckt war, diesen gut verteidigten Ort 
zu nehmen. Diese ErzShlung kann wahr sein. Die Namen zeigen im- 
merhin Bekanntschaft mit der Ortlichkeit und die Beschreibung, wenn 
sie auch ttbertrieben sein mag, enthalt gewiss Dinge, die im ganzen 
wolil mOglich sind. Vgl. Gebhardi, Gesch-von Ungarn (Allge- 
meine Weltgeschichte 50. Bd. 2 te Abteilg.) Leipzig 1780, 321—2, 
Anm. 1. Bogdan, 14 f. 



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87 



Waaren gefunden habe, die die treulosen Walachen, vor dem 
Beginne der Feindseligkeiten Drakuls, dort zuriickgelassen 
hatten, und dass er sie fur sich und seine Bojaren conns- 
ciert habe, am sich bis zur Eroberung des Landes davon zu 
arnahren. M) Im folgenden Monate wird Dan in der Wala^ 
chei hingerichtet. Ein Brief vom 22. April, der von Pest ab» 
geschickt ist erzahlt, dass in diesen Tagen Drakul mit dem 
Woiwoden Dan gekampft habe, und nur 7 Mann des letz* 
teren sich gerettet hatten, Dan selbst wurde gefangen ge* 
nommen und enthauptet, die Leichmame der Krieger ge- 
spiesst, ebenso die Frauen mit ihren Kindern. 1l ) 

(Beheims Vers. 444—480, 918— 950). Die Erzahlung Be. 
heims von den 500 Bojaren, die von Drakul berufen vvur- 
den, um iiber die Zahl der walach. Woiwoden befragt zu 
werden, fehlt in der russ. Redaction und in den Comment 
tarien. Es scheint, dass sie unter einer anderen Form die^ 
selbe ist wie die iiber die Ermordoug einer grossen dem 
Drakul feindlichen Familie, iiber welche auch Chalkokondy- 
las berichtet. Trotzdem berichten sie die anderen deutsch, 
Erzahlungen besonders, auf dieselbe Weise vie der Meister- 
sanger : die Bojaren konnten nicht so antworten wie es 
Drakul wollte; die einen sagten 30, die anderen 20, nicht 
einer «war so jung», dass er die Zahl der Vorganger Dra- 
kuls auf 7 angebe. Beheim lasst Drakul von neuem die Bo- 
jaren fragen warum sie so viel Herren gehabt hatten. Dra- 
kul beschuldigt endlich die Bojaren der Absicht, ihre Woi- 
woden moglichst rasch zu wechseln, einen durch einen ari- 
deren zu ersetzen u, s, w. — Eine solehe Erzahlung tragt mehr 
den Charakter einer Anekdote, sie ware wohl in der russ* 
Fassug am Platz gewesen, welche zwar viele wahre, aber in 
zweifelhafte Umstande eingehiillte Thatsachen enthalt. 

Kurz, vorausgesetzt, dass diese Geschichte von den er- 



io) Das latein. Orig. im Arch. Kronstadt ; Abschrift in der ru- 
man. Akademie; verttff von Jorga, Convorb. lit., 149 f. 158—9. 

1 1) An die Bewohner von Bartfa von Blasius geschrieben. Verttff. 
von Katona, Historia critica regum Hungariae. Stirpis mixtis VII 
(XIV) 337—8 u. Jor^a, Conv. liter., 152, 150. 



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88 

mordeten Bojaren auch wahr sein k6nne, so wollte Drakul 
durch diese Massregel nur die wirklich Schuldigcn an der 
Unsicherheit des walach. Thrones bestrafen. Die Bojaren 
spielten thatshachlich bei den Wahlen und Wechseln der 
Herrscher immer eine wichtige Rolle ; sie vertraten den Wil- 
len des Landes, nicht selten aber missbrauchten sie ihr Vor- 
recht '). Auf die Regierungszeit Drakuls bezieht sich ein spa- 
terer Brief, der tiber die Rolle einer Partei der Bojaren auf- 
klart. In einer nach Kronstadt von Bassarab dem Jungen 
gesandten Zuschrift, liest man folgenden Satz : «Ihr miisst 
wissen, dass diese Leute (d. h. die Feinde des Bassaraba* 
die in der sachs. Stadt beschiitzt waren) euere grosse Feinde 
sind, sie sind Feinde der ganzen Christenheit ; sie haben 
zuerst den Woiwoden Wlad (d h. Drakul) gegen Wladislav 
gebracht, haben den Letzteren enthauptet, dann sind sie von 
Wlad geflohen, zu den Tiirken gegangen, haben den Sultan 
in die Walachei gefiihrt und haben das Land vernichtet *), 
wie ihr schon wisst 3 )». 

Ubrigens ist die Walachei wahrend des ganzen 15 Jahr- 
hunderts durch Aufstande der Adligen beunruhigt Unter 
der Regierung Drakuls I. sehen wir, ebenso wie unter der 
des Bassaraba, Nachrichten und Befehle tiber die Feinde des 
Landes, die dorthin oder zu den Tiirken geflohen waren, zu 
demselben Zweck nach Kronstadt kommen. Drakul II. hat 
mit diesen noch mehr zu. kampfen gehabt, er der glaubte 
durch Schrecken sicherer und leichter sich Geltung ver- 
schaffen zu konnen. Es istf sehr wahrscheinlich, dass die Bo- 
jaren viel zu dem Siege der Tiirken von 1462 in der Wa- 



i) Eine Monographic tiber die Bojaren und ihre Parteien fehlt noch 
der rumanischen Geschichtsforschung. 

2) Der Krieg. von 1462 

3) Das slav. Orig. im Arch Kronstadt Nr. 102; Miletic Nr. 87 
S. 84 f.; Abschrift in der rum. Akad. Naturlich war es den Bojaren 
genehmer durch das Ausland sich |zu betatigen ; hierdurch trttbten 
sie aber noch mehr die Ruhe des Landes. In der Korrespondenz mit 
Kronstadt giebt es selten Briefe, die keine namen von Feinden oder 
Erwahnung von Intriguen enthalten. 



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89 

lachei, durch ihren Mangel an Ergebenheit fiir Drakul, beige- 
tragen haben; ausserdem ist es auch nach der russ. Erzah- 
lung moglich, dass die Gefangennahme des Woiwoden im 
Einverstandnisse mit den walach. Bojaren geschehen ist 4 ). 
Eine interessante Beschreibung, die uns Beheim weiter 
unten von dem Hofe und den Sitten unter Drakul giebt, 
muss auch mit der Erzahlung iiber die Bojaren in Verbindung 
gebracht werden. Der Dichter glaubt, dass die grausame 
Regierung Drakuls «gegen Gott, Ehre und Recht», wegen 
der inneren Zerwurfnisse solange gedauert hat. Denn Drakul 
habe sich nur von Fremden umgeben din von iiberall her- 
gekommen waren; wilde Sitten und mangel an Vertrauen 
herschten im Lande, die Unterthanen des Woiwoden waren 
untreu und unehrlich. Chalkokondylas berichtet auch darii- 
ber mit einigen Worten 5 ). Aber in Unterscheidung von Be- 
heim, findet er keine Erklarung, weder fiir das von Drakul 
eingefuhrte despotische System, noch fiir die lange Dauer 
dieses Ubels in der Walachei. Die vom Woiwoden ge- 
brauchten Mittel konnten einen griechischen Schriftsteller 
der tiirkischen Geschicte weder in Erstaunen setzen noch 
entriisten. Der neue Woiwode, sagt der Byzantiner, hatte 
sich eine Leibgarde gewahlt, die aus lauter ergebenen Man- 
nern bestand, hatte die ihm verdachtigen Adligen und eine 
grosse Anzahl der Unterthanen toten lassen, und mit den 
von diesen gestohlenen Giitern seine Sateliten und Lieb- 
lingssoldaten bereichert ; in kurzer Zeit hate Drakul grosse 
Anderungen in seinem Lande getroffen. — Die Behauptungen 
Beheims u. Chalkokondylas 1 miissen vorlaufig angenommen 
werden. Aber keine officielle Nachricht kann beweisen in- 
wieweit solche Berichte glaubwlirdig sind 6 ). 



4) Vgl. Ghibanescu, Archiva 1897, s - 5°3 ff - 

5) S. 488-9. 

6) Bogdan, 40 glaubt die Ausfiihrugen Chalkokondylas* zu il- 
lustrieren, indem er zwei 8lav. Briefe aus dem Kronstadter Archive 
citiert, in welchem von einem dem Drakul ergebenen Freund die Rede 
ist, dem Ungarn Vitez J£nos. Aber die beiden Briefe des Woiwoden 
Wlad mtissen wie wir schon weiter aben gesagt haben, auf Drakul I. 



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90 

(Beheims Vers. 494 — 520). Nach dem Tode Dans und 
der Ermordung der sachs. Kaufleute, im Iuni 1460, musste 
Drakul von neuem den Kronstadtern seine Missbilligung aus- 
sprechen iiber die Gastfreundschaft, die von der Stadt den 
walach. Fliichtlingen gewahrt wurde 1 ). Ebenso sollte Her- 
mannstadt ahnliche Verwarnungen erhalten. Am 24 Aug. d. 
J. iiberschreitet Drakul die Gebirge und verwustet im Am- 
1 a s c h (Almasch) das Land und tfttet massenweise die wa- 
lach. Einwohner*. Schon im Marz 1457 hatte Drakul 
Reklamationen an den Rat von Hermannstadt geschickt, 
weil man in A m 1 a s c h einem walach. Priester Schutz gab. 
Es ist nun moglich, dass die Verwiistung im J. 1460 durch 
denselben Wunsch Drakuls hervorgerufen sei, sich auch von 
diesen Pratendenten und von seinen Anhangern, wie einst 
von Dan, zu befreien. Die That Drakuls wird auch in den 
Hss. erzahlt, aber nicht in den Broschuren. Die Commen- 
tarien sprechen ebenfalls davon; sie geben dieselbe iiber- 



xuruckgefuhrt werden. In dem einzigen Diplom Drakuls II., das sich 
auf innere Verhaltnisse bezieht, vom 5 Marz 1458, sind auch die 
Namen einiger seiner Bojaren erwahnt. Diese Namen sind rumanis^he 
ebenso wie die Namen : Stoica Armasul oder Rotundul und Voicu 
Dobritza, aus 4Briefen desselben Woiwoden nach Kronstadt. Die slav. 
Orig. Nr. 190, 102, 145 und das latein. ebenda (Schnells Sammlg. I, 
19) ; Abschriften in der ruman. Akademie. 

1) Das schon weiter ben citierte Orig., Schnells Sammlg. I, 
19, von cVlaaad Woywoda > partiun transalpinarum domin., ex 
castro fluvii Dombaniche feria quarta quatuor temporum penthecostes 
domin. 1460. 

2) Zu dem Einfall im Almasch kann man jenen in demn Ge- 
genden von Fogarasch zufugen, von dem nur Beheim (Vers. 571 ff,) 
und die Hss. sprechen. Ein Erlass des KOnigs Mathias vom 6. Dez. 
1462 bestatigt den Schaden, den Drakul den Einwohnern im Foga- 
rach gebracht hat. Das origin, im. Arch. Kronst, (feria 6 proxima 
post festum beati Andreae apost.), Abschrift in der ruman Akademie. 
Den Einfell Drakuls in Kolmacz (in anderen Erzahl. Talmecz d. i. 
Talmetch bei Hermannstadt), welchen die Commentarien nicht 
erwahnen, kann man auch als Anfang oder Eortsetzung einer auderen 
Unternehmung betrachten. Der Erzahler hat ihn nur getrennt auf- 
geschrieben. 



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91 



triebene Zahl der Opfer wie Beh. unci die Hss., sie nennen 
jedoch nicht den Ort Amlasch ! ). 

(Beheims Vers. 521 — 570) Damit schliessen die deut- 
schen Erzahl. den Bericht, der sich auf die feindlidie Hal- 
tung Drakuls gegen die Sachsen bezieht »). 

Das Ende dieser Feindseligkeiten kann in die Mitte des 
J. 1461 verlegt werden. Von da ab andert der Woiw. seine 
Politik. Drakul will nun seine Rechnung mit den Turken in 
Ordnung bringen. Er hat die Sendung des jahrlichen Tri- 
buts aufgegeBen. Der Sultan lasst diesen durch eine Ge- 
sandtschaft einfordern, die, von Hamza-Pascha und dem 
griech. Sekretar Junisbeg (friiher Katabolinos) gefiihrt, sich in 
Nikopolis aufhalt. Der Turke verlangt von Drakul den Tribut, 
und will ihn veranlassen, die Verbindug mit Ungarn abzu- 
brechen ; ferner den Gedanken, sich mit der Verwandten 
des, Kftnigs Mathias zu verheiraten, aufzugeben und sich zu 
entschliessen, der Freund des Sultans zu bleiben 8 ). Drakul 
verweigert diese Bedingungen. Aber er braucht eine List: 
er sagt der turk. Gesandtschaft, dass er das Geld fur den 
Tribut thatsachlich schon zurecht gelegt habe, aber die Zahl 
Kinder (zur Erg&nzung der Janitscharen), die der Sultan 
verlangt, nicht einhalten wolle. Der Woiwode bietet sich an, 
die Gesandten perscmlich zuriickzugeleiten, und spricht sogar 



1) Das Ereignis findet sich aufgezeichnet in den Annalen der 
Stadt Kronstadt : Brassoviae seu Coronae Transylvanorm Ecclesiae 
parietibus notanda leguntur sequentia : 1460 Dracole Waywoda op- 
pidum Antesylvanum Omlasch diripit, Bongarsius, Rerum hungar 
Scriptores (Francof 1600), 630. Chronicon Fuchsio-Lupino-Oltar- 
dinum, I, 40: Drakulya qui paula ante mercatores coronenses palis 
infixerat, oppidum etc. 

1) Die Erzahl., die in dem Ged. Beheims in den Vers. 367 ff., 395 
ff. 414 ff. 481 ff. 587, 601, 617, 641, 821, 861, 870 u. ff. enthalten sind, 
und welche von dem versteckten Schatz, dem faulen Weib, den Bet- 
telmflnchen, din 300 Zigeunern, den festgenagelten Turbanen der 
Turken etc. handeln, und die sich im Lande zugetragen haben sollen, 
besitzen weder geschichtliche noch politische Bedeutung. Sie kttnnen 
da9 Charakterbild Drakuls nicht andern. 1 

2) S. den Brief Drakuls an Konig Mathias (11 Februar 1462) 
B o g d a n , 78 ff. 



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92 



den Wunsch aus, die Geldsumme dem Sultan selbst bringen 
zu diirfen 3 ). Drakul konnte naturlich erfahren, dass im Riicken 
dieser Gesandtschaft tiirck. Truppen an der Donau warten, 
um in die Walachei einzufallen. Er fiihrte nun die Gesand- 
ten zuriick; an der Donau aber findet ein Gefecht statt. 
Hamza und andere tiirk. Fiihrer werden enthauptet; der 
griech. Sekretar wird verstummelt zum Sultan gesandt, um 
von dem Resultat dieser Unternehmung zu berichten 4 ) 

Einmal nach Nikopolis gekommen, dringt Drakul in Bul- 
garien ein, verwustet, mordet und steckt alles langs des 
Flusses in Brand. Er zieht rechts und links, von der Donau- 
miindung bis Zimnicea, durch die Ortschaften Silistria, Hir- 
sowa, Turtukai, Maretin, Giurgewo, Batin, Nikopolis, Ra- 
howa — um einige Etappen seines grauenvollen Marsches zu 
nennen, — und lasst c. 24000 Tote, Tiirken u. Christen zusam- 
men zuriick. — Von Giurgewo berichtet er ganz ausfiihrlich 
unterm 11. Febr, 1462 dem Konige Mathias ; er beschreibt 
ihm seine Thaten in Bulgarien. er zahlt genau alle Opfer auf. 
Drakul verlangt Hilfe und wiederholt seine Ergebenheit; zu- 
gleich versichert er, dass er fur den Ruhm des schiitzenden 
Konigreiches und fur die ganze Christenheit kampfe. B ) 

Beheim schildert dieses Ereignis in 2 Teilen : in dem 
ersten den Einfall in «Schiltern in dy grossen* 6 ) und den 
Tod von 25000 Manner, Frauen u. Madchen, dann, in dem 
zweiten, die Ursache des Einfalles, namlich das tiirk. Ver- 
langen nach Tribut das einen Einfall in Bulgarien zu Folge 
hatte. Dieselbe Erzahl. findet man in den Hand — u. Druck- 
schriften ; die Commentarien nennen keinen Ort, die Zahl 
aber ist dieselbe. Die russ. Redaktion schildert ebenfalls die 
Haltung Drakuls gegen die Osmanen : die tiirk. Sendung 



3) So die Commentarien und die russ. Erzahlg. 

4) Die Berichte der Byzantiner und des serbischen Janitschar. 
Beheim ernwahnt ebenfalls letztere Einzelheit ilber den griech. Se- 
kretar (Vers. 558 ff.). 

5) Bogdan, 78 ff. 

6) Entspeicht der Stadt Nikopolis. Schiltberger, Reise in 
den Orient 1395— 1417, hernusgegeb von Penzel (Munchen, 1414, S. 8. 



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93 

nach der Walachei zur Einholung des Tributes, das schlaue 
Verlangen des Woiw. von den Gesandten, ihm Freipasse 
bis zum Sultan zu geben (diese Einzelheit ist auch von 
den Commentar. enwahnt), die Verwiistung, die er in 
den tiirk. Gebieten anrichtete u. s. w. 

(Beheims Vers. 680 ff.) Uber die Thatsache, dass 
Drakul auch in Serbien eingedrugen sei, giebt es keinen 
anderen Bericht als den Beheims. Dem Ged. nach, begegnet 
Drakul in der Nahe eines Klosters l ) einigen M6nchen des 
Barfiisserordens. Es waren die Brtider: Hans, Michael u. 
Jakob. Der letztere rettete sich und floh durch die Steiermark 
nach Oesterreich; in Wiener-Neustadt besuchte er den Hof 
Friedrichs III, und machte die Bekanntschaft des Meister- 
sangers — Die Erzahl. fehlt in den Hss ; die naheren Ums- 
tande, die bei Beh. so breit geschildert sind, fehlen in den 
Broschuren und der russ. Redaction. 

(Beheims Vers 951 ff.) Nach dem Einfalle in Bulga- 
' rien hatte Drakul die Strafe des Sultans zu erwarten. Wie der 
Byzantine *) erzahlt Beheim, dass der Sultan (Muhammed II.) 
sehr zornig gewesen sei, und in alien seinen Landern ein gros- 
ses Heer gegen Drakul zusammenziehen Hess. Dieselbe Nach- 
richt bestatigte der Woiwode selbst in dem erwahnten Briefe 
an den Konig Mathias : dass der Sultan in Friihling (1462) gegen 
die Walachei auftreten wolle, und dass die Truppen auf dem 
Meere in die Donau gebracht wurden ')• Beheim unterbricht 



i) Deseen Name Gorrion nicht identificiert werden kann. Bei 
dieser Gelegenheit wollen wir bemerken, dass in den Kl5sterlichen 
und stadtischen Archiven der slavischen Gebiete im Suden Oster- 
reichs-Ungarns, documentierte Beweise Uber die dortigen Beziehiingen 
mit der Walachei vorhanden sein mttssem r So viel wir aber • wissen, 
sind bis jetzt gar keirie Fovschungen in d i e s e Y R i e h t u n g xih- 
ternommen worden. : 4 

i) Chalkokond, 499—560. v , ■ 

1) Quod ipsi jam nos fecisse videntes, litesipsorum ac discordias 
undique habitas, tarn ad regnum serenitatis vestrae sacramque cb- 
ronara pestinentes, quam eciam ad omnes alias partes quas hucusque 



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94 



hier seine Erzahlung und berichtet nicht, dass die Turken ins 
Land Drakuls eingefallen seien. Er schiebt sbfort den schlauen 
Plan des Woiw. ein, mit den Ungarn und den Turken zu- 
gleich zu verhandelu. Nach Beh. scheint es, als ob Muham- 
med II die Versprechungen Drakuls gegen Ungarn ernst 
genommen habe, und infolgedessen die Turken ihren Marsch 
unterbrochen hatten 2 ). Historisch ist jedoch, dass die Turken 
in die Walachei vorruckten. Der Sultan hatte Drakul zu be- 
strafen fur den unbezahlten Tribut, die Beleidigungen und 
die Schadigungen vom Winter 1461/2. Der Woiw. hatte sehr 
wohl die Gefahr vorausgesehen und deshalb sehr dringlich 
den ungar. KSnig gebeten, ihm schnell zu Hulfe zu kommen 3 ). 
Aber weder im Marz, wie es Drakul wiinschte 4 ), noch in 
den folgenden Monaten erschienen die magyar. Truppen an 
der walach. Grenze. Mathias konnte nicht helfen, so gem 
er auch mochte. Dass er jedoch daran dachte, beweist, dass 
er nach Rom schickte, urn den Papst urn Geld fur die Trup- 
pen zu bitten 6 ). In Ofen nehmen die Nachrichten uber die 

habuerunt retraxerunt, o m n e m furorem super nos inicie- 
runt, qui toto conatur ad aperitionem temporis, videlicet in 
vere, hostiliter venire intendunt,... sed vada et naves ex Constan- 
tinopoli et Galipoli per mare ad Danubium, volunt adducere et inten- 
dunt. Bogdan, 80. 

2) Ubrigen8 erwahnen nicht einmal die Commentarien von 
diesem Kriegszuge der Turken gegen Drakul. Trotzdem kam nach 
Venedig und Rom die Nachricht aus Ungarn, dass Drakul den Turken 
keinen Widerstand mehr hatte leisten kflnnen und sich vor Mitte Juni 
in die Berge zuruckgezogen habe. Der Krieg wurde aber weiter ge- 
fuhrt. Pie Berichte fligtcn hinzu, es ware die Rede, dass der Voiw. 
von Siebenbtirgen dem Drakul zur Hulfe geschickt werden solle, — 
dies geschah aber nicht. Monumenta Hungariae historic* IV. Acta 
Ext era I., 145—7. 

3) Bogdan, 1. c. 

4) Ebenda. Si autem eadem vestra serenitas solus cum suo capite 
venire nollet, extunc suum populum exercitualem ad portes suas 
transsilvanas j a m ad festum Sancti Gregorij martiris 
proxime afluturum deputari et transmitti dignetur. 

5) In einem Br. des Senates von Venedig an den Papst (vom 22 
Marz 1462) schickt man sogar Briefe, die Drakul an den Kflnig mit 
der Bitte um Hulfe gesandt hatte. Acta Extera I, 121 — 2. 



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95 



Tiirken nicht eher als Ende Mai festere Gestalt an. Man 
sprach in der ungar. Hauptstadt, dass die Tiirken am 26. 
April von Konstantinopel aufgebrochen sind, um in die 
Walachei einzufallen; am 8 Mai sind sie an der Donau 
angekommen und fahren auf dem Flusse nach Widin ; Dra- 
kul hat die Frauen ins Gebirge bringen lassen und mit den 
Mannern und Jiinglingen die Donau verteidigt ; dass der K6- 
nig Mathias daran denke, nach der Grenze mit Truppen ab- 
zumarschieren, weil der Uberfall in die Walachei einen Ein- 
fall in Ungarn nach sich ziehen werde r Fur den Augenblick 
kann aber aus Mangel an Geld kein Verteidigungsplan Un- 
garns verwirklicht werden. Dieselben Berichte fiigen hinzu, 
dass es zu verwundern ist, dass von Drakul gar keine Nach- 
richt mehr kommt 6 ). 

Wahrend Ungarn auf die Hiilfe des Papstes und anderer 
Fiirsten von Italien wartete, fielen tiirck. Fuhrer, iiber Niko- 
polis, mit zahlreichen Truppen in die Walachei ein. Der ganze 
Lauf des Donan wurde besetzt gehalten. Ungarn war durch 
die Nachricht von einem Anmarsch der Tiirken auf Belgrad 
stark bedroht. Drakul hatte einer ungeheueren Macht ent- 
gegenzutreten. Auch an der unteren Donau belagerte eine 
tiirk. Flotte, unterstutzt durch moldavische Truppen Kilia 7 ), 
eine wal. Festung mit ungar. Besatzung. 

Ein regelrechter Kampf konnte nicht stattfmden, denn 
die Krafte waren zu ungleich. Drakul, der aller dings nur 10000 
Mann regulare Truppen zur Verfiigung hatte, gab vom Be- 
ginne des Kampfes an, stets Beweise seines Mutes und seiiyer 
Energie 8 ) Durch kleine Gefechte und un unterbrochene Zu- 
sammenstflsse liess sich der Plan des Sultans nur massig 
verwirklichen. Im Lande hatte sich die Bevolkerung vor dem 
Feinde zuriickgezogen. Die Tiirken zogen kreuz und quer 
durch das Land und pliinderten. Der Sultan fand jedoch 



6) Acta Extera I. 143- -5, 142 f. Die Bitte Drakuls um Htilfe 
wird vom Konige Ende Mai und im Juli, noch in Rom in Erinnerung 
gebracht. Fraknoi, 91, Amn. 2. Voigt, Enea Silvio de Piccolo- 
mini als Papst Pins II. Bd. III. (Bastin 1863), 684. 



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96 

keinen eigenttichen Gegner. Am 11. Juli war der grosste 
Teil der Tilrken schon nach Adrianopel zuruckgekehrt 9 ). 

Der fur den walach. Thron bestimmte Candidat, Radul 
der Schone, Drakuls Bruder, wurde an der Donau zurtick- 
gelassen. Radul sollte nun allein den Thron zu gewinnen 
versuchen. Er erreichte seinen Zweck und wurde bald zum 
Woiwoden proklamiert; wahrend Drakul, von vielen verlas- 
sen, durch die Berge irrte, in der Richtung nach dem Bur- 
zenlande 10 ). Es ist nicht bekannt, ob Drakul nach dem Ab- 
zuge des Sultans es versucht hat, dem Radul oder dem mol- 
dawischen Woiwoden Stefan eine Schlacht zu liefern. 11 ). 

B e h e i m s Veir # 1014 ff.) Der Konig von Ungarn erhielt 
endlich die Geldunterstiitzung des Papstes und von Vehedig 
fur den Zug zu Gunsten des Woiwoden Drakul. Er brach 
Ende Juli (1462) von Ofen aus mit seinen Truppen liber 
Szegedin nach Siebenblirgen. Matias hielt sich aber noch 



7) Chalkokond. 506 f. und der Bericht Balbis aus Konstantinopel 
nach Venedig. Acta Extera, I. 168. 

8) Ebenda. 

9) Acta Extera, I. 167—8. 

10) Uber den ganzen Krieg S. die Beschreibungen der Byzantiner: 
Chalkokondylas, Cristobulos, Dukas und des serb. Janitscharen, sowie 
die Berichte an den Senat von Venedig (Acta Extera); Vgl. Hammer 
Gesch. des Osman. Reiches (Pesth 1834) I, 470 ff. E n g e 1, Gesch. 
der Wal. u. der Moldau 176 f Gebhardi, 326 ff., Z i n k e i s e n, 
Gesch. des osmnn. Reiches in Europa (Gotha 1854), H« 1*>9 ff« Weil. 
Gesch. der islamitischen Vftlker (Stuttgart 1866), 463 1. Hertzberg, 
Gesch. der Byzantiner und des osman. Reich. (Berlin 1883), 620 ff. 
A. del Chiaro, Istoria delle moderne rivoluzione della Valachia (Ve- 
nezia 1743), 112 f. Tocilesc u, Xenopol, II. 281 ff. Bog dan, 
20 ff., Jor g a, Chilia si Cetatea alba, 122 f., Huber, Gesch, 
Oesterreichs III. 207 f. 

11) J o r g a, Stud, si Doc, III, S. XXXI f. Im Arch, von Kron- 
stadt beflndet sich ein Brief von einem Woiw. Wlad ohne Ort- und 
Zeitangabe, welcher aber vor Drakul und aus dieser Zeit zu stammen 
s c h e i n t. Der Woiw. schreibt in demselben, dass er Soldner braucht; 
er bittet die Kronstadter ihm Leute ausfindig zu machen, sei es Un- 
garn, Sekler oder Walachen, die bereit waren, ihm vorlaufig unbe- 
zahlt zu dienen. Das slav. Orig. Nr. 159, M i I e t., Nr. 71, S. 77. 
Abschrift in der ruman Akademie. 



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wahfend einiger Wochen in Ungarn auf. Es ist sehr wahr- 
scheinlich, dass der neue walach. Woiwode Radul in der zwi- 
schenzeit wegen Friedensschluss nach Ungarn geschrieben 
hatte. Schon am 15 Aug.. wahrend also der K5nig noch 
unterwegs nach Siebenbiirgen war, kam von Klausenburg 
an den Rat Kronstadt der Befehl, bis auf weiteres mit dem 
neuen Fiirsten der Walachei Frieden zu halten 1 ). Mathias 
befand sich am 17 Sept. in Torda 8 ) dann ist er in Hermann- 
stadt 8 ). Seit Anfang November war er in Kronstadt; seine 
Ruckkehr nach Ungarn wird er erst Anfang Dezember an- 
treten 4 ). 

Endlich war die von Drakul erwartete Htilfe bis hart an 
die walach. Grenze gekommen. Nachrichten uber den Woi- 
woden selbst haben wir nicht vor dem 7. des Monates (No- 
bember). Unter diesem Datum schreibt er aus Rukar (Wa- 
lachei) dem Sultan. Beheim weiss auch, dass Drakul durch 
einen Brief den K6nig von Ungarn an die Tiirrken Verraten 
hat. Das Ged. sagt aber nicht wie Mathias von dieser That 
des Woiw., der Ungarn zum Opfer gefallen war, erfahren 
hat. Hier sind die Commentarien zu verwenden; ihnen 
dienten die aus Ungarn, von Seiten des KSnigs geschickten 
Nachrichten als Grundlage. Sie voroffentlichen den schon 
erwahnten Brief vom 7 November, den Drakul an den Sul- 
tan geschrieben hat 6 ). Der Woiwode schreibt an Muham- 



i) Der Brief des «Abertus de Istenmezeye vice comes Siculorum>: 
trewgas pacis cum illustri principe Radul nunc vaivoda partium 
Transalpinarum per vos usque ad terminum praefixum dispositas fir- 
miter et inviolabiliter observare. Datum in Closwar in festo assump? 
tionis beatae Mariae virginis a. 1462. Ein Postkriptum lautete : A 
dominis autem rege et vaivoda ac regni nobilibus nihil formidetis in 
hac parte, quia aliud habent fa cere. Das Orig. im Arch, zu 
Kronst., 2 Abschriften in der ruman. Akademie. 

2) Jorga, St. si Docum., III. S, XXXII. 

3) Frakn6i, 91, Anm. 3, 92 Anm. 1. Im Oktober verlangt Ve* 
nedig Nachrichten uber die Erfolge des KOnigs in den Walach. Ge- 
bieten. Acta Extera, I. 181— 2. 

4) Frakn6i 1. c. Der erste bekannte kOnigl. Erlass aus Kron- 
stadt ist vom 3. November. 

5). S. 297. 

7 



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98 

med II, dass er am selben Tage, an dem er diesen Brief 
und die Gesandtschaft schickt, mit seinen Truppen nach der 
Walachei aufbricht, um den Thron wieder zu besetzem Dra- 
kul bittet den Sultan um Verzeihung fur seine Unvorsich- 
tigkeit, dem tiirk. Lande Verluste zu v^rursachen, und ver- 
sichert ihn, dass er ihm von nun an treu dienen wiirde. 

Um seinen Fehler zu siihnen, versprach er ganz Sie- 
benblirgen dem Sultan in die Hande zu geben; einmal Hen- 
dieses Landes, wiirde der Sultan ganz Ungarn unterjochen 
kSimen. Dafiir mdchte aber Drakul jetzt den Thron mit der 
Zustimnumg des Sultans besetzen. 

Eine solche Intervention Drakuls beim Sultan muss nicht 
aussergewohnlich erscheinen. Der Brief ist autentisch; dem 
Orte nach, an dem er geschrieben, das der §iebenbiirg. 
Grenze nahe Dorf Rhotel (fiir Rochel, Rukel 6 ), muss Dra- 
kul schon in der Walachei gewesen sein ; das Heer, von 
welchem er es nicht unterslasst in seinem Br. Zu erwahnen, 
muss die Hulfe gewesen sein, die er schon hatte, oder wel- 
che ihm alsobald vom Konig Mathias kommen musste. Was 
die Verpflichtung anbelangt, die der Woiw. «pro redemp- 
tione delicti » auf sich nimmt, so muss dieselbe nicht ernst 
genommen werden: es war nur ein merkwiiridiges Mittel um 
jeden Verdacht des Sultans, dass er gerade von Ungarn 
Hiilfe habe, ze unterdriicken 7 ). Drakul musste etwas ver- 
sprechen, musste als der Feind Ungarns esscheinen. Erst auf 
dem Thron, wiirde er schon sehen was fiir eine Wendung 
die Diuge nehmen wiirden, um sich mit mehr Verstandnis 
orientieren zu konnen, als er es bisher gethan. Konig Ma- 
thias. hat aber diesem Briefe eine andere Auslegung gege- 
ben. Und hier ist Beheim die einzige besser unterrichtete 
Quelle. Er sagt uns, dass, nach der Ankunft des Konigs- 
mit dem Heere in Kronstadt, «Drakul auch mit Truppen 
hinkam; dass sie in der genannten Stadt 5 Wochen o- 
der mehr zusammen blieben. Indessen erfahrt der Konig 



6) Iorga, S. XXXIII. 

7) Jorga, 1. c. 



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99 

von dem mit den Turken geschlossenen hochverraterischen 
Vertrag des Woiwoden. Der K6nig aber thut, als ob er 
nichts davon wiisste ; er fasst mit Drakul den Entschluss, 
gegen die Turken zu kampfen, zuerst in der Walachei, dann 
in der Ttirkei. Beide ziehen gemeinschaftlich von dannen, 
indem sie sich von Kronstadt ungefahr 6 Meilen in 
der Richtung nach der Walachei entfernen. Dort befand 
sich ein Schloss namens Konigstein. Daselbst wurde Dra- 
kul von einem Manne des Konigs, Ion Isgra, trotz hefti- 
ger Gegenwehr, ergriffen und in seinem eigenen 
L a n d e der Walachei in Eisen gelegt. Dies geschah des- 
halb, weil Drakul in Ungarn unter konigl. Schutze und Ge* 
leite stand. Isgra bringt ihn nach Ungarn und liefert ihn 
dem Konige aus. In einem Schloss namens Iersin (oder 
Wisiird) wurde er in Sicherheit gebracht*. 

Der Aufenthalt des Konigs in Kronstadt hat thatsachlich 
5 Wochen gedauert. Ausser dem Aktenstiick vom 3 Nov. 
sind noch kgl. Eslasse aus Kronstadt vom 4., 6., 25. u. 27. 
Nov. und vom 6. Dez. bekannt. Am 11. Dez f war der Konig 
in Mediasch und kehrte nach Ungarn zuriick. 8 ) Der Gewahrs- 
mann Beheims muss im Lager des Konigs gewesen sein. 
In oben erwahnter Beschreibung sind Namen, Orte und an- 
dere Angaben sehr genau. Nur die Behauptung Beheims, dass 
Drakul zu gleicher Zeit mit dem K onige 5 wochen in Kronst. 
gewesen sei, ist nicht bewiesen. Der W oiwode befindet sich 
im Gegenteil am 7. Nov., also einige Tage nach der An- 
kunft des* Konigs, schon in der Walachei. Drakul erwartete 
hier in Rukar wahrscheinlich die ungar. Truppeu und den 
Konig. In dieser Zeit fallt sein Brief an den Sultan in Mat- 
hias Hancje, welcher infolgedessen die Gefangennahme des 
Woiwoden beschliesst. Die Ungarn kamen nun nach der 
Walachei mit einem ganz anderen Zweck. Von hier an wird 
der Bericht Beheims unentbehrlich. Isgra, welcher kein an- 
derer als Iohann Giskra, der seit kurzem mit dem K6nige 
versohnte Bohmenfuhrer ist 9 ), wird mit der Mission betraut, den 



8) T r a k n o i 1. c. 

9) Pray, Historia Reguen Hungar. (Budae 1801) II. 399 f» 
I o r g a 1. c. 



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100 



Drakul zu verhaften. Ein Treffen findet statt. Der Ort der 
Gefangennahme ist nach Beh. Konigstein. Er fugthinzu: aul 
walach. Gebiet, was auch besser passt. Der gebirgige Punkt 
KSnigstein liegt an der Grenze, auf halber Entfernung zwi- 
schen Kronstadt u. Rukar. 

Ausser dem Berichterstatter Beheims, befand sich noch 
im ungar. Lager in Kronstadt, dem Konige aber naher, der 
venezianische Sekietar Tommasi. Die Signoria, welche un- 
geduldig Neuigkeiten liber die Erfolge des Konigs gegenuber 
den Tiirken erwartete, erhielt von diesem Tommasi 3 Be- 
richte auf einmal. Im letzten Vom 26. Nov. wird Venedig 
die Gefangennahme Drakuls gemeldet. Der Jnhalt der ersten 
2 Berichte vom 1. u. 3. Nov. ist uns aber nicht bekannt. 
Die Republik antwortete ihrem Sekretar: Reddite sunt nobis 
littere tue dierum primi, tercii et XXVI Novembris, q u a s 
in earn usque diem retinisse scribis, quia sic 
visum fuit Regie Majestati Hungarie ex causis 
et respectibus in litteris tuis continents. Es ware von In- 
teresse, die Griinde zu wissen, wesshalb der Konig bestimmt 
hatt dass der venezianische Sekretar seine Berichte speter 
schicken solle, und zwar zus?mmen mit dem vom 26. des 
Monates. Nur den Inhalt dieses letzteren bestatigt Venedig : 
ac causam retentionis Draguli olim Voivode, circa quam 
rem idem serenissim. Rex etiam per suas lit- 
teras nobis scripsit. 10 ) Schon im Dez.. d. J. vielleicht 



lo) Acta Ext era, I, 172. Die polnischen Geschichtsschreiber 
Kennen denselben Grund der Gefangennahme Drakuls. Dtugosz, 
II, 344: quasi cum Turco contra ilium sentiret, et clandestini9 ilium 
invaret contra Pannonios suffragiis. Mithias de Michovia, 
Poloniae historicae Corpus (Basileae 1582) II. 228 : quasi cum Turca 
contra ilium sentiret. Bonfinius aber wusste nichts davon. Die russ. 
Erzahl., welche die Bezichungen Drakuls mit Ungarn au9 dem J. 
1462 nicht kannte, berichtet von einem Kriege zwischen Drakul u. 
dem Kttnig Mathias, in welchem der Woiwode von seinen eigenen 
Kriegern dem KOnige ubergeben wurde. Bogdan, 13?. 



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101 



wurde Drakul nach Ofen gebracht und in dem naheliegenden 
Schlosse Wisegrad gefangen gehalten. n ) 

Bis zum J. 1475 horen die Nachrichten liber Drakul, bis 
auf den wenigen von der russ. Erzahlung gebrachten A* 
nekdoten. 

(Beheims) Vers 22 (T.). Im Zusammenhang mit der ge- 
fangennahme Drakuls, ist auch sein Religionswechsel zu 
setzen. Beheim, sowie alle deutschen Prosaerzahl. berichten, 
dass Drakul vor seiner 1. Thronbesteigung 1456 mit seinem 
Bruder zusammen «den alten Glauben aufgegeben und ver- 
sprochen habe, den christl. Glauben zu beschirmen und 
zu halten». Im Gegensatz hierzu erwahnen die deutschen 
Broschiiren und die russ. Erzahlung von einem Uber- 
tritt Drakuls zum Ka th olicismus vor seinem 2. 
Regierungsantritt, als Gefangener in Ofen (d. h. zw. 1462 — 
1475). 

Aus seiner 1. Regierungszeit giebt es schriftl. Beweise, 
dass Drakul Christ war. So versprach er am 7. Sept. 1456 
dem Konige von Ungarn, dem Beispiel seinez Vorganger zu 
folgen und der ungar. Krone seine Dienste zu leihen «in 
defensione orthodoxae fidei catholicae*. Und in dem Briefe 
vom Febr. 1462 setze Drakul dem Konige Mathias ausei- 
nander, dass sein Sieg oder seine Niederlage in dem Kampfe 
mit den Turken sich auch auf die ganze Christenheit er- 
strecken wiirde. Ist Drakul nun wahrend seiner 1. Regierungs- 
zeit schon katholisch oder war er Christ nach griech. Ritus ? 
Fur die letzere Annahme spricht sicherlich die obenerwahnte 
erste Urkunde: seine Vorganger, deren Beispiel Drakul fol- 
gen wollte, waren Christen, aber nicht katholisch ; ferner 
deutet daraufhin, dass die deutsch. Broschiiren von einem 
spateren Ubertritt Drakuls berichten, und zwar wahrend 



1 1) In einem durchge8trichenen Vers giebt Beheim dem Schlosse 
den Narnen «Wistird», eine Form die derjenigen der russ. Erzahl. 
naher kommt. In Venedig u. Rom, wohin der Konig auch den Ver- 
ratsbrief'gesandt hatte, wird die Gefangennahme Drakuls Anfang 
des n&chsten Jahres officiell bestatigt. Acta E x t e r a, I. 171, 



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102 



seiner Gefangennahme. In Ofen konnte Drakul nur zum 
Katholicismus ubertreten. Daftir ist auch die russ. Erzahl. 
eine authentische Quelle, denn sie tadelt Drakul, im Gegen- 
satz zu den deutschen Broschuren, die ihn loben wegen 
dieses Ubertrittes, und giebt zu verstehen, dass Drakul sein 
Leben deswegen libel beschliessen werde 1 ). Von der Be- 
hauptung Beheims und den anderen deutsch. Erzahl. dass 
Drakul vor seine m 1. Regierungsantritt sefinen 
alten Glauben aufgegebe haben, ist nun das zu halten, dass 
nicht von einem Ab fall vom Glauben die Rede ist, sondern 
von einer von Drakul versprochenen politischen Haltung 
den Ungarn gegenrber. Wie seine Vorganger hoffte auch 
Drakul dadurch den Konigl. Schutz und Hulfe zu erhalten *), 



i) Bogdan, 133. 

2) Hefft, der ttber die Gefangennahme Drakuls 1462 berlchtet, 
inter pretiert wahrscheinlioh die erste Stelle der deutsch. Erzahlg, in- 
dem er sagt; Hie Dracole nacione Turcus quidem Budae bapti- 
zatus. Bogdan, 31, Anm, 1. Kein anderer Bericht bestatigt einen 
solchen Abfall DrakuU vom Mohammedanismus zum Katholicismus. 
Die byzantin. Beriehterstatter, die ihn sicher erwahnt haben wttrden. 
sagen daruber nichts, ebenso wenig die Commentarien. 



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A N H A N G 



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Deutsche ErzJhlnnjeii fiber den Woivoden Wlad II Praknl 



Hb. des Stiftes St. Gallen *) 

Item der alt gubernator der het den alten Dracol lassen tftden S. 283. 
und der Dracol und sin brtider die habend abtretten von irem glou- 
ben und verhaissen und gescworen den christen glouben zu beschir- 
men und halten. 

Item des selben jars ist er gesetzt und herr worden in der Wa- 
lachey ; ze hand het er .lassen ttfden den Lasslaw Wabada, der da- 
selbs herr ist gewesen. 

Item zu hand darnach het er dorffer und schlOsser in Sibenburgen 
by der Hermonstatt lassen verbrennen, und geschlflsser in Sibenburg 
daselbs und dorffer mit namen Kloster Holtzntiwdorff, Holtznetya 
zu aschen gantz verbrennen. 

Item Berkendorf in Wuetzerland het er lassen verbrennen, man 
und frowen, kinder gross und klain; die er daselbs nit verbrennt, 
die het er mit im gefurt und ingeschmidet mit ketlinen in die Wa- 
lache'j und hett Sy all lassen spissen. 

Item kouflutt und furlutt von Wuetzerland der Dracol hett in 
gesetzt ein frydstag und in dem frydstag Hess e ir viel spissen. 

Item jung knaben und ander die in die Walachey geschickt wur- 
dent, die warend von vil landen, daz Sy soltend lernen die sprach, 
ouch ander ding, die liess er selbs zusamen bringen und im tiberant- 
worten. Die liess er all in ein stuben zusam tun und liess sy ver- 
brennen, — der warend in der zal 4 hundert. 

Item er hett lessen ussrtttten ein gross geschlecht vom minsten 
untz ain maisten, kinder, frund, brtider, schwOstern und het sy all 
lassen spissen. 



1) Nr. 806, S 283-288. Nach der mit dem Original von Herrn Bibliothekar Dr. Fan 
collationierten Abschrift. 



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106 

Item er het ouch sin ltttt nackend in lassen graben untz an den 
nabel, darnach het er lassen zu in schiessen. Er het ouch etlich 
lassen bratten etlich schinden. 

Item er het den jungen Darin gefangen, darnach het er in las- 
sen wegen durch sin priest erschafft, und so er es alles volbracht hatt, 
do het er denn lassen machen ain grab nach gewonhait der chris- 
ten und hatt im lassen abshhlachen sin houbt by dem grab. 

Item botten sind gesand worden zu dem Dracol von dem kung von 
Hungern und von Sachssen und in Sibenburg, in zal funf und funftzig, 
in die Walachey. Do liess der Dracol die herren fachen als uff funff 
wuchen, und liess spi§s machen fur ir herberg, und die gedachtend 
alweg man wurd 8y spissen. Ey wie in gross sorgen sind sy gewe- 
sen! Darumb das er durch sy mit verratten wurd, darumb behielt er 
sy so lang. Und hub sich uf mit aller siner macht und zoch in Wue- 
tzerland. Aines morges frti kam er in die dorfer, schlOss und stett, 
alle die er ubermocht die verstort er ouch, all frucht und traidt liess 
er alles verbrennen. Und alle die er daselbst het gefangen, die het 
er lassen ftlren usserthalb der statt g'enampt Kranstatt by* der ca- 
pellen die da heist S. Iacob. Und der Dracol daselbs hatt geruwet 
und hatt die gantzen vorstatt lassen vebrennen. Ouch als ter tag 
komen ist morgens fru, waz er begraiff, frow und man, kinder, jung 
und alt, het er an dem morgen an den berg by der capellen all las- 
sen spissen umb und umb den berg; und er ist mit under in ge« 
sessen zu tisch und sin Frund daselbs gehabt. 

Item S. Bartolme's kirch het er lassen verbrennen daselbs, ouch S. 284. 
alle die ornat und kelch beroubt und genomen. Item er hat geschafft 
ainen sinen houbtman in ein gross dorff mit namen Zey ding zu ver* 
brennen, aber der selb houbtman moch das selb nit verbrennen von 
widerstand der dorflutt. Do karri er zu sinen herren und sprach : 
herr, ich hab das nit mogen volbringen, das du mich hast haissen 
tun. Do nam er in und hiess in spissen. 

Item kouflut und ander lut nict waar gantzer kouifmanchaift von 
Wuetzerland gegen der Thunow gegen Bregel in zal 600 mit allem 
irem gutt hat er sy ali lassen spissen und das gutt zu im ge* 
nomen. 

Item er het lassen machen ein grossen kessel mit zwei handhe- 
binen und dariiber ein ptimy mit brettern und dadurch het er las- 
sen loeher machen, das ain mensch mit dem koupf dadurch komen 
mag. Darnach hatt er ain gross fur darunder gemacht und wasser 
in den kessel gegossen und het sy lassen sieden. Er hat vil men- 
schen, fro wen und man lassen spissen, jung und alt. 

Ouch ist er wiederumb komen in Sibenburg gen Talmetz; da- 
selbest hett er die menschen lassen hacken als das krutt, und die er 
mit im gefangen gefurt hatt in die Wallachey , die hatt er grufsam* 
lich und mancherlay spissen lassen. 



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107 



Item erschrockelichen forchtsamelichen und unusssprechelich pin 
hat er erdacht, das er hett lassen sipsen ratitter und kinder sugende 
und innerhalb eines jars oder 2 oder mer hatt er lassen spissen. 
Es haben ouch die kindlin den mutteren an ir brust griffen, ouch 
die mtitter die kindle. Es het ouch den mttttere die brust von ei- 
nanderen geschnitten und die kinder mit dem hobt dardurch ge- 
schoben und darnach gespisst, und vil ander pin; solche grosse pin 
und schmertzen a He wlltterich und durechter der christenhait nie er- 
dacht habend, als von Herodes, Nerone und Diocletiano und aller 
ander hayden tatten solch marter nie erdacht habend als disser 
wtiterich. 

.Item menschen het er lassen spissen sittlingen allerlay durch 
einander, jung und alt, frowen und man. Ouch so habent sy sich 
mugen begelten mit henden und ftissen und hand sich gewendet und 
gezablet duscheinander als die frOsch. Darnach het er die hand 
ouch lassen spissen und sprach offt nach siner sprach: ey wie 
grosse gradikait tribent sy. Un das sind gwesen haiden, juden, chris- 
ten, ketzer und walchen. 

Item er hat ein Zeginer, der hat gestolen; do koment die an- 
deren Zeginer und battend den Dracol, er solt in den geben. Der 
Drachol sprach: er sol hangen und er must in selbest henken; die 
sprachen, es wer nit is gewonthait. Der Dracol liess den Zeginer 
sieden in ainem kessel, und do er gesotten ward, do mussten si in es- 
sen mit flaisch und bain. 

Item es ward im geschickt ein erwirdiger man, der kam zu im S. 285. 
by den ltitten, die er also hatt lassen spissen. Do ging er under in 
umb und schowt die, und der wasend ale vil als ein grosser wald, 
und er sprach zu im, warumb er under dem gschmakt umbgieng. Der 
Dracol sprach, ob es in austuncke, do sprach er ja, do lies er in 
ouch zu hand spissen und richt in uff in die hechi, das es in nit 
anstunck. 

Item ein pfaff het geprediget wie die stind nit vergeben mocht 
werden, man geb den das unrecht gutt wider. Nun hat er den sel- 
ben pfaffen zti huss geladen und zu im an den tisch gezetzt. Nun 
der herr brocket im in sin essen simlen brott ; der pfaff begraiff un- 
der sinen brocken ainen mit sinem lOuifel. Do sprach der herr, wie 
er geprediget hett die stind, etc. etc. Der priester sprach : her, es 
ist waar. Er sprach : warumb nimmst dan mir min brott, das ich . 
hab ingebrocket, und lies in zu hand spissen. 

Item er hatt all sin landsheren und edel ltit in sinem land zuhuss 
gebetten, und als dass mal nun volbracht ward, do hatt er angehept 
an dem eltesten heren und hat in gefragt, wie vil er waida oder 
herren gedenck, die dass selb land ingehept habent. Der hatt im 
also geantwurt, als vil er ir gedacht hett; des glichen och die an- 
dren heren, jung und alt, und jedern sundern gefragt, wie vil sy 



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108 

solicher heren gedachtind. Ainer hat geandwurt fUnftzig, der ander 
drissig, ainer zwaintzig, etiicher zvolif, do ist ir keiner so jung ge- 
wessen, er hat ir by sitnen gedacht. Also hatt er dieselben heren 
alle lasen spissen : der warent in zall funffhundert heren. 

Item er hatt ain schlaffwipp, die gab sich uss sy wer schwanger. 
Do Hess er sy beschowen durch ain andre frowcn, die kund nit ver- 
ston, das 8y' schwanger wer ; do nam er die selben sin schlaff fro- 
wen und schnaid sy von unden uif untz ain die brust und sprach, 
er welt besehen wo er gewesen wer. oder wo sin irucht lag. Er hatt 
och ottlich lassen schliffen uif schliffstain, und vil ander unmensch- 
liche ding, die man von im saget. 

Do man zalt 1460 jar an sant Bartlomeustag, item zu sant Bar- 
tolemeus tag des morgens ist der Dracoll komen ubern wald mit 
sinen dienern und hat hamgesucht all Walhen baiderlay geschlacht 
als man sagt userhalb des dorfs Humilasch, und so vil er ir hatt 
zusamen mugen pringen, hatt er lassen uber ain huffen legen und 
sy zerhacken als dass krut mit schwertern, sabeln und messern ; S. 286 
och iren capplon und die andren die er desselben malss nit tflttet, 
die hat er mit in haimgefurt und hat sy lassen spissen, und das 
dorf hatt er gantz lassen abbrennen mit dem gutt, und als man 
sagt in zall mer den drissig tussent menschen. 

Anno domini 1462, item der DracoH ist komen in die grossen 
statt Schylta, da hatt er lassen ttttten mer den ftinff und zwaintzig 
tussent menschen allerlay volckes: cristen, haiden etc. Darunder 
sind gewesen die aller schftnsten frowen und junckfrowen, die be- 
halten sind worden durch sin hoffltit die habent begert inn den 
Dracoll, er soil in die geben zu elichen frowen. Der Dracoll das 
nit thun wollen und hatt gebotten die all mit sampt den hoffliitten 
zerhacken als das krut; und dass hatt er darumb gethun , er 
ist zinsshaftig gewesen dem tUrkischen Kaiser, der den zinss an in 
gefordert het. Zu hand Hess der Dracoll sinem volck verkunden, 
er w6lt dem Kaiser den zins'persOnlich raichen. Do erfrowt sich 
dass volck, also liess, er sin volck huffenwis nach ain andren ziechen 
nach im und all hoptltttt rittent im engegen. Und also liess er die- 
selben all tOtten. Och dieselben geginen hiss er all verbrennen, die 
da heisst Pallgarey, och etlich liess er an nageln mit dem har, und 
der aller wurdent in zall funff und zwaintzig tusent, on die dass fUr 
verprannt hattent. 

Item potten vor der Hermenstatt habent gesehen totter und ge- 
spisseter in der Walachy als ain grosser wald, ussgenomen die er 
hat lassen braten, sieden und schinden. 

Item ain gantze gegne di da haist Fugrasch hat er ussgerutt 
und sy gefUrt in die Walachy, mit frowen, man und Kinder hatt 
er 8y lassen spissen. Er hat etiicher siner ltitt, die sinen schatz ha- 
bent helfen verbergen, die hat er all selbs kopft. S. 287 



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109 

Item er hat 8i'ner Itttt herren etlich lassen kopfen und hatt die 
h5pt genomen und hatt damit lassen kreps vachen darnach hatt er 
dieselben frund zu hu98 geladen und hatt in dieselben kreps zu es- 
sen geben und sprach zu in: ir esst jetzund uwer frund hftpter; 
darnach hat er sy lassen spissen. 

Item er hat einen sehen arbaiten in ainem kutrzen pfad und 
sprach zu im : hast ain hussfrowen ? Er sprach : ja. Er sprach : bring 
mlr 9y' her zu mir. Do sprach er zu ir : was thust du? Sie sprach : 
ich wasch, bach, spin etc. Zu hand liess er 8y spissen darum, dass 
Sy* irem man nit hatt lassen machen ain lange pfad, dass man im 
der bruch nit sech. Zu hand gab er im ain ander wib und gebott 
ir, By sttlt dem man ain lange pfad machen, oder er welt sy och 
lassen spissen. 

Item er hatt lassen spissen ain esel und ain munch barfuser orden 
oben daruff, der wass im begegnet. 

Item es koment in sin land by drien hundert Ziginer, da nam 
er die besten dry uss in und liess sy bratenn, die musstend die an- 
der Ziginer essen, und sprach zu in : also muss ainer den andern 
essen, biss tiwer kainer mer ist, oder zticht hin an die Ttircken und 
stritt mitt inen. Sy wOltend allgern da hin ztichen, wo er hin wolt. 
Do tett er ainss und klaidet s'y all in kuhtitt, des gelichen och ire 
ross. Do sy nun zu ain andren koment, do schuchtend des Turcken 
ross und flUchent von wegen des geradels, dass sy die ross nit ge- 
haben mochten und fluchent an ain wasser und die Ziginer nach 
also dass sy all ertruncken. 

Item en hatt och all arm ltitt, die in sinen land warend zu huss 
geladen, durnach do sy nun geassent, do liess er sy all verbrennen 
in ainem stadel, an zall zweihundert S 28S 

Item er liess die jungen kinder braten, die musstend de muteren 
essen, und schnaid den frowen de brttst ab, die musstend die man 
essen, darnach liess er di man spissen. 

Item es wurdent zu im geschickt etlich Walhen; do si zu im ko 
men, do naigtend &y sich und thatent ir hutt ab, und darunder hat- 
tent sy brune und rote baret oder hiibel, die thetend sy nit ab. Do 
fragt er sy , warumb sy dieselben hiibel oder baret nit abthetent. Sy 
sprachend: herr, es ist unser gewonhait; wir thund sy gegen dem 
kaiser nit ab. Er sprach: nun will ich tiwer gewonhait bestetigenn. 
Sy* danktend siner genaden. Er liess im nemen gutt starck yssig 
nagle und liess in die Hublin umb und umban naglen an das hopt, 
dass sy in nit abvielent: also bestetiget er in ir gewonhait. 



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ilO 



Berliner Broschiire l ) 
(Von dem ^Dracole Way da Dem grossen Ihyrannen 

Nach Christi unsers herrn gepurt M. CCCC. LVI. jar hat der Dra- 

cole Wayde vil erschrockenlicher und wunderlicher ding gethan. 

Alls hernach geschryben stet. 

e 
Item der allt Gubernator hat den alten Dracol lassen todten. 

Und der Draco! und sein bruder haben ab getretten von jrem glau- 

ben und haben verhayssen und geschworn den Christlichen glauben 

zu bescl^rmen. 

Item des selbigen jars ist er gesetzt worden zu einem Herren in 

der, Walachey. Zu handt liess er todten den Lassla Wayda, der da 

selfs ein Herr ist gewest. Paid darnach hat er in Sibe. burgen auch 

e 
in Wurtzlande mit namen Beckendorff lassen verprennen. Auch 

frawen und man jung und alt Etlich hat er mit jm haym gefurt in 

die Walachey an Eyseren kethen und da all gespist. 

Item er hat alle junge knaben, die in sein lahdt geschickt sein 

worden von lernung wegen der sprach, die hiess er in ein stuben 

sperren unnd liess all verprennen, der sein pey vierhundert gewesen. 

, Item er hat einen fryden gesetzt. In demselben hat er vil kauf- 
e e c 

le u t und furleut aus Wartzlandt lassen spissen. Er hat auch ein 

gross geschlecht aus reuten lassen uud die er spissen liess von dem 

mynsten piss zu dem maysten jung und alt. 

Item er hat sein volck etlich nackendt lassen ein graben piss zu 

dem nabel und hat zu in lassen schiessen. Er hat auch etlich lassen 

praten und schynden. l ) 

* K e 
Item potten sein geschickt worden von dem k u nig reich zu Hun- 

e 
gern und sachsen und Sybenburgen in der zal LV in die Wa- 
lachey, die liess der Dracol funff wochen harren und liess in vil 
spies fur dfe herberg stecken. Also sein die in grosser sorg gewe- 
sen. Das hat er darumb gethan, er forcht verretherey. Die weii 
zoch er in wurtzland und Zerstrewt das getrayd und all frucht liess 
er verprennen und das volck liess er gefangen fueren ausserhalb 
der Kronstatt also genant, do hat der Dracol geruet bey sant la- 
cobs capeilen, er hat die vorstat lassen verprennen, auch als der tag 
des m6rge8 fru kam, do liess er man und frawen jung und alt bey 

der capeilen umb den perck lassen spissen und hat sich mitten und- 

e 
ter sie gesetzt und daz morgenmal mit freude gessen. 

Pie Druckschrift besteht aus einer Lage von 8 Papierblattern; auf dem ersten Blatt 
steht die Aufschrift, darunter Bildnis, Holzschnitt des Woiwoden, Kopf nach Iniks 
gewendet. 

v). Hier fehlt die Erzahlung iiber den jungen Dan. 



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ni 

Item er hat auch sant Barthlomeus kyrcken la88en verprennen 
und all ornat und kelch von dann genummen. 

Mer hat er seiner Haupman einen in ein gross dorff geschickt 
mit namen Zemding zu verprennen. Aber der selb Haupman mocht 
daz dorff nit verprennen von widerstandt wegen der dorfleut, und 
kam wider heym zu dem Dracol und sprach : ich hab nitt mogen 
verpringen das du mich gehayssen hast. Von stund an liess er den 
Hauptman spissen. 

Item kauflut und ander volck kamen mit jrer kaufmanschafft von 
wurtzland gegen der Thunaw gen Pregel in der zal bei CGCCGC, 
die hat der Dracol all lassen spissen und jr gut lassen nemen. 

Item er hat lassen machen ein grossen kessel und damber pretter 
mit lochern gemacht und hat die le u t mit den heuptern dardurch 
lassen schieben, und also versperren lassen und hat den kessel 
mit wasser lassen fullen und hat gross fewer unter den kessel lassen 
machen und daz volck also jemerlich lassen schreyen biss sie gar 
versotten sein. 

Erschrockenliche forchtsame unausssprechliche pein hat er erdacht, 
das er *hat lassen muter und kind an br u sten seugent mit einander 
spissen, das die kind den muttern an den prusten gezabelt haben 
biss in den todt des gleichen den m u tern, hat er die pr u st auffge- 
schnyten und die kint mit den heuptern dardurch gestossen und 
bayde mit einaeder lassen spissen. 

Item menschen hat er seydtling lassen spissen allerlay volcks 
Cristen, Iuden, Hayden, das sy sich lang haben mugen ruren und 
zabeln und gewemert durch einander als die fr sch. Darnach hat er 
in hend unnd f u ss auch lassen an spissen, und er hat offt in seiner 
sprach geredt : Ey wie gross geradigkeit treyben sie! Also hat er 
sein freud gehabt. 

Item er het einen Zyguener gefangen, der het gestolen, do kamen 
die andern Zig u ener unnd paten den Dracol er solte in den erge- 
ben, do sprach er: er must hangen und jr must in selber hencken. 
Sre sprachen, est wer nit jr gewonhait da liess der Dracole den 
Zigeuener in einem kessel sieden, do musten in die andern Zig- 

e 

uner essen mit flaysch und mit gebain. 

Es wardt auch zu jm geschickt ein erwirdiger man, der kam zu 
jm bey den lueten, die er also lassen spissen, do gieng der Dracole 
unter yn umb und schawet sie: der warn als ein grosser wait. Do 
sprach der geschickt man zu dem Dracole, warumb er also unter 
dem gestannck umbgieng.Der Dracole sprach ob es yn auch an stunck. 



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ii2 



, e 



Er sprach: ja, Do liess er in von stund an auff in die hoch spissen 

e 
daz in dy anderen nit an stuncken. 

<» 
Item ein pfaff het gepredigt, wie die sund nit vergeben wurden 

newr, man geb das unrecht gut wider. Do hid der Dracol den zu 

haus9 unnd setzet den an sein tisch, Der Dracol procket weiss brot 

ein das er selber essen wolt ; der pfaff unter stund der procken einen 

und ass in. Der Dracol sprach : wie hast du hewt geprediget, das 

die sund nit vergeben wirdt, man geb den das unrecht gut wider ? 

Der priester sprach: ja. Der Dracol sprach: warumb 'yssest du mir 

meyn brot, das ich mir hab eingeprocket ? Von stund an spisset 

er den priester. 

Item mer der Dracole kam in Sibenburgen gen Kalmotz, da selbst 
hat er die menschen lassenn hacken als das krawt ; die ubrigen hat 
er haym gefurt und gespist. 

Er hat all sein landt Herrn und edelleut in seinem landt zu 
tysch geladen. Do das mal verbracht was, do hub er an dem eltes- 
ten an und fraget wie vil er Wayda die im dem landt Herrn sein 
gewesen, gedecht. Also fraget er einen nach dem andern. Sie sagten 
also vil ein yeder west, einer sagt L, der ander XXX. Also was kai- 
ner unther in, er sagt von siben. Da liesser sie all spissen, der 
waren in zal ob funff hundert. 

Item er hat ein schlafweyb gehabt, die gab sich auss sie wer 

s '.hwanger. Do liess der Dracol die frawen beschawen mit den he- 

bammen, die sagten, sie wer nit swanger. Do schnayd er das selb 

e 
schlaffweyb von undten auff biss zu den brusten. Unnd er sprach, 

er wolt besehen, wo sein frucht wer, oder wo er gewesen wer. 

Potten sein geschickt worden auss der Hermanstat in die Wala- 
chey, die haben gesagt do haymen solchen jamer das sie todter und 
gespister lewt als ein grosser waldt gesen haben. 

Anno d-ni. M. C. C. G. C. LXII jar ist der Dracole kumen in die 
rgossen Schiltaw, do hat der Dracole lassen toden mer dan XXV 
towsent menschen allerley volcks Cristen, Iuden, Hayden, Untter 
den sein die aller sehoensten frawen und junckfrawen gewesen, die 
durch sein hoffgesind behalten sein worden, und paten den Dracole, 
das er ins zu elichen weybern geb- Do liess der Dracol die man mit 
sampt den frawen und junckfrawen gerhacken lassen mit saybeln 
und schwerten als das kraut. Das hat er darumb gethan, das landt 
ist dem Turcken zinsper gewest und der Turck hat den zins ofTt 
an in erfordert. Also sagt er gem potten, er wolt in selber raychent 
er zoch in daz landt, do rayt man jin entgegen des zinss halben 
maynende dem Kayser all do zu bringen. Also kam ein hauff nach 
dem andern, do der Dracole sach, daz sein zeit was, do schlug er 
die all zu tod die jm entgegen waren geritten, wan sie sich des nit 



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113 



versehen hetten und der Dracole verbrant die ganzen Wulgerey 
und liess alle die menschen, die er gesahen moch, liess der Dracole 
all spissen, der warn in zal XXV tausendt on die in dem fewer 
verdurben. 

Er sach einen man arbayten yn einem kurtzen hemd. Do fraget 
er den man, ob er ein weyb het. Er sprach : ja. Der Dracol liess 
sie fur in bringen und fraget sie, was sie arbaitet. Sie sproch : ich 
wasch, pach unnd spinn. Zu handt liess er sie spissen darumb, das 
sie jrem mann kein langs hemd het gemacht, und gab jin ein ander 
weyb und sprach, sie soil jin ein lang hemd machen oder er wolt 
sie auch spissen. 

Item es kamen yn sein landt bey dreyhundert Zygeuner. Do nam 
er die pesten drey auss inn unnd liess sie bratten; dye musten die 
ander essen. Und sprach zu in also must jr ail an einander fressen, 
oder ziecht an die Tttrcken. Des warn die zige u ner fro an die Tttr- 
cken zu streytten. Also liess der Dracole ross und man in kuheut 
kleiden. Da nun de Zigeuner an dy Tuercken kamen, do sckeuchten 
der Turcken ross vor dem rauschen der kuheut und gaben die 
flucht an ein wasser, de ertruncken der turcken gar vii. Also sigten 
die zigeuner ob. Im ist ein munch parfusser ordens reytten anff 
einem Esel unter wegen begegnet; do liess der Dracole den esel und 
den munch auff einander spissen. 

Item es wurden zu jm geschickt etlich Walhen. Als sie zu jm 
kamen, do noygten sie sich und theten die hut ab und die pirret 
darundter bahielten sie auff. Do fraget er warumb sy sie die h u eb- 
lein auch nit abthetten. Sie sagten es wer jr gewonhayt und thetten 
sie gegen dem kayser nit ab. Der Dracol sprach: ich wii euch das 
bestetten. Zn handt liess er in die pirret an die hewpter starck an 
nageln, damit daz in die heublein nit abvielen und jr gewonhayt 
blib also bestettiget ers mit dem. 

Item es sein zwen munch kumen in sein landt ; die hat er ge- , 

laden, sie sollen zu ym kumen. Das geschach. Do nam er den einen 

c _. u 

munch und fraget in was man guts von jm saget. Dieser m e nch 

forcht sich und sprach: Man sagt alles guts von euch und jr seyt gar 

ein frummer Herr, das sag ich auch von euch. Er hiess disen munch 

e 
behalten und man bracht jm den ander m u nch, der wart von jm ge- 

fragt wie der erst. Do gedacht der ander munch, ich muss doch 

sterben, ich will jm die warhait sagen, und sprach : jr seyt der groet 

wudtrich, den man vinden mag in der welt, und keinen menschen 

hab ich gesehen der euch ye guts nach saget und deshabt jr wol 



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bewisen. Do sprach der Dracole: du hast mir war gesagt, darumb 

wil ich dich lassen leben, und Hess iu ledig, und schicket wider zu 

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dem ersten und meint, er wurd jm a u ph die warhait sagen, do 

sagt er wie vor. Der Dracole sprach : nempt in hin und liess in 

spissen darumb, das er gelogen het. 

Item er liess kinder braten, die musten jre muter essen unnd 

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schnyd den frawen die brust ab, die nmesten jre mann essen. Dar- 
nach liess er sie all spissen. 

Item er liess alien petiern die in seinem landt war en ein gut mal 
berayten. Nach dem mal liess er sie in dem stadel, darinen sie geessen 
hetten, versperren und verbrent sie alle. Er maint, sie essen den 
lewten das brot umb sunst ab und kentten das nit verdienen.— Paid 

darnach vieng in der Kunig in Hungern und behielt in vil zeit hert- 

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liglich gefangen. Darnach macht der Kunig den Dracole wayda wider 

zu einem Herren ais vor. Und man sagt, er thet dernach vil guter sach. 

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Gedruckt zu Nurenberg durch Jphalnnen Stuchs. 



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LEBENSLAUF 



Ieh, Gregor C. Conduratu, griech,-kath. Konfession, bin in 
fiukarest (Rumdnien) am 14/27). Sept. 1874. geboren. In Giur- 
gewo erhielt ich den ersten Unterrickt, in Bukarest besuchte 
ich votn J. 1886 an das Gimnasium (Liceul Lazar), das 
ich 1893 absolvierte. Dann studierte ich au der Universitat zu 
Bukarest Geschichte und Jtira, wo ich unter anderetn die Vor- 
Jesungen der Herren Professoren Odobescu, Urechia, Gr. Toci- 
lescu, C. Dissescu, Iorga hbrte. Dort legte ich die Prufung als 
Licentiat der Geschichte im J. 1897 ab. Meine schriftL Arbeit 
wurde von der Universitat prdmiert. Im folgenden Jahre gab 
ich eine Geckichtsstudie uber die «Beziehugen zwischen den 
rumdnischen Furstentumern und dem Koriigreiche Ungarn bis 
sum J. ij2d» heraus, welcher die rumdn. Akademie den 
«Staatspreis Heliade Radulescm zuerkannte. Noch wdhrend des 
Jahres 1898 unterzog ich mich dem allgemeinen Examen als 
Licentiat des Rechtes an derselben Universitat. AufVeranlassung 
der rumdn. Regierung ging ich im Jahre 1899 in das Ausland, 
um dort meine Geschichsstudien fortzusetzen. Au der Univer- 
sitat Leipzig immatrikuliert, besuchte ick vom Januar< 1900 — 
Juli 1901 vier Semester lang die Vorlesungen und Seminaru- 
bungen der Herren Professoren Seeliger, Lamprecht, Leskien, 
Marcks, Birch-Hirschfeld, Fricker, Weigand, denen ich alien 
herzlichst danke. Besonders aber schulde ich Dank den Herren 
Prof. G. Seeliger und K. Lamprecht fur ihre Belehrung und 
Anregung. 



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